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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 21 (1862) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
21 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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einer Landessage von Shechem nach Hebron übertragen - - sieht man in einer üderkuppelten Capelle, die sich an die Außenwand der Südseite des Gebäudes lehnt. Es hat weniger kostbare Verzierungen, als die anderen, und obgleich der Name seiner Frau (Zuleika nach muhamebanifcher Lesart) in den Zeugnissen der Pilger, welche die Mosch« besucht hadsn, mir verzeichnet wird^ wird kein Grab Zuleika'S gezeigt. Bis jetzt (fährt. das Schreiben fort) harten wir kein Sterbenswörtchen über den Gegenstand gehört, der uns doch am meisten interessirte — über die heilige Höhle selbst, in der, wie man glauben darf, wenigstens ein Mitglied der Patriarchenfamilke, der einbalsamirte Leid Jacobs nämlich unversehrt ruht. Wir fragten natürlich eifrig nach, bis man uns einen Blick hineinwerfen ließ. Im Innern der Moschee, an der Ecke des Abrahams-Schreines befindet sich eine kreisförmige Ossftmng, etwa 8 Zoll im Durchmesser, deren Rand einen Fuß hoch über dem Boden stark ummauert ist, deren untere Gewandung jedoch, so weit wir setzen und fühlen konnten, aus lebendigem Fels besieht. Diese Höhlung öffnet sich in einen riefen dunklen Raum, der kaum etwas anderes als die altehrwürbige Höhle von Machpelah fein kann und sich, nach der Meinung unseres Führers, unter die ganze Plattform hinzieht. Dieß ist die einzige Oeffnung in der Höhle, welche die Hüter anerkennen wollten. Einst, sagten sie, vor 2500 Jahren, war ein Diener eine» großen Königs durch irgend einen anderen Eingang in die Höhle gedrungen. Als er hinadstieg, war er im Besitz all seiner Sinne und sedc beleibt; zurück kehrte er blind, raub und als ein abgezehrter Krüppel. Seitdem wurde jene Pforte verschlossen, und nur diese Oeffnung gelassen, rdeil« damit die geweihte Luft der Höhle in di« Moschee aufsteige und von den Gläubigen gerochen werde, und theilS um vrrmitttltst einer Kette, die wir an der Mündung hängen sahen, eine Lampe hinabzulassen, damit sie auf dem geheiligten Grabe brenne. Wir fragten, ob man sie nicht jetzt anzüaden könnte. Nein, hieß es, der Heilige hat gern eine Lampe bei Nacht, aber nicht am helle» Tage. Die Resultate deS vom Prinzen abgesiatteten Besuchs sind vielleicht eine Enttäuschung für Diejenigen, die sich eine bireetere Lösung der Mosterien von Hebron versprochen harten. Aber man wird sich doch freuen, zu vernehmen, daß l»r. Rosen, mit dem Beistände eines aus unserer Gesellschaft, einen Grundriß der ganzen Stätte fplslsiirm) gezeichnet har, und so hoffe ich, daß diese Ergebnisse in seinen Händen und in denen anderer Bibelforscher nicht bloß dazu dienen werden, den pcinzlichen Besuch;n einem Gegenstände langer und dankbarer Erinnerung für Diesenigea zu machen, die durch ihn den langersehnten Eintritt gewonnen haben, sondern auch um die Kznnrniß dieses weltberühmten Punktes wirklich zu fördem. Doch voraussichtlich werden die Türken, da sie sehen, baß die Patriarchen den Besuch ihrer Gräber nicht mir Blitz und Donner, mir Pest und Siechlhum bestrafen, nun den Eintritt — namentlich gegen gutes Bakschi (Trinkgeld) — weniger versagen. Israel Lovy/) weiland Oberkantor am israelitischen Tempel zu Paris, gestorben 1832. Aus dem Französischen von Emil Breslaur (EonbuS). Wer vor dreißig Jahren den israelitischen Tempel in Paris besuchte, erinnert sich gewiß 'noch des damaligen Vorsängers, des Herrn Israel Lovy. Lovy war «in gelehrter Mann und ein dewunderungswürdiger bänger, welcher seine bescheidenen Amtsvecrichtungen durch daS ganz neue Talent, welches er dabei entfaltete, nicht nur zu Ehren brachte, sondern auch mit einem gewissen Glan; drtteidete. Begabt mir seltener musikalischer Anlage, wie sie der Himmel nur selten, um den Menschen zu erfreuen, hervorbringr, wäre er vielleicht ein großer Künstler, ein bedeutender Componist geworden, der sich einem Mendelssohn, einem Meyerbeer und Halevy dreist hätte zur Seile stellen können, hätte er eS nicht vorgezogen, im Schatten der Synagoge für die Religion und für feine Familie inmitten der heiligen Bücher, woraus er feine Begeistrung schöpfte, zu leben. Israel Lovy wurde im November de« Jahres 1773 in der Nahe von Danzig geboren. Er war der älteste von sechs Kindem und sein Later wie sein Großvater hatten in Polen und Pommern das Lorfäageramt bekleidet. Noch sehr jung folgte ec seinen Eltern nach Glogau in Schlesien. Sein Later Hane einen Ruf an die Synagoge dieser Stadt erhallen, welche damals eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Preußens bildete. Israel Lovy wurde inmitten der Gelehrten und Rabdinen Glogaue erzogen, die ihm zeitig zum Genossen ihrer lalmudischen Studien machten. Ec machte bedeutende Fortschritte, und man bestimmte ihn zum Rabbiner; aber der musikalische Trieb, der sich in ihm entwickelte, zerstört« diese Pläne. Bald wünschte er mit feinem Later im Tempel zu singen und allgemein war die Uederraschung und Bewunderung, als sich diese frische Stimme neben der schon etwas angegriffenen des Greises Horen ließ. Schon damals bestrebte er sich die traditionelle Lortragsweise der Bibel und der hebräischen Gebete auszuschmücken und mannigfaltiger zu gestalten, und verband mit vollständiger Kemuniß des Textes eine so süße und wohlklingende Stimme, daß dadurch alle Beredsamkeit und Poesie der Gebet- und Bibelstellen zu erhöhter Geltung gebracht wurden. Daher verzichtete sein Later darauf, ihn der rabbinischeu Laufbahn zu widmen. Nachdem er zwei Hihre fleißig studirr, begab sich der junge/ kaum zwanzigjährige Chasan auf Reisen. Lo durchreiste er in Begleitung von zwei Hülfsfängern Schlesien, Sachsen, Böhmen/ Mähren, einen Theil Oestreichs und Bayerns. Während dieser Reise wurde er mit den Meisterwerken Haydn'S, Mozart'S, Cimarofa'S bekannt. An ihrem Geiste richtete sich der seinige empor, er widmete sich mir Esser der musikalischen Composition. Nach 6 — 7 Jahren eines solchen Nomadenlebens 1) TaS französische Original meiner Uebenetzuog ist den religiösen Gefangen Lvvv'e, rie in diesem Zabre von seinen Hinterbliebeoen in Paris heransgegeben wurden, vorgedruckt, uav bat den Projessor Di. Eugene Manuel, einen Enkel Lovy'e, zum Verfasser.

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