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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 33 (1862) · p. Seite 130

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
33 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 sittliche Erziehung, tzie er erfahren, und der enc t Zusammenhang, in welchem er turch die regelmäßigste 1 iorresponbenz mit dem geliebten Later verblieben, vor e gentlichen Fehltritten bewahrte, so ließ feine heitere Gemüi ySan und sein anmulhigeS Wesen ihn doch viel in geftll> jrt Leben sich versenken, und diebrachte ihn von aller religiösen Uebung und dev, Jnnehaltung der jüdischen S tzung ab, wenn es auch fein« Liebe zu der angestammter Religion durchaus nicht abschwächte. Man erfährt dies ja gegenwärtig in Tausenden von Individuen, die, von jüdischen Leben entfernt, doch für vasselb« sich Herz i ad Sinn erkalten, was .in der leichten Behandlung der Religion, welches bei dem gegenwärtigen Geschlecht im Schwung« ist, sich leicht ermöglicht. ES findet in solchen )ersonlichketten keine grundsätzliche Beseitigung der religio n Praktik und dessen, wozu sie im Laterhause erzogen worb a. Statt, aher das Leben zieht sie nach und nach immer r >,hr davon ad, läßt ihnen die Verpflichtung für die religiösen Satzungen immer schwächer werden, ohne baß der in ihren Innern schlummernd, religiöse Fond sich auflöset. < llS daher! Benedir zu feinem Vater zurückgekehrt war, sch oß er sich I der in dessen Haust herrschenden Sitte leicht und ern wieder . an, besuchte den Gottesdienst allsabdatlich, und »ütete sich, irgend ein Gesetz zu übertretsn. Die ihm als! Häger beS väterlichen Geschäftes.zukommende freiere Stellut g verleitete ihn nicht, sich in religiöser Beziehung freier z» bewegen, da er hierdurch seinen Balrr zu verletzen fücü tet'e, und bald war ihm all' Lies wieder „zur süßen Gew rhnheit des LastinS" geworden. Welch' einen andern Weg war Markus gegangen! Auf der Universität machte dieser die Religion« Philosophie zu seinem eigentlichen Studium. Ausgehend ton seinem, in unreifen Alter aufgebautea und abgeschlossen« ti System, durchforscht« er zunächst die Religionen des lterthumS, und ging dann zum Studium der griechischen Philosophie über, au den Aristoteles fofoct die modernen S 'steme von CartesiuS dis Hegel anschließend. Auf dem S andpunkt?, den er eingenommen, verschmähte er, die ander, 1 positiven Religionen und ihr« Entwicklung, sowie den mitl lalterlichen scholastischen Uebergaag zu studiren, da ihm diese von vorn herein als 'beseitigt erschienen. Was wa> da natürlicher, alS daß sein knabenhaftes System, das ruf Nichts als willkührlichen Gedankenceihen beruhete, vor dem Koloß der antiken und modernen Philosophie in den 7laub sank und die Probe nicht auShielt. Da er einseitig die logische und dialektisch« Verfolgung der Prämissen zur Grundlage seiner Ueberzeugung machte, so lockte ihn dcr unabsehbare Irrgarten der philosophischen Systeme unwide stehlich an, sein Her; schloß sich ab, und er erblickte hieiin nur den berechtigten Triumph der Vernunft. So gesch^ h e« leicht, daß ihm das Judenthum in seinen Lehren nu einen sehr kleinen Dortath b«S philosophischen Denkens z i enthalten, in feinen Gesetzen und Vorschriften Vernunft vidrigeS zu fotdem schien, baß er sich bald übet jene l inweg und diesen feindlich gegenüber gestellt glaubte. Die Wirkungen blieben nicht auS. Schon früher, wmn er nach Hause zurückkehrte, begann er mit seinem Vater zu diSpuliten, suchte ihm mit schonungsloser Schärfe die Sä wäche seiner Argumente zu beweisen, und wähnte sich um so berechtigter, sich den Brauchen deS Hauses zu entziehen. Der allen Systematikern anklebende Stolz und EgoiSm >S ließ ihn den Schmer; seines Vaterübersehen, und spiegelte ihm sogar vor. daß sein Vater über den tiefen Denken in seinem Sohne Freude und Befriedigung fühlen müsse. Es blied aber auch nicht auS, daß sein Studium der auf einander folgenden Systeme ihn, den in sich unfesten Grübler von Einem zum Anbem schwanken machte, und zuletzt den reinen Skeptiker herauSkehrte, dem alle eigentliche Ueberzeugung verloren ging, und der endlich in der Methode deS logischen Denkens den einzigen Haltpunkl deS Menschen fand. Co weit war er gekommen, alS er an daS Krankenlager feines Vaters berufen ward, und sein Benehmen daselbst war, nachdem seine Besorgniß um daS Leben des VaterS vorüber, ein solches, daß man ihn gern wieder.scheiden sah. t-chiuh tot««.) lieber Die angebliche Nobilitirung des fedigeit Cbcrrabbiiterä Jonathan (*if»enfd)ü# in Altona. Ich erinnere mich noch jetzt, was ich als Kind von meinem feeligen Großvater, der ein eifriger Anhänger und Verehrer beS erwähnten Rabbinerwar. gehört habe; von den vielen Wunderthaten des Redde, Joanefen hinsichtlich seiner Amuletten und mystische Macht als Kabbalist, zugleich auch — daß der Rebb« ein Baton war — ohne daß ich damals wußte waS dieeigentlich bedeutet. Viele Jahre nachher laS ich etwas über den Sohn deS Rabbiners, deS Baron Eibenschütz in Dresden, und die Geschichte kam mir erwaS zweifelhaft vor, indem ich nie von einem christlichen Gelehrten, noch in irgend einer dänischen Schrift etwas darüber gehört oder gelesen habe. AlS ich im vorigen Jahre die Biographie dcS Jonathan Eibenschütz vom Herrn Rabbiner Gurmann Klemperer in PaschäleS Sippurim vierter Band las, nach welchem Jonathan laut Mittheilung in Caprtel 24 in dem Frei- Herrenstand als Baron erhoben wäre, hielt ich eS der Mühe werth, eine Untersuchung darüber anzustellen und schrieb deswegen an den Geheimarchivar, Conferenzrath De. pliil. Wegencr in Eopenhagen, bat ihm, möglicherweise über die Sache etwas aufzufinden. Die Antwort dehochgestellten Beamten in dänischer Sprache lautet in getreuer Uebersetzung folgendermaßen: Hochgeehrter Herr Cohen. Wenn Sie erst jetzt auf die am 18ten v. M. an mir gerichtete Anfrage Antwort erhalten, so wollen iSie, ich bitte Sie darum, den Grund diese- Aufschub«- nicht in irgend einer Gleichgültigkeit von meiner Seite, sondern nur in dem Wunsche suchen. Ihnen und der detr. Angelegenheit auf die beste Art und Weise dienen zu können. Obschon ich gleich — in Folge einer allgemeinen Rücksicht auf den in der Mitte von vorigem Jahrhunderte überall, auch in unserem Vaterland« herrschenden Geist — die Erzählung von de- OderrabdinerS Jonathan Eidenfchütz Aufnahme in den Adelstand als dänischer Laron'für eine Fabel annehmen mußte feine geschichtliche Unmöglichkeit), ging ich doch die Sammlungen von Geheimarchiven durch, worin man etwadavon zu finden erwarten konnte; —■ in jedem Fall di« Herkunft

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