Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 21 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4908862-5999374-6026480--2160-4910576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
kam Israel Lovy im Jahre '1798 in Fürth in Bayern an. Zn dieser Stadt hielt man ihn zurück, hier verheirathete er sich. Dieser Aufenthalt in Fürth (von 1799—1806} war einer seiner glücklichste^ und tdätigsten Lebensabschnitte. Er studirte mit gleichem Eifer Piano, -Bioline und Violoncell, er lernt« von einem in seinem Hause, wohnenden Emigranten französisch, wozu noch das Studium des Jta- < lienischeo, dieser in so hohem Grabe musikalischen Sprache , kam. Diese Arbeiten ließen ihm noch Zeit Synagogenj Melodien von ursprünglichem Charakterzu schreiben. Sein i Ruhm verbreitere sich nicht nur in Kürrh und unter den Israeliten, sondern auch in die benachbarten Städte und in christliche Gesellschaften. Sechs ^geistliche Cvneerte wurden ihm zu Ehren in Nürnberg in« Leben gerufen, in denen er die schönsten Arien Haydn'S und Mozart» sang, und der Erfolg, den er davontrug, war ein so großem, daß der Kurfürst Maximilian Joseph, der im Jahre 180) König von Bayern wurde, ihn zu hören wünschte, und ihn nach seiner Residenz Aschaffenburg kommen ließ, wo er die Schöpfung sang. Der König von Würtembeiz hörte ihn ebenfalls, und so überschritt der Ruf deS israel - tischen SangerS glanzvoll die Grenzen der Synagoge. Im Zahre 1808 ging Israel Lovy von Fürth na<» Mainz, wo er drei Jahre blieb. Auch Straßburg wünsch e ihn zu besitzen. Er blieb dort acht Jahr. Von Künstler t und Musikliebhabern der Stabt gesucht, mußte er oft ihrer Bitten nachgeben, um sich in Concerten hören zu lasset, in denen die ernste deutsche Musik in ihm einen würdiger Vertreter fand. Im Jahre 1816 machte er eine Rei e nach Glogau zu seinen Eltern. Wahrend derselben sang «r in mehreren Synagogen Deutschlands, hauptsächlich ti Berlin und Frankfurt. Nach Straßburg zurückgekehrt blieb er dort nicht vi l länger als ein Jahr. Es wurden ihm sehr vortheilhaf e Anerbietungen vom israelitischen Tempel zu London,gemach . Wiederholten Bitten weichend, begab er sich zuerst na<) Paris (im Februar 1818), nach dem er in Mel, Nancy, ThionviUe und Derdün gesungen hatte. Dies Reife, welche, wie er sich vorgenommen, nur eine Runtreise von einigen Monaten sein sollte, führte zu einer festet; Niederlassung. Die Israeliten der Stadt Paris empfinge t ihn mit Begeistrung. Eine Menge allen GlaudenSdekenninissen angehöciger Personen, Componisten, dramatische Künsller, berühmte Sänger Paör, Rossini, Talma, Martin, Mlle. Mars, Mme. Catalani kamen, um ihn in den beiden Synagogen der Straße 8aiule Avoie und du Chauuic in denen er abwechselnd den Gottesdienst leitete, zu hören und die für die Menge der Zuhörer zu enge wurden. Es war nicht, als ob Lovy alS bescheidner Vorsänger sondern alS reisender Künstler, der eine gyöß« Stadt be suchte, nach Paris gekommen wäre, man feierte ihn auct als solchen. Die Salons des Grafen Angli-S, die der Gräfir Merlin und noch andre wurden ihm geöffnet, in dener man die israelitischen Barden mit Zuvorkommenheit empfing Mme. Catalani, die Direktrice deS italienischen Theaters lud ihn zu ihren wöchentlichen Soiröen und bewog ihr dazu, mit ihr zu singen. DamaK gab man sich große Mühe, ihn seiner bescheide, nen Laufbahn abwendig zu machen, um ihn für die Bühn, zu gewinnen. Milt seiner dewundrungSwürdig leichten Auffassungsgabe, ufld mit der Kknntntß, welche er Son den großen deutschen und italienischen Opern hatte, hätten einig« Monat diagereicht, um ihn zu diesem Schritte vorzubereiten, er konnte an der Seite der ersten Künstler glänzen, er konnte wie sie Ruhm und Vermögen erlangm. Es war dies «ine schwere und entscheidende Stunde in Lovy'S Leben. Cr widerstand diesen Versuchungen. Bon einer vorübergehenden Verblendung zurückkommend, verschwand er eine» TageS aus den weltlichen Salons, gab selbst seinen Plan, nach London zu gehm, auf und unterschrieb ein feste- Engagement mit dem israelitischen ConsistoriuMS zu Paris. Andre Ehren warteten feiner in seinem Borsängeramte. Sr wurde, wenn nicht die Ursache so doch die Gelegmheit einer wichtigen Neuerung-Um israelitischen Kultus zu Paris. Man mußte einen Tempel haben, der würdig war dieses Gottesdienstes, würdig der Gesänge Lovy'S. DaS Consistorium faßte den Entschluß, eine Synagoge zu bauen. Der neue Tempel wurde vollendet, zwar nicht in den Verhältnissen, bi« für die Zukunft wünschenSwerrh gewesen wären, aber doch nach einem zweckmäßigen Plane und dm Bedürfnissen der Zett angemessen. Israel Lovy wurde größtentheil« mir der liturgischen Wiederherstellung deS GotreSbieostes beauftragt. Hauptsächlich erstreckten sich feine Reformen auf den Gottesdienst und auf die Anwendung der geistlichen Musik. Er schuf einen Chor von 15—20 Knaben, den er durch seine.HülfSsänger vervollständigte. Außer den Melodieen, die er auS Deutschland gebracht hatte, componirre er neue Gesänge für alle Feierlichkeitm. Zu gleicher Zeit ließ er,« sich in Uedrreinstimmüng mit den angesehmsten Mitgliedern deS ConsistoriumS angelegen fein, daS Ceremoniel bei der Vorlesung au» der Thora, beim AuShrden derselben und das der hohen Feste de- Jahre» zu regeln. Der neue Tempel wurde am 5. Mär; de- Jahre» 1822 eingeweiht. Für die Israeliten zu Pari» begann ein neue Aera. Dies« Reformen,.welche anfänglich einige Einwendunqm Seiten» der Orthodoxen hervorriefen, obgleich sie dem Dogma durchaus nickt zu nah, traten, endigten damit, daß, Dank den günstigen Erfolgen, alle Bedenken hinweggeräumt wurden. Obgleich durch die spätere Einführung der Orgel ein neue- Element zu den ersten Neuerungen hinzutrat, so wurde ihr erhabner und ursprünglicher Charakttr doch nicht merklich dadurch verändert. Noch hat Lovy'S l Werk Bestand. __ , Leider konnte er sich nicht lange deS wachsenden Erfolge« dieser Reformen erfreuen. Die Anstrengungen, welche die Bildung und Verbesserung dieser Einrichtungen erforj decken, übten «inen verderblichen Einfluß auf seine Gesundheit au» und zerstörten seinen starken Körper. Da er außerdem in den letzten Jahren durch Todesfälle in der Familie hart betroffen wurde, so fühlte er i doppelt da» Bedürfniß, seine Seele zu kräftigen und sie durch die reinen Freuden der Kunst und der Religion zu trösten. Israel Lovy unterlag dem Eifer, mit dem er seinen Amt-Verrichtungen oblag. Er hak sich für die Würde de» Cultu» geopfert, und ist fast auf dem Posten^ geblieben. Schon krank verrichtete er am Sonnabend doch noch