Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 21 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Vvlksblatt Z°r Belehrung unk) Anterhattungau^ jüdischem Gebiete. HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. lNo. 21. 1862.1 Bon dieser Zeitschrift erscheint wocheuUich eine Nu«mrr. Prei« des Jahr gaags 1 Th». Vieri eljädrtg t \4 Ngr. ■*b Z«ino»-sex»ediriöanl sei me» Beftellanßen an. flflc Bnchba,dl»nge». Postämter ArkG 2. «jQmtrtal.] Besuch des Prinzen von Wales iu der Moschee von Hebron. Die „Times" beschreiben in einem Briefe aus Jerusalem vom 9. April den Besuch, den der Prinz von Wales in der Moschee von Hebron abg,stattet hat. Lange Unterhandlungen gingen diesem Besuche vorher. Herr Finn, der englische Cansul in Jerusalems hatte die Pforte'.um eine Eintritts-Erlaubniß ersucht. Anstatt des erwarteten Fermans kam ein Brief des Westes an, der die Sache dem Ermessen des Gouverneurs von Jerusalem änheimstellte. Der Gouverneur aber wollte langer« Zeit keine Verantwortlichkeit auf stch nehmen, und gab zuletzt den Vorstellungen des Generals Bruce und des englischen Dolmetscher-, Herrn Noel Moore, nur unter der Bedingung nach, daß der Prinz nur eine sehr kleine Anzahl Begleiter mitnrhme. Dem Gefolge schloß sich der als gründlicher Kenner Palästina'- berühmte Dr. Rosen an. Bei der Ankunft in Hebron fand stch, daß der Gouverneur zur Sicherheit des Experimentes großartige und vielleicht überflüssige Anstalten getroffen hatte. Ein Truppenspalier besetzte den Eingang der Stadt, und auf den Dächern standen Wachtposten. Die Bevölkerung verrieth keine Spur feindlicher Gesinnung, außer indem sie sich von den Straßen fern hielt, als die Fremdlinge ankamen. Der Hügel-Abhang mit dem Felsen, in dem sich die doppelte Höhle Abcaham's und di« Gruft der erzvaterlichen Familie, mit Ausnahme Rachel's, befinden soll, ist oft beschrieben worden. Nach ZosephuS umgaben die alten Juden die ganze Stätte mit kolossalen Mauern, die noch heute stehen. Innerhalb dieser jüdischen Einfriedigung fanden Pilger des siebenten und achten Jahrhunherts schon eine christliche Kirche, die später in eine Moschee verwandelt wurde. Ob die Hohle im Gebäude zu sehen war, darüber lassen uns die Berichte mittelalterlicher Reisenden im Dunkeln; aber daß sie sich darin befinde, das bezweifelten weder Juden noch Muselmänner, welche letzteren statt „Hebron" „El-Khali " (Gottesfreund) sagen. In diesen heilig gehaltenen Raum ist seit 690 Jahren kein Fuß eines Europäers, außer verstohlen, eingebrungen. ES giedt in neuern Zeiten nur drei Beschreibungen des Innern; die eine, kurz und verworren, ist von einem italienischen Bedienten des Herrn Bankes, der verkleidet hinein kam; die andere ist von dem Geistlichen Vere Monro, der aber nicht aus eigener Anschauung zu sprechen scheint; die dritte ist von Ali Bey, einem spanischen Renegaten. Der Berichterstatter der „Times" erzählt nun: , W!r stiegen eine Treppe hinauf, - deren Stufeuzahl deutlich »eigt, daß die Moschee auf dem höchsten Hügelhang, also über der Höhle liegt und als wir, in den Bereich der M'schee traten, empfing uns einer der Hüter, Abkömmling eines der Gefährten Muhamed's, mir gr^ter Artigkeit, obgleich seine Diener, tief« .Seufzer ausstießen, so oft wir 4in6 von einem geweihten Punct nach einem anderen begaben. Wir gingen barfuß durch einen offenen Hof in die Moschee, deren Baüart ’ den ^byzantinische» Ursprung , verräth. Im Innersten der äußeren Säulengänge befinden sich die zwei ersten Gräber; in der Nische zur Rechten dqs Grab Abrahams, in her zur Linken das Sarah's, beide mit. silbernen Thoren verschlossen. Den Schrein, der Sarah's Grad enthält, ersuchte man'unS, nicht zu betreten, weil edie Behausung einer Frau sek.. Den Schrein Abrahams erschloß man nach einigen Zögern und nach einem Gebet an den Patriarchen, daß er den Eintritt erlauben möge. Die Wände de- Grabgewölbes sind auS Marmor und das^Grab selbst sieht den meisten muhamedanischen Csleinfargen ähnlich und ist natürlich nur eine Art Eenokaph, der alS Denkmal über der eigentlichen Grabstätte errichtet ist. Er ist auS übergypsten Stein oder Marmor und mit grünen, goldgestickten Teppichen behängen. Die drei Teppiche dieses Grabes sind von Mohamed II., Selim I. und dem verewigten Sultan Abdul Medfchid geschenkt. Im Innern der Moschee zeigte man uns in derstlden Weife die Gräber JfaakS uiid Redecca'S. Dieselben sind in gesonderten Capellen angebracht und haben statt der silbernen nur eiserne Thüren. Rebeeca'S Heiligthum blieb uns aus demselben Anstandsgrunde wie das Sarah's verschlossen, und als wir Isaak besuchen wollten, bat >man unS, dieß ja nicht zu thun, denn eS sey ein großer Unterschied iqi Charakter der zwei ersten Patriarchen. „Abraham", hieß ri; „ist die Gute stlbst und verzeiht jede Beleidigung; sprach er doch stsbst geg^n das Unheil Gottes über Svdom und Gomorrha. Isaak dagegen ist sprichwörtlich > mißtrauisch und «S ist stllc gefährlich ihn zu reizen. > AlS Ibrahim Pascha seine Gruft betreten wollte, wurde eij von Isaak hinauSgeworfen und stürzte zurück, wie vom Ddnner geführt." Die Gvä »er Jacobs und Lea'S befinden fijch in ähnlichen Mauervert efungen wie die Abrahams und, Sarah's, aber in eineg, »sonderen Gange, dem Portal der Moschee, gegenüber. l Aq Lea'S Grab find, wie man durchs Gitter sicht, zwei griüne. Fahnen gelehnt, deren. Bedeutung unbekannt ist. werthes. 3ac bS Schrein enthält nichts Bemerkens- Josephs strab — sein Leichnam wurde nach