Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 25 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4908862-5999374-6026484--2180-4910592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1 — <9 — noffm betrachten, Freund von Buffon, Clairam und d'Alemdeck, benutzte ec diese Verbindungen, die ihm sein schönes Talent und fein edler Charakter verschafft harre, um zuerst den portugiesischen Israeliten in Bordeaux kostbare Dienste zu leisten. Er wurde daher im Zahre >758 von ihnen zum „Agenten der jüdisch-portugiesischen Nation" ernannt (ein Titel, den man für ihn geschaffen hatte). ES war besonders im Jahre 1769, während ihres innern Kampfes, wo er ihnen sehr nützlich war. Der Syndikus und die Beisitzer faßten nach Versammlung der Norabela folgenden Beschluß: „Wir, Syndikus und Beisitzer der portugiesischen Nation in Bordeaux, wurden darauf aufmerksam gemacht, daß der Herr Pereira (Jikod Rodrigo), konigl. Pensionär zu Paris, der Nation Dienste geleistet har. in dem er seinen Einfluß und seine Freunde dazu verwandte, die von der Nation erstrebten Vortheile ihr zu verschaffen und ihr ihre Privilegien zu bewahren, und daß, wie die Ration dem genannten Herren Pereira einen Beweis ihrer Anerkennung m einem Wechsel hat geben wollen,.der genannte Herr Pereira dieieS Geschenk großmükdig zurückgewiesen und gesagt Kat, er sei mit dem lohnenden Bewußtsein, seiner Nation genützt zu haben, zufrieden: in Anbetracht alles dessen Kaden wir e« für gur befunden, die gegenwärtige Verhandlung in unser Rer. gister einzutragen, damit sie zu aller Zeit den genannten Herrn Pereira und seiner Familie dienen möge, bekannt zu machen, daß sie eS verdienen, daß die Nation ihnen vor» kommenden Falls nützlich sei." Zu dieser Zeit hatte Pereira Ide Pinro gebeten, ihn in seinen Bestrebungen zur Erhaltung der mehr alS zweihundertjährigen Privilegien der jüdisch-portugiesischen Ration zu unterstützen; diefer^Gelehrte schrieb deßhalb über diesen Gegenstand an den Marschall Herzog von Richelieu, den Statthalter von Bordeaux, und empsing von ihm eine Antwort, die eben so schmeichelhaft für ihn wie günstig für die portugiesische Nation war. Dann bewog Pereira den de Pinko zur Anfertigung einer Vertheidjgung für die jüdische Nation uod gab sie 1782 heraus. Diese Ver» theidigung ist hauptsächlich gegen die Abhandlung Voltaires über die Juden gerichtet. An ihrer Spitze desindet sich ein Brief des Verfassers an den Herausgeber, worin er ihn wegen der von ihm gemachten Unterscheidung zwischen den portugiesischen und deutschen Israeliten um Verzeihung bitter. Im Jahre I7tt6 übernahm Pereira selbst die Verthei» digung der Juden in der Vorrede zu der Sammlung der Privilegienbrief, und anderen Dokumente zu Gunsten der Israeliten in Frankreich. Da das königliche Edikt unS die Privilegienbriefe vom Mai und Juni 1767 wegen der Künste und. Gewerbe von Seiten der Kaufleute der sechs Jnnungen in Paris eine heftige Gegenvorstellung hervor» gerufen hatte, ergriff Pereira von neuem die Feder, um fein« Glaubensgenossen durch einen offenen Brief zu vertheidigea, dessen Anfang folgendermaßen lautet: „Mein Herr! Da ich nicht zweifele, daß sie die Schrift empfangen haben, die man überall verbreitet, und die den Titel trägt: „Vorstellung der Kauf- und Geschäftsleute zu Paris gegen die Zulassung der Juden", in welcher die portugiesischen Juden von Bordeaux, deren Agent ich diu, sich aog,schwärzt und beleidigt finden und ihre Privilegien kritisirt sind, so glaub« ich mich genöthigt. Ihnen die Sammlung ihrer Privilegienbriefe zu übersenden, deren Vorrede schon allein zur Antwort von Seiten der Juden im Allgemeinen auf alle die Verleumdungen diene», die man sich zu ihrem Nachtkeil-zu veröffentlichen bemüht. Diese Bor ede enthält indessen eine eingehendere Verteidigung »er Juden, die man „portugiesische" nennt, weil nur von ihnen in dieser Sammlung die Rede ist. AlS ich sie 1766 drucken ließ, hätte ich übrigens nicht geglaubt daß man noch gegen die Juden-die Haff,nSwerthen Verleumdungen anführm würde, die ihnen Herr Präsidmt Henault aufgfbürdet hat, und die dieser berühmte Schriftsteller die Gerechtigkeit gehabt hat, in der neuen Ausgabe feines Werkes zu berichtigen, unh noch weniger geglaubt, daß man sich in unfern Tagen einfallen lassen würde, zu wiederholen,'baß die Juden Christenkinder kreuzigten,• und noch viele andere Greuel, di« man ‘ ihnen in den barbarischen Jahrhunderten unter» geschoben har." l) Unter den Auspicien Pereiraließ sich cm« Anzahl Israeliten aus Bordeaux und Avignon zu Parinieder. An der Spitze deoselden war Israel Brrnard »on Dallahrogu.i, Dolmetscher des Königs, Verfasser einer Rechtfertigung der Juden gegen die falschen Beschuldigungen und Verleumdung«^ in der Eingabe der Kanfleute der sechs Zünfte in Paris und von Gefangen, wel^e die Juden Avignons uod Bordeaux, in Paris wohnhaft, in ihrer Versammlung bei Gelegenheit der Salbung Ludwig XVI. am 11. Juni 1776 vortrugen. Unter der Regierung dieses großmüthigen Fürstep ließen sich noch einige aadfre jüdische Familien aüS.Meh. Naaey und dem Elsaß niider. Bei dieser Gelegenheit schrieb der Generallieutenant her Polizei Lenoir am 16. November 1777 an Pereira: „Alle Juden im Allgemeinen, mein Herr, die nach Paris kommen, tönpen sich hier nur vermittelst beschränkter Pässe, die ihnen bewilligt worden, aufhiltea, und sind einer ganz besonderen Polizei unterworfen. Die > spanischen und portugiesischen Juden bekannt unter dem Ravirea „Neu» christen" oder portumesische Kaufleute, sind allein bis jetzt von! dieser Regel apSgenomme»: aber ich Hai» gedacht, daß wenn sie selbst nicht einen besonderen Reglement unterworfen würden, auS ihren Privilegien Unzukömchlichkeiteu!d«rvorgehea würden, rmmenklich daß fremde ^Israeliten fälschlicher Weise die Eigenschaft alS portugiesisch« Juden in Paris «inschleichen könnten, um zu stören; was ihnen umjo leichter wegen ihrer vorgeblichen Eigenschaft nicht so überwacht rSerden würben, wie sie eS natürlicher Weise sein müßten. Um diesem Mlßstanbe zu begegnen, )al mich der Minister ^deS Königs beauftragt, nach dem Bericht, den ich ilm von Ihrer Rechtschaffrqheit und Befähigung gegeben und die ihm schon bekaniit waren. Die zu benachrichra, daß die Absicht Sr. Majestät Daß alle spanischen und portugiesisches Juden, cm^welche« Ort» sie immer käme», gehalten seiia, wenn re sich in Paris av fhattea wollten, legalifirte CertijAate beamtete« Syndi Si und sechs anderer Notablen Ihrer ieMriadea vorzazeigl», weiche ihr Signalement imrhalten vorgeden und' sich hier die gute Ordnum ein würde, da sie 1) Um wie viel m< i in Jahrhundert später luuttau*, Bosheit m ie nicht kogar nnftrrbli h hätte sich Pereira gewandert, daß die« — 1862 — auch noch geschehen würde! d Pöbelroheit find sehr hartnäckig, wenn * find! Die Redaktion-