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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 28 (1862) · p. Seite 110

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
28 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
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110 3un«*« gelöst, und bringt kartte, Worte, Sähe hervor. Schwurt nach einer Anzahl Monde wieder nach, i nb was für eia anderes Wesen Hader Ihr vor Euch!? Las für eine Fülle von Vorstellungen und Begriffen aus d r 'rings« umgebenden Wett hat es in sich ausgenommen, >i< Ausdrücke dafür erlernt, wie comdinirc rS in der m mnigfaltigsten Weise und drückt seine Gedanken aus; oie stack .sind seine Gefühle in den verschiedensten Schar irungen, wie gewaltig ist sein Wille, daß «« die umgeben en Personen oft zu ihrem Leibe erfahren. Mit einem Worte: an die Stelle der Oebe und Gebundenheit ist ein n ächtiger, frei strebender Geist getreten, der nach der Herrsä aft über sich stlbst und Alles, was idm umgiedt, ringt, ein geistiges Leben, das in hoben Wellenschlag gehr und fort md fort seine Strömung nach immer weiterem und größtem Ziele treibt. Dahin tritt, Leugner des Geiste- und ($o; les, und du mußt verstummen, erkläre diese Erscheinung m r deinen Blutkügelchen und Fasern, du wirst schweigen. sa, jedes Menschenkind in seiner Unschuld, in seiner Hü flosigkrit und in dem Erwachen seines Geistes und der Sä nelligkeir seiner Entwickelung legt ein Zeugniß voll unwide stehlicher Siegeskraft ab! - Hierzu lasser mich aber, meine Freunde, n ch einen Gedanken entwickeln. Stellen wir unden Zu land deS Menschenkindes im Mntlerlchoße und in den erst n Zeiten feines Daseins außerhalb jenes vor, und sehen ron dem Wissen seiner späteren Zustände ad, was gewa ren wir das Ein« Menge von.Organen, die noch gar ö ine Verwendung, noch gar keinen Zweck haben, deren V«> Wendung und Zweck gar nicht zu eoträthseln, ja nicht , u ahnen wäre, wenn wir sein nachheriges Leben nicht enneten. Wozu dieses Auge, das verschlossen ist, dieses Ohr, zu dem keine Luftwelle dringt, dieser Mund, der 9 lchtS in sich aufnimmr, diese Lunge, die nicht arhmet, bi st Arme und Leine, di« nicht greifen und schreimri U tb dieses zum Theil auch nach der Gedutt. Kurze Zeit, und die Räkhfel sind gelöst. Alle Organe beginnen ihre l Tätigkeit und erscheinen in ihren Zwecken. Selbst wenn der Embrvo ein Bewußtsein hätte, vermöchte es ihn a< s feinem Zustande heraus nur eine Ahnung von den F» nktionen, zu welchen dies« Organe bestimmt sind, zu ve schaffend Sicher nicht. Ahnt bas in der Wiege schttmmrrnbe Kind, was ihm dieses Auge, dieses Ohr, diese Zu ige, dies, Hand und dieser Fuß seien, eröffnen, schaffen wedek Und bleiben wir mchr in Beziehung auf umern Ge ‘r Kinder durch das gauze Leben hindurch i Wir sind im Stande, ungefähr die Tätigkeiten und den Umkreis unf«:er geistigen Kräfte zu deurtheilen, haben sie hiernach mi: Namen benannt, und einige Beobachtungen und Erfahrun zen darü- . der gesammelt, wissen auch, daß sie dennoch nur ei i einheitliches Wesen ausmachen und nur verschiedene thätigkeil Eines und Desselben find. Ader kennen wir di« es Wesen wirklich und haben einen ausreichenden Begriff oa seiner Natur? Ist nicht Alles, was unser Geist aas Erden erreicht, so umschränkt und begrenzt, so auseina« xrgefasert und bruchstückartig, daß wir im Grunde die r Amtlichen . Zwecke und Ziele unseres Geistes und seiner an« nicht kennen? Vermögen wir daher zu sagen, welä er neum Entfaltung dieser Geist noch fähig sei? Dürfen wir leug« nen, daß in ihm noch Fähigkeiten und Kräfte sä lummem, von denen wir noch gar keine Ahnung ^aben i darf der Embryo sich ein Urtheil aamaßen über seine eigene Beschaffenheit oder gar über da- Leben, dem er emgegengeht? Harre er Verstand, so müßte er folgen, alle diese Organe und Glieder, die sich schon regen, jn denen schon Leben ist, deren Verwendung ich aber nicht kenne, müssen einen von mir ungeahnten Zweck haben, mein jetziges Dasein muß in ein höheres bedeutenderes, freieres führen und so schmerzlich es mir. ist, mein gegenwärtiges mit seinem ganzen Wohlgefühl zu verlassen, so muß ich es doch gern hingeben, um des Großen willen, bas mich erwartet. Und wir, die wie wirklich Verstand haben, die wir zu beodachren. zu schließen und zu folgern vermögen, wollen alle diese berechtigte Logik adweifen? Nimmermehr! Die Schlußfolgerung ist so einfach und natürlich, daß wir sie nur in gewaltsamer Weise brechen können.' — So giebl uns das Menschenkind Zeugniß für unsren höheren Beruf, für die Wahrheit de- Gottglaudens für die Herrlichkeit der göttliche« Schöpfung, und hat so Dem, der herrlich ist auf der ganzen Erd« und seine Hoheit über die Himmel gebreitet, Sieg gerüstet, feine Feinde und Widersacher verstummen zu machen! Amen. Jakob Eichenhain». E:ne biograpbuch« Ltizze. Seinen Schülern und Verehrern gewidmet von \ L»ro> S«rn«g«l. (LuS rem Ausstichen von L. X. aut C.) Moses Gelder, im Jahre 1744 ich Flecken Tischowza, nicht weil von Samostz, geboren, war der Liedlingssohn! seiner Ellern. Er war ein Mann von seltenen Fädigkeiten, j aber nach damaliger Sitte und Lebensart des jüdischen , Volke-, empfing er keine europäisch« Bildung und beschaf- ( ligle sich ausschließlich mit dem Talmud und der Bibel. Dafür aber erreichte er auf diesem Gebiete eine ungewöhnliche Vollkommenheit. Der Ruhm von der seltenen Gelehrsamkeit des jungen Mannes verbreitere sich in der ganzen Umgegend; die Väter stellten ihn als Beispiel ihren Kindern auf; die alten Rabdiner und erfahrenen Talmudisten zahlten den Tribut des Erstaunens dem tiefen Wissen deS Jünglings. Dank diesem Ruhme, gab ein reicher Mann auS dem Flecken Chrisiianopol, Solkewec Kreis, in Galizien ein gewisser Hirsch leinen Familiennamen führten bekanntlich zu jener Zeit die polnischen Juden nicht) seine älteste Tochter dem Moses jjic Frau^>nahm ihn zu sich ins Haus, besorgte für ihn alles was er brauchte, damit der junge Mann ungestört seinen Studien obliegen sollte, um mit der Zeit eine Leuchte in Israel zu werden, was damals höher als rin Ehrenbürg,rlhum gerechnet war. Anderthalb Jahr nach der Hochzeit wurde Moses' Frau von einer schweren Krankheit heimgesocht, und sie erlag derselben. Hirsch,, stolz auf den Ruhm seines gelehrte« Schwiegersohnes, wollte Moses nicht aus seiner Familie lassen, und vrrheirachete ihn. mit seiner Tochttr, Namens Gittel, ungeachtet daß Letztere erst das eilste Jahr zurückgelegt hatte. —

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