Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 30 (1862) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
30 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4908862-5999374-6026490--2203-4910610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

s Jüdisches Belehrung nnk) Anterhattutig aus jüdischem ffel^ele. HerauSgegeben von - i Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. i iRo. 30. 1862.1 Bo» dieser Zeitschrifl ers<dei»l «Schr»Uich eine Rnmmcr. .Print de« Jahrgang« l Lhlr. B»en«ljährig l'X Rgr. Alle BuckhaLdloagm, Postamrrr u»d Zeiluogtexvrdiliölle» nehme» Be-ellungy« ao. [9. ZakrZ. 3. Quartal.] Jakob Eichenbaum. Eine biographische Skizze. Seinen Schülern und Verehrern gewidmet von Karoa Torvegol. (AuS dem Russischen von L. T. auS O.) (Forlsrtzung.) Gegend Ende des Jahres.1822 langte E. in Odessa an, wo er diS Anfang 1824 blieb. Bon dort begab er sich nach Mohilew am Dnjesic, wo er eine HauSlehrerstelle annahm und bi- 1828 als Lehrer der hebräischen, deutschen und französischen Sprache bei den Herren Baffalovich und Loevenson blieb. Im Laufe dieser Zeit schrieb er viele Gedichte, thril- Originalarbeiten, theilS Uebersetzungen. Ja diesen §ünf Jahren ersparte E. ein kleine- Eapital, und da sich feiner eine Sehnsucht nach seiner Familie bemächtigte, die er so lange nicht gesehen, reiste er nach Hause, um von seinen vielen Fahrten' und vom biltem Brode des LehrerS auSzuruhen. Zu diesem Zwecke händigte er seiner Frau das ersparte Geld ein, welche damit ein Geschäft errichtete; aber diese-war so klein, daß edie Familie nicht ernähren konnte, und E. sah sich im Jahre 1828 wieder genöchigt, eine Lehrerstelle in seiner Vaterstadt anzunehmen 1. . . . i Quem dii ödere, praccepiorem fecere, sagt ein Sprichwort. Wer ein Mal die Bretter betreten, der wird schon al- Schauspieler sterben; wer sich nur ein Jahr al- Lehrer ernährte, der wird sich nicht so schnell wieder aus diesem schweren und mühsamen Stande herau-reißen.! Um die voll« Wahrheit unserer Worte zu begreifen, um da- Bittere dieser Phrase zu verstehen, — muß man selbst ein Lehrer sein, um sich datägliche Brod zu erwerben — sonst werden unsere Worte unbegreiflich erscheinen. Wer nie sein. Brod mit Thranen aß, Wer nie durch kummervolle Rächte AIS Lehrer über'm Buche saß, Der kennt euch nicht, ihr hungernden Knecht«! Anfangs des Jahre- 1830 raffte der Tod auS den Armen Eichenbaum'- seine heißgeliebte Gattin hin, die ihm drei Mädchen hinterließ; daälteste war II Jahre und dajüngste erst 11 Wochen alt! Sehr lange konnte er sich von diesem schmerzlichen Verluste nicht erholen, und nur der Blick auf die armen, verlassenen Waisen, die mütterliche Pflege benöthigten, bewog ihn in eine dritte Ehe zu treten. 1831 heirathete er die Gattin, mit der er jetzt lebt; 1833 kehrt« er wieder nach Mohilew zurück. Sein früherer Zögling, Herr L. R., der da- Gymnasium in Odessa beendigt«, und sich zu jener Zeit v^rheirarhere, nahm feinen Wohnsitz in Mohilew bei seinem ^Schwiegervater. Herr R. wollte da- Studium der Mathematik fortfetzen und kdendete sich an seinen alten Lehrer Herrn E. Damaltrug man in unsem Gymnasien die Mathematik nach FrancöreWerk: „Cours des mathematiques pures“ vor, und Herr R. verlangte, daß er ihn nach dieser Methode unterrichte.Zu diesem Zwecke liugtt unser E. erst selbst da- Werk diese- Verfasserstüdiren; ekostete ihn unsägliche Mühe, bier den kurzgefaßten Styl und die Gedankentiefe Francöre'- überwunden hatte. E. hatte daraus Nutzen gezogen, da er erfuhr, laß enoch eine höhere Mathematik gibt, deren Existenz er s rüher nicht ahnte. Seitdem fing er an, di« Mathematik gr inblicher zu erlernen; aler in Francökk'- analytischer Geometrie einen Jrrthum fand, trat er (1840) über diesen Gegenstand in. einen gelehrten Briefwechsel mit dem Verfasser, und Francöre war zuletzt genöthigt, diesen Jrrthum ei izugestehen. Dieser Umstand brachte in Odessa eine große Sensation hervor, und gab E. Gelegenheit, die Bekam tfchaft de- Professordedortigen Lyreums, Herrn Brunn, zu machen, der ihm Schriften der höheren Mathematik vee schaffte. 1836 gab der Buchhändler Kummer m Leipzig eine Sammlung Hebräischer Dichtungen E's unter! dem Titel „Kol-Zimra" heraus, welche von vielen Zeitschriften sehr belobt wurden. Di« Leichtigkeit der Verse, und eine ungewöhnlich« Geläufigkeit, mit. welcher der Verfasser di« Sprache handhabt, riefen die Bewundrung allrr jüdischen Gelehrten und Dichter hervor. Diese Sammlung enthält viele Uebersetzungen au- 'Langbein (der Vatermörder), au- Schiller (der Ring de- Polykrate-, die Bürgschaft u. m. a.), viel« Original-Gedichte, von welchen damerkwstrdigste de- Inhaltesowohl, alder Form nach (ebestiht au- 30 sech-zeiligen Stanzen) di« „Vision Salomo'-" ist. Diese- Buch enthält ferner: Gelegenheit-gedichr«, di: Geschichte Androklemit dem Löwen (in Prosa) und' >wei Briefe de- Verfasser-. „Diese prosaischen Aussätze", schrieb der verewigte vr. I. M. Jost in der „Allg. Zeitung de- Judenrhums" (I. Jahrg. Rr. 29.) — „zeichnen sich durch eine merkwürdige Leichtigkeit des Styleau-, und di« Freunde dieser Literatur werden dieses Luch nicht undeßriediget auden Händen legen."! Im Jahre 1840 gab der verewigte Odessas Kaufmann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.