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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 18 (1862) · p. Seite 71

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
18 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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71 von jeher die seinigen gewesen seien", — wer das S ück mit,Aufmerksamkeir liest, wer daS Glück gehabt hat, eS in einer vollendeten Bühnendarstellung auf sich wirken lassen zu können —H«m kann und wird eS ausgefallen sein, wie dem Dichter bei dieser Gestaltung uawillkühr ich das Bild seines Freundevorgeschwebr hat . So sieß Mendelssohns Rede dahin, mild, ruhig, mir tief'w Sinne, doch nie anstoßend und auffahrend. Wie liebe» oll und weife Nathan seine Recha, so belehrte Mendelssohn feine Kinder. Selbst die Wahl de-Namens Re« ha gemahntunsan jene Recha, deren Bekanntschaft Lesfing im Hause des Philosophen gemacht hatte und welcher, wie Sie wissen, daeinnehmende und geistvolle We m LessingS eine stille Zuneigung zu dem Dichter eingesi ißt hatte. Und erinnert uns nicht die edle Offenheit, welche Nathan dem Tempelherrn gegenüber offenbart, an die Weise, in welcher Mendelssohn zu denen redete, lie, wie ec wußte, gegen ihn eingenommen waren? daS wa rn jene fein durchdachten, jene bezaubernden Worte, durch welche sich dieser die Freundschaft mancher im Grunde ed en Seele, die sich sonst einem Juden nur mit Wiberstrel en genähert halte, zu erwerben verstand. Wie ferner Nathan dem Saladin gegenüber tritt,-den ganzen Schatz sei «ec scharfsinnigen Beredtsamkeir entfaltend, bescheiden, aber » nerschrocken und würdevoll, den Gerst der Liebe und >er Duldung auf den Lippen und im Herzen, so verstand es auch Mendelssohn, Großen zu begegnen, ohne feiluc Würde nur das Geringste zu vergeben. Und wer kön tu schließlich an der entzückenden Wiedergabe deS seinem Ursprünge nach rein jüdischen Märchens von den drei Rin« en vorübergehn, ohne der Vorliebe deS jüdischen Volkes ür solche Parabeln zu gedenken, ohne sich zu erinnern, t>t< unser Moses auf eine ebenso liebenswürdige Weise, sche n» dar spielend, den Gegner durch ein Gleichniß zu überzemrn wußte? Alles, alle« überzeugt uns, baß der Dichter hier dem Freunde, dem Juden, dem Weisen ein Ehrendenknial errichtet hat, das bestehen muß, so lange es Freunde l es LichteS und der Wahrheit auf Erden giebt. Die Intoleranz und falsche Bigotterie durch das Gegenbild eines Mitglieds der verachrerstenReligionen zu beschämen, bas war Lessint's Wille, als er einem Juden zum Träger des großen Gedankens hinstellte, daß das reine Menschliche über alle Vururlheile religiöser Satzung den Sieg davon tragen muß Mögen Kritiker die Verse deS Stückes schlecht nennen, mögen sie es tadeln, daß die Losung dxr Conflikte nahe zu den Eindruck vom Schlüsse eines bürgerlichen Familiendrama's »nacht, uns bleibt Nathan trotz solcher Ausstellu »g doch ein Bühnenwerk, welches uns das Haus deS spielenden Genusses stelS zum Tempel der Andacht weihen wii d. Wenige Jahre verflossen — und Lefsing 'Harb. Er starb — so arm, daß der Regent, dem er seine Dienste gewidmet hatte, ihn auf Staatskosten bestatten lassm mußte. Kein Denkstein schmückte seinen Grabhügel. E st später bat man denselben unter wildem Gestrüpp wiei er auffinden können. Wehmüthiger Entrüstung voll, bricht «kn Zeitgenosse an seinem Grabe in die klagenden Worte aus: Wenn er ein Deutscher nicht, tvenn er ein Brise wäre, Dann schlösse seinen Leib die Gruft der Kön'ge ein. Da würd' ein Volk, gefühlvoll für die Ehre, Ihm öffentlich ein ewges Denkmal weih'n. — I Er ging dahin, ohne die Wirkung seines Nathan vnn der Bühne herab mit angesehen zu habe», ja selb t ü» Zweifel darüber, ob das Stück auf dem Theater ge'alle» würde. „Noch kenne ich keinen Ort in Deutschland", ruft er aus, „wo dieses Stück schon jetzt aufgeführt «erde« könne. Aber Heil und Glück dm», wo ezuerst aufgi führt wird!" — der Dichter sollte 'den verdienten Lorbeer nicht mehr pflücken; er schied aus dem Getümmel eines unerquicklichen Stteites ohne den Genuß au seiner ei zenen Schöpfung. „Alles wohlüberlegt", ruft ihm Mendelssohn nach, „ist er zur rechtenZeit abgegaugen; nichl nur im Plane der Welt als zur rechtenZeit, denn da gefhleht eigentlich Nichts zur Unzeit, sondern auch in unserer Ss häre. Fontenelle sagte von Copernicus: „Er macht« sein neues Systemgekannt und starb." Der Biograph Less ngs wird sagen können: „Er schrieb Nathan den Weisen und starb." . Von einem Werke, daß über Nathan so hervorragte, wie dieser in meinen Augen Alles üderirifft, was Lessing bis dahin geschrieben, kann ich mir «ine» Begriff machen. Er konnte nicht höher steigen, ohr e in eine Region zu kommen, die sich unfern Augen völlig entzieht. Nun stehen wir da, gleich den Jüngern des Pro» pheten, und staunen den Ort an, wo er in die Höhe fuhr und verschwand. Ec ist in der That mehr als ein \ Rm* schrnalter stinem Jahrhundert vorangeeilt." —' — Diese Dichtung aber ist daschönste Erbe, daS e: der Menschheit hinterlassen konnte und wir vermögen ieute, wo wir unfern Mendelssohn feiern, dies'nicht schöner zu tbun, als in dem wir des Nathan gedenken. Zriede und Versöhnung athmend steht er da, ewig ftisch und-ung, aus der tiefsten Seele des Dichters geschrieben, ein Harmonische- Kunstwerk voll Geist und Leben. Danken wir Le ssing für seine« Nathan; erheben wir uns an den Gedanken, daß Mendelssohn das Urbild dieses Nsthau gewesen, welches forkleuchten wird durch die fernsten i sahrhunderte. —Ihr aber schaut jetzt herab auf dieftn kleinen, festlichen Kreis, ihr verklärten Dioskuren! Blickt in »iefer ernsten Stunde von euren seligen Gefilden herunter auf unS^. die wir uns hier vereinigt haben, um ein Aufersteht ngsfest des Geistes zu begehen. Senket Euch unsichtbar hernieder in unsre Mitte und seht, wie der milde, versöhn «de, lichlbergende Geist des Nathan aufgegangsn ist und F cucht getragen hat! »— Eure irdische Hülle ist längst in Staub gefallen; aber ihr schenktet der Welt einen Nathan, und Es kann die Spur von Euren Erdentagen Nicht in Aeonen uvtergehn! Ei« Jude als König von Polen. Im Jahre 1864 gab der verstorbene Sammler > Edelmann ein Merkchen in London heraus:GedulathSrul. In demselben ist ei« Abdruck eines Stückes aus einer Oxforder Handschrift gegeben, dessen Verfasser ein Nachkomme deS Saul war, folgende Familiensage giebt, de er aus dem Munde seines Vaters im Jahre 1734 vemonunen har. Herr vr. I. Caro giebt in seiner Schrift ^^as Jnterregnum Polens im Jahre 1687" (Gotha, 1861) folgende wortgetreue Uebersetzung der bezüglichen Erzählung. §*>50 gegen Sude. .J Der Sohn des Samuel Juda war der bekannt« Herri liche Rabbi Saul Wahl seligen Angedenkens. Es ist bekannt und geläufig im Mund« aller Wissenden, daß er

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