Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 23 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
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91 und sein Tod, der am 18. Hjar 5053 (d. 27. April 1282) «folntt, ward Wenigen bekannt. Der damalige Burgvoij k I glaubte aus dem Besitze des Leichnam- Borcheile ziehe» ' zu können und wollte ihn nur für eine bedeu ende Summe verabfolgen lassen, welche die armen Landjuben von Ensei» : heim nicht aufbcingen konnten. So erhielt Rabbi Meie . viele Jahre nicht einmal eine Ruhestätte im Schoße de: Erde, sondern fein Leichnam wurde in einem Kasten in einem der Verließe von Burg Ensesheim aufdewahrl Endlich erfuhr ein gewisser Süßkind Wimpfen au- Frank furr am Main von der Sachlage, u>zv beunruhigt übe datraurige Geschick deso allgemein verehrten Rabbi gewann er für eine beträchtliche Summe vom Koni« Albrcchl im Jahre 1307 die Erlaubniß, die Gebeine de« Verewigten von EnfeSheim abzuholen, und nach Worm,;u bringen, wo sie ihre letzte Ruhestätte fanden. Ein Grad stein bemeldet uns noch deute in kurzen Zügen das Geschir! dcö Rabbi Mew, dessen Verdienste noch in anderen Zeug nissen der Nachwelt bekannt blieben. Der wahre Trost. , Als das Volk Israel in daS Dasein treten sollte, und der Genius desselben sich ungeschickt hatte, die Städte des höheren Lebens zu verlassen, entflossen seinen Augen viele Thräncn, da ihm bekannt geworden, welchen schweren Ge schicken seine Nation entgegen gehen, wie vielen Verfolgungen Zertrümmerungen und Bedrückungen sie ausgesetzt seien würde. Da traten die Engel des Trostes zu ihm heran Der Eine sprach zu ihm: „Die Zeit wechselt in ihrem Laufe unaufhörlich in Werden und Vergehen, Glück und Verderben, Freud' und Leid, und wer nur diesen Wechsel besieht, und bestehen bleibt, har schon gesiegt." Aber d« Genius der israelttischcn Nation schüttelte das Haupt und war nicht getröstet. Warum 4 Der Zweite sprach: „Alles Menschliche muß in ewigem Ringen sich bewegen, der Kampf ist sein Leben, nur der Kämpfende lebt!" Aber der Genius schüttelte das Haupt und war nicht getröstet. Warum? Der Dritte sprach zu ihm: „Wer um daS Göttliche mir und in dem Göttlichen ringt, und nicht unterliegt, dem winkt Sie Krone des Sieges. und er heißt Israel (rKT£\)!" — Da hörten die Thränen auf, aus den Augen deS Genius zu stießen, bas Lächeln wehmürhigen Freude und Befriedigung legre sich um seinen Mund und auf sein Angesicht, uad umstrahlt vom rosigen Lichte der ausgehenden Sonne flog er zur dunklen Erde herab. Warum 4 DaS bloße Bestehen hat keinen Werth. Ob Jahrtausende hindurch die Strahlen der Sonne die Stirn des mächtigsten Felsens umgolden, die Schwingen des Sturmes umresen, all' sein Bestand ist mit der kurzen Blüth« der Rose nicht zu vergleichen, mit llem Dufte, den sie aushaucht, mir der Farbenpracht, die sie schmückt, mit den Reizen .ihrer Gestalt, mit der Kraft ihres Lebens. Diel Gold und Silber birgt das Gestein in seinem Schooße, aber es muß erst heraus geschlagen werden aus ihm, bevor es zu Glanz und Herrlichkeit ersteht. Geringen Werth hat der kararische Marmorblock, so fein sein Korn, so weiß seine Farbe ist. Aber wenn der Meißel des Genius ihm Gestalt und Gedanke gegeben, seine Oberfläche mit dem Hauche des Geistes angeweht har, gehört er unter die großen Schöpfungen, welche die Bewundrung Jahrtausende auf sich ziehen. Wohl ist es daher ein Trost, dem Moder der Verwesung nicht anheim zufallen; wenn aber dieser Bestand nur eine Kette von Schmer; und Leid, nur eine wechselnde Reihe von Kummer und Mühsal ist, so wandelt sich jener Trost all'Augenblick in den Wunsch, in den Seufzer, dem Dasiln entrückt zu werden. So lange die Jugend den. .sehnigen Arm mir Kraft schwellt und die Brust voll Muthes, das Auge voll FeuerS ist, sehnet sich der Mensch nach Kampf, seine Kraft, zu bewähren, und den Lorbeer zu pflücken. Mit dem erwachenden. Mo.rgen schaut er sich nach einem Platze feiner Thätigkrit und. nach einem Gegenstand seiner Anstrengung um. Nicht' mag er sich mit dem begnügen, was der vorige Tag gebracht, und die Schritte noch einmal zu khun, die er schon oft gerhan. Er such« nach einem neuest Wege,. der ihn zu einem neuen Ziele führe. Wenn, wie der „Prediger" sagt, der Wind um den Saum der Erde immer wieder dahin zurückkehrt, von wannen er ausgcfahren, wenn der Strom in das Meer sich ergießr, um immer wieder zu seiner Quelle zurückzukehren, der Nebel iTtrffieigt aus der feuchten Erde, um als Regen in ihren Schooß wieder zurückzukräufeln —. so ist dies die Erfüllung des göttlichen Gesetzes der Natur, aber der Wind, der Suorn und der Regen kann sich dessen nicht 'freuen. J®m zum Kampfe, zum Ringen, zu immer erneuecem Streben und Mühen bestimmt zu fein., ist kein Trost, und wenn auch auf jene niemals ein Unterliegen folgt. Ob also Israel durch die Jahrtausende bestebt,. und - all' b«n Wechsel der Zeiten an sich vorübergehen sieht, ob es auf den Trümmern von hun^rl Völkern, tausend Thronen sieht,- dies allein ist kein Aroft, kein Ersatz für das unermeßlich! Weh', das seinen Kindern bereitet war. . Ob es wie mit Aegypten, so. Am Fssyricn, wie mit Amalek so mir Babel, wie mir dem Griechen, so mit dem Römer, wie mit dem Gothen, so mit dem Spanier, wie mit den alten, so mir den neuen Völkem und mit den HamanS und den AnliochuS' aller Zeiten gekämpft hat, mit ftdee anbrechenden Zeit sein Ringen. ruS dem Staube in die Höhe, aus der Finsternis zum?ichte immer wieder voji NeükM begann, und es alle diese! Kämpft^üderdauerke, alle diese Feinde fallen sah; es ist mit ein geringer Trost ^gcchen daS schmerzliche Bewußtsein, immer nur die Zielscheibe scharfer Pfeile' zu sein und ba^ eben abgeschüttelte Joch ~ wieder auf den Schultern zu füvlen. Sondern der Trost fängt erst da an, wo-daS Licht deS Wissens aufgehl, wo es t^ar in uns wird, warum wir bestehen, und daß der Kampf und daS Ringen einen Zweck hak. Und wenn nun dieser Inhalt des Daseins ein göttlicher ist. ein großer Gedanke der Vorsehung, und dessen Erfüllung Zweck und Ziel unsres Kampfes, ^ann lichtet sich die Nacht des Schmerzes 'zum Morgenrothe freudigen BcwußisLinS. Wenn es uns bekannt worden, daß unser Dasei» nicht blos e n Bestehen unstrer selbst, sondern eine Nothwendigkeit-für das ganze Menschengeschlecht, ein Grund und Botzen zum Reiche GotleS ist. daß unser Kampf ein Kampf ler Wahrheit gegen den Irrwahn, der Gottejerkenn'tniß gegen den Aberglauben, des einigen Rechtes- Ktgen das hun »ertköpstge-Unrecht, der Freiheit gegen