Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 32 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
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127 Meere, und finden da Nahrung und Schätze, die sie jubelnd heimwärts dringen; aber wie Wenige gelangen zum Eilande, das nur eine geringe Zahl Bewohner zu bergen vermag. Doch lassen wir das Gleichniß, das wie alle Bilder auch seine falschen Seiten hat. Ich betrachte des Menschen Seele immer nur als ein einige- Ganze-, von welchem leine ihm von Gort verliehene Fähigkeit auszuschließen oder nur zu vernachlässigen ist. Der Mensch dar die' Aufgabe, alle seine geistigen Kräfte zu üben,, und das Zief ist hierin: daharmonisch« Verhältniß aller seiner Fähigkeiten zu bewahren. Hierbei ist aber niemals zu vergessen, daß das Erbenleben eine Vollendung nicht zum Zweck und Inhalt har, daß es immer nur innerhalb eines MittelzustandS bleibt, dessen Anfang und dessen Ende über feine Grenzen hinausliegen. Darum ist eS seiner Erkenntniß nicht gegeben, zu sicheren Zielen zu gelangen, weder die Dinge unzweifelhaft zu erfassen, noch in ihr Wesen wahrhaft einzudringen. Es ist dem Verstände nur gegeben, einseitig die Dinge anzuschauen und zu begreifen, und darum nur folgerichtig, daß er zu einseitigen Schlüffen gelangt. .Für alle diese Schwäche und Mängel tritt nun die Liede ein, alein Unmittelbare-, dazwar an sich zu keinen begrifflichen Vorstellungen führt, aber die ganze Beziehung, das tiefere und allseitige Verhältniß der Seele ursprünglich giebt. Auch die Liebe kann irren, aber auch ihre Zrtlhümer sind noch schön, befriedigend, thun wehe, aber zerstören nicht, sind entschuldbar und vernichten das Rechtsgefühl nicht. Ader die Irrungen der Vernunft sind der Samum, der den Geist verödet, au-börrt und mit Treibsand bedeckt; sie führen den Menschen zum Verbrechen and lassen nur Trümmer hinter sich. Sieh dich im Leben um, mein Freund. Laicht darauf berufe ich mich, wie kahl und leer ein bloße- Leben der Vernunft, wie blürhen- und früchtereich ein Leben der Liebe ist. Ader wie wenig vermöchte.der Mensch aufzubauen, wenn er zuvor alle seine Unternehmungen in ihren Zwecken und Mitteln, in ihrem Ein, und AuSgang. in ihren Vorzügen und Schwachen, in ihren Vor- und Nachtheilen erkennen wollte? Vor dem Beginn seiner Arbeit wären seine Kräfte abgeschwächt, sein Verlangen geschwunden , sein Trieb vernichtet. Ader faßt er einen Gedanken mir Liebe, schwellt sein Her; bei der Idee deanzustrebenden und zu erreichenden Zieles fühlt er bas Gute, darr vollbringen, das Herrliche, daS er Herstellen werde; mit welchem Muthe, mit welcher Ausdauer wird er daran gehen, und sein Eifer nicht ermüden. Wir treten an die Dinge und die Menschen heran. Wollten wir warten, bis unsre Vernunft sie erkannt hätte, wie lange müßten wir sie beobachten, ihre Eigenschaften und Wirkungen, ihr Wollen und Thun, bevor wir zu ihnen in eine Beziehung treten könnten, und wle oft würden wir irren und fehlgreifen? Aber sie berühren unmittelbar unser Herz, sie machen alsbald einen Eindruck auf unser Gefühl, und sofort kommen wir in ein bestimmtes Verhältniß zu ihnen, das auf unsre Entschlüsse einwirkt und sie bestimmt; und haben wir unser Herz rein und vielfältig ausgebilder, so wird es in den meisten Fällen daS Richtige finden und nicht irre gehen. Unser Verstand hinkt hinterdrein und rertifizirt unsre Empfindungen; aber alle Fehlgriffe unsres Herzenwiegt die Langsamkeit unsrer auf lass« Erkenntniß nicht auf. Die größten Jnstit> Menschheit gehen von der Liebe aus, beruhen fallen ohne sie; sie bedürfen in ihrer Entnst Vernunft, aber begründet und verwirklicht köni sie nicht werden. Willst du die Ehe, die ’ Vernunft gründen? Das Verhältniß zwischen Gattin vom Verstände beginnen und fortleiten du in der Erziehung der Kindes nur den Berstast lassen? Würde die Gesellschaft der Menschen, jemals zu Stande gekommen sein, wenn die hätte schaffen und gründen sollen? Ist es erkenntniß oder die Nächstenliebe, welche die Pflichten und Rechte ausmacht? — Und Liebe und Vernunft in Zwiespalt geralhen, »i du dich lieber änvertrauen? Die,Liebe kann kehren und immer wieder anknüpfen, vermag und zu versöhnen '— aber der Verstand har {W? einzigen Weg vör sich, auf dem er gehen oder wehe, wenn er der fälsche ist. Doch kehren wir zum Uedecsinnlichrn, züni zurück. Maimonides erklärt 'die Erkennmiß die höchste Stufe des MenschengeisteS; Spino die Liebe zu Gott. Ich glaube, daß Spinoza jüdischer ist alder gläubige Maimonides, der Zur Erkenntniß Gottes stad nur Wenige de zu lieben wir Alle-, Gott zu erkennen vermag ringe Zahl von Menschen, ihn zu lieben mir zen und mit ganzer Seele ist Jeder befähig Jeden daganj Natürliche. Die Religion, Israel-, ist nicht an eine Zahl Philosophen,, da- Volk und' die ganze Menfchheit gerichtet kcnntmß de- MenschengeisteS ist beschränkt, di begrenzt; jene ist talrsendfachen > Irrungen unt« Ziel ist zweifelhaft, ihr Gang führt oft ins von dem, was man sucht; die Liebe ist immer Zuversicht und hält selbst dennoch fest, wb zweifelt und schwankt. Freilich, mein Freund, befriedigendste Seelenzustand gegeben, wo De Liebe sich kn Uebereinstimmung finden, wo d den Gegenstand' alS den rechten erkennt, zu uns geführt. Ist dieso, sp ist di« Wahr! Spruches um so mehr erwiestn, denn da di« Verstände immer vorangeht, so har dieser dc daß die Liebe mehr Recht hatte als die Erkennt» genug der Erörterung, laß mich dir hierüber aumeiner Lebenserfahrung m »heilen. (Aonseyimg oigt.) ii d r deia Ein Amtsjnbiläum. MLbringtn (im württemkergischen Schwarzwald ) im Juli-> 2tat. 13itm d. M. wurde hier ein schönes, wahrhaft erhebendes Kest gefeiert — da; 25jährige Dieustjublläum dein seinem Bezirke allgemein geliebten un> verehrten Rabbiners Nr. Wassermann. T as von den Kirch nvorsteher- Armtern der zum Rabdmate ge-origen Gemeind n gewählte Comilr, an dessen Spitze Herr Rathschreider perlen von hier stand, hatte umfassende Vorbereitungen für di Begehung dieser Feier getroffen, welchen es zu verdanken ist7 fcML dieselbe nach allen Ssitru gelungen. Die A geordneten «ltiotten der ihr, zericklung der en sie durch ilie auf die Gatte und en? Willst, d obwalten der Staat Pemunst sie Rachsten- $>et(e unsrer elbst wenn m möchtest mm<r umju sühnen s nur «inen fallen muß. Göttlichen Lottes für fd hingegen hierin viel tristoreliker. Gott mr eine grganzem Her- und für sonders die sondern an Die Er- : Liede unrfvorfen, ihr Gegemheil sicher, voll r Verstand ist da der uunft und Verstand die Liebe eit meines Liebe dem nn-gelehrt, iß. Doch stoch Etwas