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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 24 (1862) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
24 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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91 vor Frost und Aalte erstarret. Allen Einwohnem ist von der Polizei bei strenger Verantwortlichkeit untersagt, einen Juden bei sich zu Herbergen. Merkwürdig, welch' «in« Judenscheu! bemerkte Mames mir bittrrn Lächeln. Nun, und dem Gawrilo Chwodorowitsch mußt du den monatlichen ZinS zahlen, daS ist wiederum ein ganz anderes Capitel, fuhr David Gacharirsch zu erzählen fort. Der Elne zahlt fünf Rudel, der Andere mehr oder wmiger, je nach den zu Gebote stehenden Mitteln, um nur den Commandanten dieser furchtbaren Festung für sich zu gewinnen, in welcher Menschen, wie wilde Thiere in den Menagerien, unterm Schloss« gehalten werden, mit dem bloßen Unterschiede, daß man von den dösen Thieren für ihre Einkerkerung kein Geld nimmt. Und ist nun bei Jemand die Aufenthalt-karte zu Ende, ach du mein Barer, welch ein Gepolter, welch ein Höllenlärm wird da nicht gemacht, als wenn ganz Moskau in Flammen stünde. Gawrklo Chwodorowitsch tobt und jagt, die Polizisten jagen, der Pförtner jagt ebenfalls: „Fort, Jud, fort, trolle Dich, packe Dich!" Möger Ihr auch gerade die kostbarsten Maaren auf Fuhren laben, oder mit einem der Fabrikanten eure Rechnung machen, oder einen dringenden Brief zu schließen haben — Nichthilft, mit einem Worte „fort und fort!" Nur ist der' Teufel nicht so arg wie man ihn schildert. Wohlverstanden, unter gewissen Bedingungen läßt Gawrilo Chwodorowitsch sich erweichen, lassen auch die Polizeidiener sich besänftigen, verlängern die Frist auf einige Stunden, zuweilen gar auf einen ganzen Tag. Aber welche Gemeinheit, welche Niedrigkeit bei dem Allen im Spiele ist; hol' eS das Wetter allgrsammt. Pfui, widerlich zu hören, unterbrach Bades. Abscheulich widerlich zu hören, fuhr David Sacharitsch fort, und noch widerlicher ist es, eS selbst zu erleben. Damals meine Herren, ist mir auch was Schönes;ugestoßcn: «ine Nacht aufm Polizeiamt geschlafen, so wahr ich ein ehrlicher Mann bin. „Nun ja, es wandelte mich die Lust an, das Theater zu besuchen; eS wurde gerade ein Stück gegeben, das man Hamlet nennt. Ich blieb im Theater zu tanze sitzen, vergaß, um so zu sagen, AUeS auf der Welt, ein solches HerzenSgaudium had' ich empfunden. DaS Spiel war zu Ende. Mich bauerte herzlich die arme Ophelia, auch Hamlet that mir leid. Dachte har nicht daran nach der Uhr zu blicken, sondern ging nur graben Weges nach einem Gasthause um etwas Erquickendes zu mir zu nehmen; von da nach Hause. Ich ziehe die Glocke. Wer dai fragt der Pförtner, und ich darauf: aus dem Hause, Freundchen, mach doch mal auf. Er aber will, gar nicht hören. „Nicht zur gesetzlichen Stunde, war die Antwort, es ist Mitternacht." Ich bitte, flehe, verspreche einen Rubel, zwei, drei, Alles umsonst. Ein für alle Mal: der Hofauffeher befahl nicht herein zu lasten. tEchtuß folgt.) Bericht und Urtheile der Griechen und I Römer über die Inden. ltzorlf. au» 9fr. 16 t. ». 3.) Diesem ausführlichen Berichte deS TacituS fügen wir sofort da» hinzu, waS sich über unstrn Gegenstand »och bei lateinischen Schriftstellern findet. PliniuS der Aeltere, der 70 nach der gew. Aeitr. bei dem großen AuSbruch de- Besuv'S, welcher auch die Städte Herculanum und Pompeji begrub, umkom, beschreibt in stiner Historia naturalis (lib. V c. XII) Syrien, von welchem Palästina ein Theil. Er zähle auch di« Städte desselben auf und geht dann zu den einzelnen Landschaften über, wo er sagt: „DaS übrige Judäa wird in zehn Kreise (toparchiae) getheilt, nämlich: Jericho, reich an Palmen, aber nicht sehr bewässert, EmmauS, LyodaS, Joppe, Aarabatene, GophniS, Thomma, Bethlehem, Orin, in welchem Jerusalem lag, die bei weitem berühmteste Stadt, nicht nur in Juda, sondern im ganzen Morgenland«. Herodium mit der bekannten Stadt gleichen NamenS" (PliniuS schrieb dieS kurze Zeit nach der Zerstörung Jerusalem'«). — Hierauf folgt bei ihm eine Beschreibung deS Jordan und drS tobten Meeres. — Interessant ist bi« Notiz, di« er im sechszehnten Kapitel über die Essener dcibringt. Er.sagt: „DaS westliche Ufer deS tobten Meeres wird als schädlich gemieden von den Essenern, einem sonderbaren und vor allen andern Völkern der ganzen Erde merkwürdigen Geschlecht, ohne Krauen, ohne Gelb, unter den Palmen lebend. Täglich erneuert sich die Schaar der Ausammenlebendm gleichmäßig durch die Ankömmlingen von fern und nah, die das unbeständige Glück lebensmüde zu ihren Einrichtungen treibt. So ist ihr Geschlecht wunderbarerweist durch die Jahrtausende ewig, trotzdem Niemand in ihm geboren wird« So ersprießlich ist für sie die Reue Anderer über Ihren Lebenswandel." — Im IV. Kap. de« XIII. Buches bemerkt PliniuS: „Diejenigen, welche die Götter verehren, nannte dajüdische Volk, daS sich durch Verachtung der Götter auSzeichnrt, Chydäer." (xväutog, Cliydaeus heißt gemein, schlecht, und wurde wahrscheinlich l unserer Meinung nach von den Juden für ihre Gegner i als Schimpfwort gebraucht, wie jene das Wort luclaei zu ein«?, olchen verwandten.) — PliniuS weiß auch schon, daß die Juden Fische ohne Schuppen nicht verzehren (lib. XXl. " : VIII.) — ein Beweis; wie genau man in Rom schon >amalS die jüdische Sitte kannte. — Daß jedoch auf : »irstm Gebiete viel geirrt ward, erweist Sueton (70—ISO rach b. g«w» Biitij.), der im Octavian l(K. 76) sagt: .Nicht rinyral «ln. Jude halt am Sabbath so streng das Lasten, wie. ich,s heute bewahrt habe." — Vom TideriuS »«richtet derstlbe Autor: „Oie fremden Zeremonien^ den Gottesdienst der Aegypter und Juden hielt er in Schranken: nachdem er diejenigen, welche an diesen Aberglauben dingen, I oersämmelr hatte, ließ er die gorre-bienstlichen Gewänder mit allem Zubehör'verdreirnen. Die jüdische Jugend schickte l^r alS Soldaten in Provinzen von ungesundem Klima; I die Uebrigen.von demselben BolkSstamme oder die derselben Religion angehörten, verbannte er. unter Strafe ewiger , Knechtschaft, von Rom" (Liber, c. 36.). — Von Claudius , (e. 26) erzählt er, daß er: „die Juden , weil sie, durch . Christus augefeuert, beständig tumultuirten, aus Rom ver-

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