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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 19 (1862) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
19 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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nicht Martern, nicht Scheiterhaufen, nicht Tewaitkbaten, wir in ihnen nur die Kinder eine- und desselben Gottes nicht Versprechungen es vernichten konnten, setzt Israel sehen, des Gottes Israel'-. Gläubige und'Philosophen durch die kräftige und energische Aber, wozu soll ich diese Gefühle der Brüderlichkeit, Lebensfähigkeit feines Glaubens und dessen Bekenner in Menschenfreundlichkeit und Duldsamkeit euch an daS Herz Erstaunen. Giebr.eS eine größere Genuglhuung für uns, legen, die ihr ja in dem feierlichsten Gebete die schönen alS unsere berühmtesten Zeitgenossen, Theologen und free Worte sagt: „£> Ewiger, unser Gott, laß Deine Barm- Denker, Geschichtsschreiber und Staatsmänner, in vrreinre Herzigkeit sich auSdreilen über die Gläubigen, die frommen Verwunbrung auSbrechen zusehen vor dem von Gott de- Deines Volkes Israel, und über die Gerechten der stimmten Schicksal und den ausgezeichneten Fähigkeiten anderen Nationen" (Sclieiuone Esre). der Nachkommen des alten jüdischen VolksüanrmeSf Wir Noch einen anderen Vorzug besitzt unstre heilige Reli« wollen hierzu nur ein bemerkenswerthrs Beispiel citiren. gion, daß in ihr allein unter allen positiven Religionen Bei der Besprechung der bürgerlichen und politischen Eman- .Glaube, Vernunft und Her; übereinstimmen. Sie allein ziparion der französischen Israeliten hat einer der erhabenstrn stellt keinen Grundsatz auf, der nicht die Prüfung von Geister Frankreichs, der mit dem historischen Genie eines Geist und Gefühl ertragen könnte, den einzigen Mitteln, Tacirus die reine und geschmackvolle Sprache eines Eicero die der Mensch besitzt, um zur Erkennrniß der Wahcverbindct, folgende unvergleichliche Worte ausgesprochen: „Oie hell zu gelangen. Die Mosaische Religion kennt französische Revolution von 1788 backe wieder erhören und" keine Mysterien, sie fordert keinen blinden Glauben, sie befreit die Reste dieser Nation, so klein durch den Raum, .'cn sie auf der Erde innebat, so groß durch die Rolle, die sie in^der Geschichte gespielt har; die, während so vieler Jahrhunderte mitten unter die alten Völker, zerstreut, dort erniedrigt unter ihrer Verachtung gelebt har, ohne etwas von ibrem alten Glaube:: zu verlieren, indem sie die Größe ihrer unsterblichen Erinnerungen der Schmach ihrer jetzigen Verhältnisse entgegenbrelr und dem Verderben wie der Unterdrückung durch ihre besiegbaren Hoffnungen wiedcrstand".l) Einer der schönsten Ansprüche des lüdischen Glaubens ist der, daß ec zu dem Vorzug, die älteste^der positiven Religionen der.Menschheit zu sein, die ewige Ehre fügt, den beiden religiösen Formeln den Ursprung gegeben zu haben, die wichtigsten sind durch die Zahl ihrer Anhänger und die schönsten durch den moralischen Werth ihrer Vorschriften, dem Ehristentbum und dem Islam. Um dloS , die christliche Religion zu erwähnen, so kennten ihr jüdischer Ursprung und ihr jüdischer Lebcinbalr niemals bezweifelt werden, selbst nicht durch die hartnäckigsten Gegner des Iudencbum's. Unsere Bibel, bas Buch .der Bücher, ist die gemeinsame Grundlage beider Religionen. Endlich ist unter den großen Diensten, di. das Ehristentbum der Menschheit und der Eivilisalion geleistet hat, der größte und vorzügliche an' diesem Orte hervorzuhebende der, baß es der deidnuchen Welt den Mosaischen Glaubenssatz eines einzigen, ewigen GorroS gelehrt hat, daß es die lichtvollen und unsterblichen Lehren, die in der Bü.l niedergelegt sind, verbreitet-'hat, und daß eS üoecall die von den Propheten Israels ausgestellten moralischen Prinzipien auSgesär hat. Wenn wir also in dem Katholizismus, dem Protestantismus und der Lehre deS Islam drei Zweige 00S heiligen BaumeS begrüßen, dessen zwar alter aber kräftiger Sjämm wir sind; wenn brr Saft, der sie belebt, auch bvr Saft ist, der uns belebt; wenn ihr Laub uns ihre Früchte emporsprießen und sich nähren durch die belebenden Grundsätze, die ihnen unser unsterbliches Gesetzbuch einflößt;' so ist es ein heiliges Gesetz für uns, die Bekenner dieser Schwesterreligionen für unsere Brüder anzusehen, und, vergessend die Jahrhunderte der Ungerechtigkeit und Verfolgung, dürfen 1) Miguel, Historische Notizen über Portalls. flieht strenge Prüfung-rucht, sie will nicht, daß der Mensch . nur an die Eristen; Gattes glaubt, nein, er soll sie auch erkennen (5 Mos. -t, 38.). Die ganze mosaische Lehre ist auf die Freiheit und die menschliche Vernunft gegründet, und^auf jedem Swutte liefert unsere heilige Schrift hiervon den Beweis (5 Mos. 30.). Aber wir begnügen uns nicht, darauf stolz zu fein, daß wir die Wächter dieser hohen und verehrten Religion stad, die der Menschheit so unbelolmbare Dienste geleistet .hat; wir sollen unS auch durch alle unS möglichen Mittel dieser seliwierigen Sendung würdig machen'. Obwohl nach dem unerforschlichen Rarhschluß deS Ewigen wir seil Jahrhunderten aufgehort haben, eine Nation, einen politischen Körper zu bilden, ist unsere religiöse Eristen; nichts destoweniger zu hohen Bestimmungen berufen. Nicht allein sind wir die lebendigsten Vertreter der Gewissensfreiheit, nachdem wir so lange ihre glorreichen Märtyrer gewesen: sondern unser heiliger Glaube zeigt sich offenbar als daS Land der Versöhnung zwischen Glauben und Vernunft, * zwischen dem, was man fälschlich Theologie und Philosophie . nennt. Stolz auf diese Ueberzeugung können wir. sagen, * daß, wenn oie Rolle der Mosaischen Lehre groß in der! Vergangenheit gewesen, sie in der Zukunft zu nicht 'minder erhabenen Geschicken berufen ist. i Und klage man mich nur nicht an, ich sei ein Träumer und Vertrauensseliger, eine solche Hoffnung auszusprechen.! Dieses gemeinsame Land, dieses gelobte Land der religiösen Versöhnung ist nicht gar so entfernt von uns. Schon letzt giebk es eine gewisse Anzahl von Grundwahrheiten, über welche alle aufgeklärten Geister einverstanden sind, welchem EulluS, welcher Gegend sie auch angehören mögen. Unter diesen Grundwahrheiten giebt es zwei, die alle .Mderen überragen unp beherrschen. Oie Anbetung eines einzigen cinkörperlichen GolteS, Schöpfers und Erhalters des Weltalls, BelohnerS der Guten und BestcaferS der * Bösen; und der Glaube an die ursprüngliche und ewige Gleichheit aller Glieder der menschlichen Familie. AuS dieser doppelten Lehre der Einheit Gottes und der Einheit des Menschengeschlechtes, die zuerst der Welt durch die; Bibel verkündet wurde, entfließen alle Pflichten deS Menl schen gegen seinen Schöpfer und gegen seine Nächsten. I Diese beiden unsterblichen Lehrsätze verbinden Gott und Menschen durch die unlöslichste der Fesseln. Diese beiden ewigen Wahrheiten vereinigen eng und verknüpfen alle

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