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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 26 (1862) · p. Seite 102

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
26 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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102 — Jahr.S 1*502 wiedergegebea wird. Sie beginnt oigender- ' maßen: Die Bescheidenheit, gewöhnliche Beglci crin des wahren Talent«, schadet öfter denjenigen, welchen si schmückt und begrabt oft Namen in Vergessenheit, die , »rsentliche Ansprüche an Berühmtheit haben. Diese B lrachtung bestimmt uns, den Bordeauem einen Mann inS Grdachrniß zu rufen, der rbemalS in ihrer Mitte gerbt, «ine; wichtige Erfindung jn dieser Stadl gemacht, voi' wo aus ' er sie zuerst in Eurapa Verbreiter hak. „Im Jc hre 18O3 erschien in Paris: Essai *ur de pr«*lendues deoouv xles nunveiles par M. C. . in welchem man „dem »erühmten Pereira Gerechtigkeit angedeihrn ließ, der der Erst' gewesen, der in Paris die Kunst geübt har, den von Geb trt Taub- . stummen tzaS Sprechen zu lehren." Pelissot in feinem, Memoire [tour .senir L l'lastoire de ootie itterature. i Pari» 1805, .Ckaudon und Delandine in ihrem 5'o iveau dielionnaire htstoriqiie (L\on) in demselben Jahre haben gesucht den Scharren dieses große» Mannes zu versöhnen, ebenso wie der Verf. des t^orrespoodant ou coli ’cüons de lettre* etc. 1817. Di« biographische;Noriz v n Toiffet dem Aelreren in b^r kiogrsplue nuiverretle vom 2 ahre 1823 deckt Jrrthümer uNd Vorurrheile auf. De E eraado in ‘ feinem Werk«, betitelt „Ueber die Erziehung de - von Geburt Taubstummen, Paris 1827" spricht von $ ereira und den gemachten Versuchen, um den Sinn' der »on diesem ersten Lehxer in dieser Kunst angewandten Mets ode aufzubecken. Und endlich hat M. A. Brag,könne >oc «inkgen Jahren zu Pari« veröffentlicht: „Der vr. ^ereira und die Taubstummen." €. Lar n»ly. Trschredeü am Leschneidungsmt hle.') i. Der gegenwärtig« Mensch, und wenn n innigster Gläubigkeit durchdrungen ist, und die feiner Religion mit Freude und Hingebung e dennoch von dem unwiderstehlichen Drange beherrscht, sich über sein religiöses Thun aufzuklären, den Ge ankeninhalt und Zweck desselben zu erfassen, es mit B« oußtseia zu vollziehen. Wir horten daher mancherlei Frag n über den auch von Satzungen füllt, wird 1) Cine der schönsten Aufgaben im neueren )udenth»me. eine Aufgabe, die freilich pmachfl den stiabbine» u b Lebreru zu löken obliegt, ist, die Uebung de« alten Gesetze« au« dem Zustande der bloße» Fenn berau«ptbringen und zu vergeistig:». indem ihr ein frischer geistiger Zuhalt eiugeienkt wird. In Li eret Zeit lie* ßen untre Bäter kein feierliche« Mahl vorüber, »hn: baß an ihm einige, erntet ^^2» gesprochen wurden. Mao n nß'aber, wie diele zuletzt in ungenießbare« Gewäich ausaNet». E« wäre daher sehr nützlich, wenn der olle Gebrauch ii angemesiener Weise wieder erneuen und namentlich da« Besch reidungrmahl, nicht durch eine steife Predigt, wohl aber durch eine paffend« Tischrede feiten« de« anwesenden Radbinen »der Lei rer« anregend belebt würde. Zn Nutz und Frommen biete» Bo schlag» wollen wir in diesem Bl. nach und nach einige solcher Ti chreden geben. Der Lehrer de« Jndeulbnm« muß jetzt jede Gel tgenheir eifrig benutzen, um in seinen Glanben«gen»ffen die Siel: zur und die Kenntnisse in der Aeligion zn erhoben und zu stärken. Auch wird ein solche« Element gerade der Belchneidung« eierlichkeik eine größere Bedintunz geben. Freilich zählen wir »«bei nicht auf solche Geistliche, die für jede« von ihnen get'proc «ne Do« auf — Bezahlung rechnen. heiligen Akt, durch welchen wir soeben einen lieblichen Knaben in den Bund Abrahams und Israels eingeführr haben. Eine derselben gehr dahin: warum diese bedeutsam« Handlung zu einer Zeit geschieht, wo sie für daS zarte Menschenkind noch gar keine Bedeuruug hat, so daß die eigentliche Einweihung in unsre Religion nicht allein ohne den Willen, sondern auch ohne daS Bewußtsein de» Betreffenden geschieht i Ohne diese Frage heute erschöpfend beantworten zu «ollen, lasset mich, liebe Freunde, einige Betrachtungen an darknüpfen. Es ist sehr bemerkenswerth, daß die Thorah bald nach ihrem Anfang und bann wieder nahe vor ihrem Schlüsse die sittliche Freiheit des Menschen ausspricht. Dem Kajin wird vor seiner Thar zugerufen: „Die Sünde lagert vor der Thür, du aber kannst über sie hereschen." (1. Mos. 1, 7.) Selbst also, wenn der Mensch nicht so tugendhaft und vorsichtig war, die böse Begierde, die sich in ihm regte, schon »m Keime zu ersticken, hat er immer noch die Kraft, sich von ihr frei zu machen und die sündige Thar unvolldracht zu lassen. Nachdem aber das ganze Gesetz gegeben worden und dem Israeliten viele Male da« „Du sollst" und „Du sollst nicht" zugerufen war; sagt der Gesetzgeber zuletzt (5. Mos. 30, 10): „DaS Leben und den Tod legte ich Euch vor, den Segen und und den Fluch, so wähle das Leben, auf daß Du lebest!" Also über alle» Gesetzen und Vorschriften stehet die menschliche Freiheit, jene zu üben oder zu unterlasse». Freuen wir uns dieser erhabenen Lehre, die dem blöden Fatalismus eatgegentritt — aber vergessen wir nicht, daß der Mensch indmer ein Mittelgeschopf dleibtr-dessen Fähig' keilen, Kräfte uno Vorzüge allesammr nur bedingt u»d von den Gegensätzen beschränkt sind. Auch di« Freiheit dc» Menschen ist eine sehr umgrenzte, und von Beginne seines Leben« an ist er einer Menge von Nothwendigkriten unterworfen, denen er sich nicht entziehen kann, die ihm den Boden geben, auf welchem er sich dewrgea soll, und di« Grenzen bezeichnen, innerhalb derer feine sittliche Freiheit zur Thätigkeil kommt. Da liegt der Knabe in seiner Wiege. DaS Element seine« Dasein«, das Leben, erhielt er. ohne gefragt zu werben, ohne sein Verlangen, ohne fein Bewußtsein. E« umringen ihn die liebenden Eltern, die erfreuten Geschwister und Verwandte. Sie sind ihm gegeben worden; er konnte sie sich nicht wähle»; er vermag auch niemals, sie zu wechseln; sein Later bleibt sein Vater, fein Bruder Bruder. An seiner Wiege steht die Fülle ober di« Acmuth, die Tugmd oder das Laster, die Bildung ober das Gegentheil; Staad, Vaterland, die Zeit, alles dies sind Dinge, in die ev hiaeiagedorea worden, di« ihn empfingen, die ihre Wirkungen bprch sein ganze« Leben hiadurchtreiben, und für ihn, seine Geschick« und seine Entwickelung die bestimmendsten Momente bilden. Und blicken wir auf das Kind selbst. Seine körperliche Beschaffenheit har es in ihrer Anlage unb gegenwärtigen Gestaltung mitgedracht, und nicht von ihm häagt es ad, wie sie sich im ersten Aeilraum seines Lebens entfalten werbe. Kurze Zeit, und der Geist äußert sich in ihm; wir gewahren, daß in dieser körperliehen Hüll« eia geistiger Funke verborgen lag, der sich entzündet unb schnell zur hellen Klamme wird. Ader auch da zeigen sich bald Eigenrhümlichkeittn, die er nicht sich angeeignet, sondern die ihm ursprünglich gegeben waren, besondere Charakterzüge, geistige Anlagen,

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