Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 30 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Salomon Horöwitz auf seine Kosten Eichenbtrum'« Ge dicht: „Hakrad" in hebräischer Sprache, welches l i« Schach» ipifl besingt, in London heraus. Dieses Gedicht merkwür» big als poetische Schöpfung, und sich besonders durch dargelegre Kunst der Schachparthie auSzeichner, ist dem russischen Publikum in .der schönen Uedersetzung (18- 7^ unseres verehrten Herm O. A. Rabinowitfch dekar nr. Biele demsche, französische, englische und russische Blak ec sprachen sich über diese Dichtung sehr lobend auS. Um diese Zeit entstand zwischen Eichenbam, und dem berühmten'S. D. Luzzatto ein Streit über Erklärung einer Stelle in „Zefod Mora" von Jdn-Es:a; die bestrittene Stelle wurde weitläufig erklärt und E bewies in den Zeitungen die Unrichtigkeit dieser Erklärur g. Er de, kam dadurch einen bekannten Namen in der ji bischen Gelehrtenwelt. Im Jahre 18-14 wurde E. als Aufseher ar der Kischinewer israelitischen Schule angestellt, in welch m Amte er sechs Jahre verblieb; 1850 wurde er zum Inspektor der Rabbinerschule zu Schitomir befördert, welll eS Amt er noch bis setzt bekleidet. 1855 unternahm er die Uedersetzung d«S j irancöreschen Werkes in hebräischer Sprache; der arichm rische Theil der Uedersetzung war im Jahre 1857 von zw« Verleger» Assocn-S in Warschau gedruckt, die inzwischn in Streit qerittben, und in Folge dessen, vielleicht i uch anderer Gründe wegen, liegen bis jetzt alle Eremplare des BucheS in irgend einer Warschauer Buchdruckereinied 'klage. Die zweite Ausgabe der ersten Abtheilung und ü rerhaupt der Druck der übrigm Theile, konnte au« der Urs che nicht zu Standen kommen, weil die Monopolisten d« t hebräischen Druckereien — diese Pachter de« Warte«, de alle Maßregeln ergreifen, damit kein einzige« Lehrbuch ras Licht der Welt in dieser geistigen Verwilderung, wor a die Juden in Podolien und Wolhynien leben, erblicke. Fü diese schändlichen Kerkermeister de» Gedanken« ist ein g, lehrte« Buch in hebräischer Sprache abgefaßt, ärger al« he Pest, und e« ist wohl begreiflich, daß sie sich nicht entsch ießen können solch ein Werk zu drucken. Den Druck im AuSlande zu besorgen, ist ziemlich theuer und unbequei > wegen der Correctur, Versendung u. s. w. Die Uet nsetzung deS Francöreschen Werkes liegt daher bi« jetzt not > im Manuskript. — Der Bescheidenheit unseres verehrten Dich ers und Gelehrten nicht nahe zu treten, unterlassen wir eine ausführliche Schilderung seines Charakter« und keiner Persönlichkeit zu geben: auch wollten wir unserm Aufßrtze een Charakter einer Schmeichelei nicht beilegen, und irgen» eine Eigenschaft zu verkleinern oder gar au-zulaffen, dazu konnten wir un« nicht entschließen. Die Persönlicl keit und die individuellen inneren Vorzüge und Eigenschaft n eines jeden Menschen gehören ihm und nur ihm allein: Hierher darf kein fremde» Auge blicken. Aber di! Fähigkeiten, die Produkte de« Talente« und de« Geistes, dies sind ein allgemeine«, ein öffentliches Eigenthum, un > Jedem steht da« Recht zu, darüber sein Urtheil zu fällen, die Regeln der Eriquelt« zu kümmern. E'S poetisches Talent'ist ein bedeutende«. Feder bekommt die hebräische Sprache rir biblischen Stellen oder richtiger gesagt, an« E'S Feder fließen biblische Phrasen: die« ist da« größte ohne sich um Unter seiner Colorit von Lob, welche« man einem jüdischen Schriftsteller spenden kann. Die Kennmisse E's auf allen andem Gebieten der hebräischen Literatur sind sehr groß. Al« Beispiel wollen wir nur Eine« anführen. Es ist bekannt, daß unter jedem Buchstaben in hebräischen Büchem Punkrationen, Zeichen sich befinden; solch ein Zeichen giebt dem Buchstaben die Bedeutung eine« konsonanten, vocalen und Halbvokalen Laute». ES ist begreiflich, daß die Combination der Halbvokalen Buchstaben in einem Buche ohne Punktation für einen erfahrenen Sprachenkenner und für ein gewöhnte« Auge keine Schwierigkeit bietet, und daß jeder Jude auch ohne Punkration lesen kann, da der Zusammenhang zwischen den zusammengestellten Localen und Halbvokalen verständlich und ersichtlich ist. Aber die Zusammenstellung der Zeichen kann unzählig, und jn vielen Worten kann die Punkration sogar sehr verschieden sein. Folglich, schiene e«, nur die Zeichen ohne die Zeilen zu lesen — ein« reine Unmöglichkeit. Unser E. aber liest die heilige Schrift nur nach den Zeichen allein, d. h. man dictirt ihm au« einer Stelle aus der Bibel einige Zeilen Zeichen, und er, ohne sich zu besinnen, citirt augenblicklich die Worte, indem er da« Buch und da^ Capikel, wo die benannte Stelle sich befindet, bezeichnet. Hier siebet man, außer einem scharfen Gedächtnisse, die ungewöhnlich tiefe Kennmiß der heiligen Schrift, wa« auch die Hauptbedingung eine« jeden jüdischen Schriftsteller« ist. Wenn wir die poetischen Schöpfungen E'S mit seinen merkwürdigen mathematischen Arbeiten vergleichen, so ist e« ganz deutlich, baß das Erstere nicht zum Zeitvertreib, nicht alS Spiel und nicht zur Befriedigung eines momentanen Wunsches hervorgerufen war; nein! Wir ersehen darau», baß fein poetische« Talent der Richmng gefolgt ist, wie fein gelehrte« Wissen, wiewohl auf einer ganz andem Bahn. Die Rarur war ihm stets theuer, denn je mehr er sich in sie vertiefte, desto mehr fand er in ihr Nahrung für seine Seele, wie für sein poetische« Genie. Wir können sagen, daß dadurch der Charakter seiner ausgezeichneten Schilderungen bezeichnet ist, die E. in seinen poetischen und prosaischen Werken so vorzüglich zu zeichnen versteht. In der kleinsten lyrischen Dichtung sowohl, al« in dem größten epischen und didaktischen Werke, stellt er sich stet« zur Aufgabe, daß jede Beschreibung ein Bild vorstelle, daß jeder einzelne Theil zur vollkommenen Dollennung sich harmonisch um den Mittelpunkt de« „Ganzen" gruppire. Daher zeichnen sich all« seine poetischen Arbeiten durch schöne« Formmmaß au«, alle Theile erscheinen al« unbedingt nöthige Glieder des allgemeinm Ganzen; daher diese Einfachheit und Deutlichkeit in den Ausdrücken, die den schönen Körper alS ein leichte«, durchsichtige« Kleid umhüllt. und durch ihren bescheidenen Glanz tiefer in die Seele dringt, al« ein künstlich auSgeardeiteter Styl, der vielleicht im ersten Augenblick entzücken, aber wie Alle«, wa« auf die Phantasie einen momentanm Effekt hervorbcingt, nach uns nach verschwinden und erlöschen wird. (Schl»» folgt.)