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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 33 (1862) · p. Seite 132

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
33 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 und dock eadlick sahen, daß sie nichts Gewölk! gärige» im Sinne hatten, sondern sich nur übermürhig ik :rs ^Sieges freuten, legten wir unS wieder zur Ruhe, die f :,ilich noch emigemale durch den Lärmen gestört wurde. — Am andern Morgen ging Alles wieder seiner gewohnten Gang. Ich möchte übrigens behaupten, baß das früher sehr gespannte Verhältnis zwischen den hiesigen C iristen und Juden nach dem errungenen Bolkssiege ein güwstigeres für die letzteren werden wird, da sich da- Volk feirus Unrechts gegen, die Juden bewußt fühlen wird. Es ergudt sich dies auch daraus, daß nach erlangter Emanzipation baS Volk! den Juden die Fenster einwarf, wahrend es ich diesmal ' mir den geräuschvollen Demonstrationen deznü; tr. Taubstumme Kinder aus Ehen Verwandten. BeranPv Bert», VC, diiHgldict Ueber den Einfluß, welchen die Heirath'N zwischen Verwandten auf das Hervorgehen von taudstumi im Bindern ausüben, har M. Boudin kürzlich der Akademie der Wissenschaften in Paris eine sehr interessante Abhandlur z übergeven, der wir Folgendes entnehmen: 1) In Frankr ich machen die Heirathen unter Blutsverwandten ungefähr 2 pCt. aller geschlossenen Ehen aus, während die Zahl der t mdstummen Kinder, die aus Ehen zwischen Verwandten ilervorgehtn, sich zu der Zahl aller als taubstumm gedornen Kinder verhalt z. B in Loon wie 25 zu 100. in P ris wie 28 zu 100, in Bordeaur wie 30 zu 100. 2) Das Verhaltniß dcr taubstummen Kinder wächst mit dev Grade der Verwandtschaft der Aeltrrn, so zwar, baß, wein man die Gefahr, ein taubstummes Kind aus einer gewöhnlichen Ehe hervorgehen zu sehen, mit 1 bezeichnet, riese Gefahr mir der Zahl 18 bezeichnet werden muß b i Heirathen zwischen Cousin und Cousine, mir 37 bei Heira hea zwischen Onkel und Nichte und mit 70 bei Heirat «n zwischen Neffe und Tante. 3) In Berlin zählt man 3l/io taubstumm« Kinder auf 10,000 Katholiken, 6 laudstumme auf 10,000 Protestanten und 27 Trudstumnu auf 10,000 Juden; mit andern Worten, das LerhAltn« der Taubstummen wächst in dem Grade, alS die verst »irdenen Religionsbekenntnisse die Ehe zwischen Verwandt n erleichtern! lbie katholische Religion ist bekanntlich am strengsten in! diesem Punkte). 4) Man zählte im Iah e 1840 im , Distrikt von Iowa (Vereinigte Staaten in Nordamerika) > 2S/10 Taubstumme auf 10,000 Weiße, adel 212 Taub- , stumme auf 10,000 Negersklaven. Unter der farbigen! Bevölkerung, wo die Sklaverei die Heirathen unter Bluts-; verwandten gradezu begünstigt, ist also die Zahl der als taubstumm Gedornen im Berhälrniß 01 ma so groß als bei der freien weißen Bevölkerung, die von (besetz, Moral und Religion geschützt wird. 5) Taudstu nnu Kinder stammen nicht immer direct von dlul-venvm dren Aelterü ab, sondern gehen manchmal auch indirrce er k aus weitern Kreuzungsheicathen hervor. 6) AuS Ehen, di« zwischen taubstummen, aber nicht verwandten Aelte n geschlossen werden, gehen nur höchst ausnahmsweise wird«:taubstumme j zwischen Kinder hervor, so baß man nicht im entferntesten an eine Erblichkeit des Uebels glauben darf. 7) Die Zahl der Taubstummen wächst oft sehr merllrch in Gegenden, wo sich natürlich Hindernisse den Kre^zungSheirathen entgegen setzen; so z. B erhebt ssich die Zahl der Taubstummen, bi« für das ganze Frankreich 0 auf 10,000 Einwohner beträgt, auf der Insel Corsica auf 14, in den Hochalpen auf 23, in Island auf 11, im Canton Dem auf 28 (immer für 10,000 Einwohner gerechnet). 8) Man kann die Zahl aller Taubstummen in ganz Europa auf ungefähr eine Viertelmillioa adschätzea. Zu obigen Beobachwagen müssen wir jedoch hinzufügen, daß, selbst die statistischen Notizen alS richtig vorausgesetzt, die Prämissen des Di*. Boudin noch manchen Zweifel unterworfen sind, da es z. B. unrichtig ist, die Religionen in betreff der Ehehindernisse zwischen Verwandten zu rangiren: katholisch, evangelisch, jüdisch, sondern diese geordnet werden müssen: katholisch, jüdisch, evangelisch, indem das jüdische Eherechr bekanntlich die Ehe zwischen Reffe und Tante unbedingt verbietet, während dies die evangelische Kirche nicht thut. Daß die Verheirathung zwischen Blutsverwandten im Allgemeinen nicht zuträglich und namentlich oft Unfruchtbarkeit der Eh« zur Folge har, ist eine längst bekannte Tharsache. Die Redaktion. Curiosum. Ja Chru tim in Böhmen — so berichtet die „Berliner Montags-Post" — fand neulich eine seltene Leichenfeier statt. Es starb daselbst der Superintendent der evangelischen Gemeinde in einem Alter von 74 Jahren, eine Persönlichkeit, welche sich bi« Achtung aller Confessioaen, sowie di« Anerkennung der Regierung erworben hatte, welche seine Brust mir dem Ritterkreuze des Fraaz-Josephs-OrdenS geziert hatte. Er war als Mensch, wie als Geistlicher von Allen, bi« ihn kannten, gleich verehrt und geliebt, und als man seine entseelte Hülle zu Grade trug, begleiteten dieselbe, außer einer zahlreichen Menge seiner Freunde und Verehrer, 22 evangelische Geistliche, 11 .katholische Priester und 6 Rabbiner. Die katholische Geistlichkeit ließ während deS Leichenbegängnisses in ihren Kirchen mit allen Glocken läuten, und alS der Leichenzug an den Pforten des Friedhofes angelangr war, wurde der Sarg abgestellt, und eia katholischer Dechant segnete daselbst die Hülle deS Verewigten nach katholischem Ritus ein. Am Grab« selbst aber hielten nach Versenkung des Sarges in die Muttererde ein Superintendent und nach diesem noch zwei Rabbiner Leichenreden zum Gebächmiß des Verstorbenen. (Wir möchten wohl wissen, ob dies Alles faktisch sei?) Allgemeine Zeitung de» Jubentdum». No. 32. 1862. Leitende Artikel: Die Reform im Judenkhume. IV. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Möhringen Preußen: Bona, au« dem Posenschen, Berlin, Frankfurt an der Oder. OesterreichischerKaiserstaat: Raab, Raab. Prag, aus Oesterreich, aus Ungarn. Niederlande: Amsterdam. Schweiz: Endingen. Nordamerika: Rew-Aork. Eorrefpoodenz: Lu» Kurland. S9T Zu bezieben durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Lhaler, vierteljährlich }i Thaler. örtlicher Redacteur I. H. Luder. » 9uiM«rMu| i» Sei»jis- — Druck so <9. Sxt»(ing üi Ltip,ig.

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