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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 32 (1862) · p. Seite 126

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
32 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 und was er gewollt, geschieht ihm, vom B »gen uud Schwerte muß er leben, ankämpfend gegen Alle »nd zuletzt dem jüngeren Bruder, dem Volke des Geistes und der Religion unterwürfig. Jakob aber in seinen alleinigen Sinnen und Trachten nach dem adrahamirischr» Berufe, nach dem Leben im Geiste und in der Zukunft, muß au« seine« Vater« Hause fliehen, einsam und in .9 öthen zur Ferne irren, muß unwürdigen Menschen dienstb« r werden, um seine Familie zu begründen und ihre Bed irfnisse zu befriedigen, muß die Hälfte de« mühsam Erworder ea opfern, um nur den Frieden seinem mächtigen Bruder c dzukaufen, muß zuletzt nach dem fremdengehäsfigen Aegypte, wandern^ da sein Haupt auf da« Sterbekiffen zu legen mit der Aussicht de« Sklavenjochefiir feine Enkel, i »enn auch stet« von der Zuversicht auf Gott beruhigt, von den göttlichen Verheißungen sicher gemacht, von der Ge oißheil der, großen Zukunft seine« Volkes getragen. Die« ist die tiefsinnige Lehre, welche die h. Schrift j durch ihre Andeutungen über diese große die M raschen be-! wegende Frage uns ertheilt. Was dort in kt rzen, aber gewaltigen Zügen für da« Allgemeine und Mäch ige gelehrt ' wird, da« sollen wir selbst in unsren einfachen and kleinen Verhältnissen in Anwendung dringen. Rur die Ausgleichung und Versöhnung de« Weltlichen und Religiösen, de« Materiellen und Geistigen ist da« rechte Ziel verwahre Weg, der wirkliche Beruf. Die Innigkeit de« Gemüthe«, die Scharfe de« Geiste«, der Reichthum de« 4 Wissen«, der Aufschwung der Gedanken und die sittliche Re nheit, wir! sollen sie mit aller Kraft erstreben, zugleich al?r auch im weltlichen Leben bethätigen, in Beruf-treue, i i gerechtem ' Handel und Wandel, in strenger Pflichtrrfüllm g al« Glie- ' der der Gesellschaft und unstcer Familie, in 1 lrwecb und! Genuß. Zu Beiden ist der Mensch berufen, t irch Beide«! entwickelt und vervollkommnet er sich, nicht sie zu scheiben, J Eines zu verachten und da« Andere al« all iaige« Heil anerkennend. Zu Arbeit und Religion, zu Th ikigkeit uud Sittlichkeit ruft uns das K. Wort überall auf e« kommet; Eine« oder da« Andere gar nicht. Könner ihr Eltern , dennoch zweifelhaft sein, wa« ihr in der Erz ehung eurer | Kinder vor Augen haben sollet und müsset? Wehe euch, > wenn ihr glaubet genug gethan zu haben, w nn ihr eure i Kinder nur Brod zu schaffen, Geld und Gut \u erwerben, ein Geschäft zu machen vorbereitet und gesd ickt gemacht Haber, wenn ihr allen Werth nur auf die Ke mmisse pnd Fähigkeiten legt, die sie hierzu brauchen, wem eure Mahnung und euer Beispiel sie nur hierauf führet Aber auch diejenigen geben fehl und versündigen sich an H rrn Kindern, welche sie; Dem praktischen Leben entfremden, mit bloßem Wissen vollpfropfen, nur in Anspannung un steter Thätigkeir d.s Geiste«, getrennt von den Menschen und dem Markte de« Leben» erhalten. Wie schwer weoden die Kinder diesen Ircthum zu büßen haben! Ja, zur Entfaltung aller Kräfte, zur Werthhaltung aller Mensch ichen Bestrebungen, zur BelhäÜgung von Religion und § irre in allen 'Verhältnissen, in Furcht und Zucht des Heri t suchet eure Kinder zu>er;iehen: dann habet ihr eure Pfli )k vollständig erfüllt,, dann könnet ihr beruhigt sein übervii Pfad, den eure Kinder einschlagen werden, dann überlasset Gott die Sorge für ihre Zukunft! Mehr Recht als die Erkenntniß hat die Liebe. Ich weilte jüngst in einer Provinzialstadt, und mein freundlicher Wirkh ersuchte mich, einem Photographen zu sitzen, dann aber unter das Portrait eine Zeile zu schreiben. Die Worte, die ich dem wohlgelungenen Bilde untersetzte, lauteten: „Mehr Recht als die Erkenntnis hat die Liebe!" Du hast, lieber Freund, diese Worte gelesen, und frägst mich um deren Sinn. Dir scheint, daß das Bewußtsein die Blülhe de« menschlichen Geistes fei, und alle« Geistige erst bann feinen wahren Werth gewinne, wenn es in und durch da« Bewußtsein gegangen. Erkenntniß |ei aber da« Bewußtwerden de« Wesen« der Dinge, während die Liebe nur in der Gefühlswelt beruhe, deren Bewegungen mehr oder weniger dunkel bleiben. Darum möchtest du die Crtenarniß weit über die Liede stellen, jener die Oberherrschaft für den Menschen zuschreiben, also ein größere« Recht gewahren al« der Liebe. Ich kann dir hierin nun nicht vollständig zustimmen, und möchte eine weitere Erwägung nicht ohne Nutzen fein. Don vorn Herrin habe ich wohl die h. Schrift für mich. Auch ,sie dringt auf die Erkenntniß, und macht sie un« zur Pflicht; aber an den bedeutendsten und hervorragendsten Stellen ruft sie uns zur Liebe aus, ohne der Erkenntniß zu gedenken. An da«: „Höre Israel" knüpft sie sofort: „Liede den Ewigen Deinen Gott mir ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen." Auf die bedeutsame Frage: „Und nun Israel, was fordert der Ewige Dein Gott von Dir/" antwortet sie: „daß Du ehrfürchtest den Ewigen seinen Gott, in seinen Wegen wandelst, ihn liedeft und ihm dienest mit Deinem ganzen Herzen und Deiner ganzen Seele." Als den innigsten Ausdruck für unser Verhaltaiß zu Gott gebraucht sie: „Gott anhangen und ihn lieben." Wir sehen hieraus, daß das h. Wort zwar der Erkenntniß' de« göttlichen Wesen« ihr volles Recht «inraumt, vor Allem aber diese« mit der ganzen Fülle unserer Empfindung zu umfassen, in der Tiefe unsre« Herzen« zu tragen un^ alle unsre Gefühle dakauf zu richten, uns empfiehlt. Und wie sehr e« darin Recht habe, wird noch nachzuweisen nicht schwer sein. Siehe, mein Freund, dorr das blaue wogende Meer; weithin dehnt sich seine Fläche, hinunter in den Busen der Erde reicht seine Tiefe, immerfort ist e« von dem Hauche der Lüfte bewegt, Welle auf Welle drängt sich in unermeßlichen Ringen, die Sonne legt ihren glitzernden Schimmer auf die schäumenden Wogen. In der weiten Ferne erhebt sich aus seinem Schooße ein kleines, umgrenztes grünes Eiland, darauf Wald und Flur und einige Menschenwohnungen, ein kühner Felskoloß, gekrönt mir den Ruinen stolzen Bauwerks. Das Meer ist die Liebe, die Erkenntniß da« Eiland. Freilich faßt der Mensch festen Fuß auf der Insel und weiß sich da einzurichten, er erklimmt den Felsen, und baut sich rin kühne« System darauf. Aber wie gelangt er dahin? Nicht erst, nachdem er von den Wellen de« Meere« dahin getragen? Ist er nicht tausend Wechfelfallen unterworfen, bevor er sicher am Ufer de« Eilande« landet? Und fallen die Systeme seiner Erkennmiß im Laufe de.r Zeiten nicht immer wieder in Trümmer, daß sie nur geschichtliche Denkmäler bleiben? Zahllose fahren auf dem

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