Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 20 (1862) · p. Seite 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
20 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4908862-5999374-6026479--2154-4910571
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Es versieht sich von selbst, baf die Hand voll Juden, der in Bregen; jetzt ansässig waren, sich wohl hüteten, bei dieser und anderen spateren Festlichkeiten irgend wie zu erscheinen. Sie wußten wohl, daß . das Volk, und zwar: die Vornehmen wie der Pöbel, sie alsbald zur Zielscheibe der Neckereien, wenn nicht der Mißhandlung machen würde, und da man niemals den AuSgang solcher Auftritte voraus wissen kennte, hielten sie sich still in ihren Hausern, oder doch fern von dem Schauplatze d,S Glanzes und feec ( Freude. MoseS, dev die Beforgniß seines Herrn um feine > ausbleibenden Kinder gewahrte, ging jeden Tag einige. Male nach dem Thbre und weil darüber hinaus, wo das wandernde Paar anlangen mußte, um sie alsbald und sicher nach dem Aufenthaltsorte des Vaters zu führen. von Jemanden erkannt worden und dies seine Anwesenheit verralhen habe. Was er gcthan, konnte ihn nicht beunruhigen, uüd da ihm Alles Nichts geholfen, so sah er seinem Schicksal ruhig entgegen. Er. beantwortete die Fragen d,S Grafen Meinhard klar und bestimmt, berief sich auf die Unmöglichkeit, das Verlangen des Kaisers;u erfüllen, und auf die Natürlichkeit, den willkürlichen Stra-- fen zu entgehen. Die ehrwürdige Erscheinung des Greises, seine Ruhe und Entschlossenheit machten einen so tiefen Eindruck auf den Grafen, daß er sein Bedauern ihm aussprach, die Ketten ihm abnehmen und ihn in eine erträgliche Haft dringen ließ. (Fortsetzung solg,.) den zweiten und dritten Tag nach des Rabbi Ankunft vergeblich. Als ec an diesem dritten Tage durch eine! Nebenstraße zurückkehren wollte — wclchl ein Entsetzen! Vor ihm stand der Mann, den er zuletzt hatte begegnen Flögen — Kampfa, der vom Anblicke deS ihm so wohlbekannten GemeiudebiencrS aus Rotbenburg nicht minder betroffen war. Aber schneller alS jener gewann dieser seine Fassung wieder, und mit bitterem Hohne rief er aus: „Ei, Du loser Doget^ wie kamst Du hierher geflogen?! Doch gelt, wo Du bist, kann Dein Herr und Meister nicht weit sein, da sicherlich Dü nur bist, wü ec ist. Ha, ja, man hat das Nest verlassen, und ist entflohen, als der Falke den Eingang nicht mehr bewachte. Zur guten Stunde ist er aber wieder zurückgekommen, und nun soll der Zaunkönig seinen Fangen nicht entgehen. Damkt Du ihm aber durch Dein Gezwirscher die Gefahr nicht verralhest, muß ich mich vor Allem Deiner versichern!" Bei diesen Worten winkte Kampfa einen nicht weil entfernten Stadtknrcht herbei, der, nachdem ihm der Renegat einige Worte zugeflüstert haue, den armen Moses, der voll Verzweiflung die Hand« rang, nach dem Gefängnisse adführte. Kampfa begab sich sofort zum Bischof Heinrich, theilte ihm die ganze Angelegenheit des Rabbi Meir mit, , so wie seine Voraussetzung, daß jener entflohen sei, um dem Kaiser die verlangte Summe nicht zu.zahlen. Der Bischof stand nicht an, dem Ansinnen des Spions nachzuqebrn, wodurch er zugleich seinem Kaiser einen Dienst zu leisten glaubte, und seinem, schon früher öfter berhaliglem Hasse gegen die Juden, msonders gegen einen von diesen so hoch verehrten Lehrer und Seelsorger genügen konnte. Er erbat sich daher alsbald einen Besuch des Grafen Meinharh, und forderte diesen auf, die Gefangmnehmung des Rabbi Meir sowie die Auslieferung desselben an den Kaiser zu bewerkstelligen. Der Graf ließ, um weiteres Aufsehen zu vermeiden, nach Mitternacht bas kleine Judenviertel seiner Stadt umstellen, ein Haus nach dem andern burchfuchen, bis man im dritten den Rabbi fand, in Fesseln schlug und zum Grafen brachte. Der verfolgte Greis hatte in Todesängsten um dem nicht wieder zurückgekehrten MoseS geschwebt- Einige der Juden waren auSg,gangen, um ihn zu suchen und erfolglos zurückgekehct. Die Nacht war bereingedrochen. Stunde auf Stunde verrann, und der Rabbi gab sich schon den Gedanken hin, daß sein treuer Diener der verruchten Hand eines Löfewichts erlegen sei. Da brach sein eigenes Geschick über ihn zusammen, und feint Angst wandelte sich in stille Ergebung. Sein gewohnter Scharfsinn ließ ihn sofort vermuthen, daß Moses Biographie des verstorb. Commodore Levy. AuS dem Newyork - Herald lLchlliß.! Er war der Eigenthümer von Monticella in Vieginien, der Wobnort von Thqmas Jefferson, daS vor einiger Zeit von den Rebellen genommen wurde. Als Eommobore Levy von dieser Confiscation Hörle, sagte er, daß dieselbe gar nichts zu bedeuten haben, daß in wenigen Monaten der Triumph der Waffen der Ver. Staaten ihm sein Eigenlhum wieder sichern würde, und daß die Rebellen in großem Jrrthum seien, wenn Sie glaubten, daß er fein Cigenthum dem Staate Dirginien zu ErziehungS-Zwecken lassen wolle ^etluralional purposfs). * Wahrend Mr. LcvvS Aufenthalt in Brasilien im Jahre 1827 fiel eine Steirigkrir zwischen einigen Ofstcirren deS„Cyan«--- mit den Brasilianischen Behörden vor. Fast wäre ein Herr Movel von einem brasilianischen Seemann niedergesioßen worden.- Capitain Levy der gegenwärtig war, warf sich zwischen die Kampfenden, wobei er eine bedeutende Verletzung am kleinen Finger erhielt. Der Kaiser von Brasilien, dem Lrvy vorgestellt wurde, war so entzückt von seinem tapferen Benehmen. daß er sich in französischer Sprachrlmit ikm über 20 Minuten unterhielt, und damit schloß, ihm das Commanbo einer neuen Fregatte von 60 Kanonen, die eben von den Ver. Staaten kam, anzudieten. Mr. Levy's Antwort war eines so großen Patrioten würdig. Nachdem er dem Kaiser für die große Edre seinen Dank ausgesprochen, erklärte er, daß er seinen Dienst zu sehr liebe, um ihn aufzugeben, wenn ec auch nur Cajütenjunge sein würde. — Commodore Levy litt sehr unter dem \ulpar. ci illcberal'j gemeinen und illiberalen Borurtheil, welches zu jener Zeit gegen die Juden herrschte, aber er; hatte das Vergnügen dieses Borürtheil vor seinem Tobe rasch im Abnehmen begriffen zu sehn. Die Menge feiner Feinde hatte keinen anderen Beweggrund wie dieses Vorurtheil, und hierher schreibt sich das Fehlschlagen jedes Versuches, Levy zu beleidigen. Die Zahl jener Bürger und Seevfficiere, die Zeugen seines MurheS, seiner Vaterlandsliebe, Beständigkeit und Edelmuthes sind, ist Legion. Doch Jeder, der die Meinung der Unrersuchungscommission der Regierung, die Levy freisprach, liest, wird gleichfalls eine richtige^Ansicht von seinem Charakter haben. Alle Zeugenaussagen in dieser Angelegenheit konnten nur dazu bienen, zu beweisen, daß dieser verfolgte Officier, in jeder Beziehung des Dienstes in jeder Flotte würdig fei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.