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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 17 (1862) · p. Seite 67

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
17 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 besteh,ab, stand «me Zuschrift an d«a Rabbi, die folgender, maßen lamett: „Ich, Abraham, der Sohn Samuels Abulafia's, dessen! Andenken zum Seg«, «tbieir Heil »ad große Huld dem : Rabdi Neir, der Leuchte der Gefangenschaft. Wisse, daß > die Zeit gekommen, von welcher meine heiligen Vorgänger,! die Propheten, Verkünder und verheiß« habe». Wie die j fünf Bücher der heiligen Tdorah und die fünf Sephtrolh > der Endlichkeit, sind e< fünf Jahrtausende. die den Söhn«! Adam« bewilligt worden, um den Nomen des Einzigen| anzuerkenaen, und z» seinem. Reiche der Gerechtigkeit und! des Friedens zn gelangen. Die fünf Jahrtausende sind | vorüber und es muß nun ßommen der, welcher mit der Ruth« seines Strafgerichts die Frevler vernichtet, und mit dem Stade des Lebenauferweckt die Gerechten aus de« Staude, dann sie schlaf«. Es naht der Tag des Gerichts, der Tag, den di« heiligen Propheten nennen Som Rora («112 cv). Das Jahr, in welchem der Messias erscheint, ist daherdas Nun (:) nach Abschluß der fünftausend *). Fünfzig Jahre sind als Zeit der Barmherzigkeit bewilligt. Darum sandte mich der Herr als einen Seher, der die Geschichte des Verborgenen schaut, jetzt, um im Jahre Nun als Messias zu kommen, di« Vertriebenen;u sammeln, die Zersprengten zu vereinigen, di« Gefangenen zu lösen, die Blinden zu erleuchten, sie zurückzuführen nach de» ewigen Felsen Zions, die Völker der Erde zum Hause Jakobs zu geleiten unb aufzunehmen in den göttlichen Bund, damit einzig werde fein Name auf der ganzen Erde, wie einzig der Ewige der Heerschaare» ist. Darum höret, was ich euch verkünde. Nur noch vier Jahre, und bas Wort de< Herrn geht in Erfüllung. Ich bin es, de« er zu seinem Knechte gewählt, ich, Abraham, d. h. Rasiel (Vnn-i*), der Engel des Verderbens für die Männer des Ungehorsams, der Engel de- Friedens für die, welch« dem Wone lauschen und folgen. Ich gebier«: Macher euch alle auf, und ziehet nach der Stätte der Trümmer und der Trauer, nach Jerusalem. Zögert nicht. Schüttelt den Staub der Gefangenschaft von euren Füßen und suchet den Wohnsitz de- Heiles auf! Wen ginge dies aber mehr an, als den Führe« des BolteS, den Lehrern der Söhne Israels? Wehe deaeu, die sich weife dünken in ihren Augen? Darum seiet demüthkg und folget meinem Rufe. An der „Mauer der Klage" stoße ich zu euch und werde euch meine Wunden zeigen. Du, Metr, bist info»ber<berufen. Erleuchte') die Augm Deiner Schüler und Anhänger. Auf nach Jerusalem!" Rabbi Melr las dies« Schrift wiederholt und richtete nach langem Sinnen feine« Blick wieder auf den Sendling mir der Frag«: „Bist Du allein an mich gesandt, oder hast Du noch andere Verrichtungen?" „„Allerdings,"" lautete die Antwort, „„gehet mein Weg von hieraus nach Worms und Speyer, nach Cöla und weiter hinaus. Nach all' den Gemeinden, die am Rheinstrom fitzen."" „Nun, ft laß Dir Speise und Trank reichen und zieh« von dannen, wann es Dir beliebt." 1) Der Brief war geschrieben im Jahre 5046 (1286). Bier Jahre später war daher das Jahr bOÜO (1290). 2) Cp“ia« jft an Zahlwort gleich stm, (Verderben Gottes). neulich 248. Abulafia lößt in seinem 0 Gott stets mit Rasiel sprechen. I 3) Eine Anspielung ans Rabbi Mer'rs Namen.! „ „Ich will eure Gastfreundschaft benutz«, Rabbi, für diese Nacht, obgleich der Prophet »ich ausgerüstet «* der Kraft zu hungern und zu dürft«, ohne daß es »ir schadet, unb auf das Lager der Raudehie» zu stoße», vhn« daß sie mir etwas aahabm."" _i Der Raddi lächelte zweideutig. „„Aber habt Jhe mir knne Botschaft zu ged«,"" fügte jener hinzu, „„über das, wozu Ihr entschloss« seid?"" Der Rabbi antwortete: „Der Prophet weiß das von selbst unb der Bote braucht es nicht z» wissen." „„Ihr habt Recht, auch will ich es gar nicht wisse» für meine Per so». Wenn ich aber verkünd« kann in d« Städten, wie Ihr, Rabbi Melk von Rothenburg, de« Rufe Gottes und seines Gesalbt« folg« werdet, so wird dies die Gemürher «tzünb« u»b die Flamm« »es Glau» b«s hoch auflode« lass«."" ,Jbtx Ewige wahret die Einfältig«. I» Israel ist Jeder beruf«; denn das Lelftiel kan» eb«so irr« führ« wie zurrchtletr«. Gehet." Der Bore ging, und «och lange saß der Rabbi, sann über das sonderbare Schriftstück nach, und »nrersnchte dta Atabeskrn und die Berfe uüd Sprüche, welch« ln wunderlich« Figur« theils nach d« bekannt« Reget» der Kabbala, theils »ach der Laune oder Erfindung des Schreibers dea Brief umgaben. Dann sandt» er nach seinem Gchwio« gerfohn. Er forderte dies« auf, die Zuschrift z» lesm, und ihm feine Meinung zu sag«. R. Ascher zögerte nicht; d«n es war in d« jüdisch« Gerichtshöfe« immer Sitte gewes«, daß di« jünger« Beisitzer zuerst ihre Meinung aussprach«, um von der Autorität der ältere» Meister nicht besang« und beirrt z» werden. „Vater," hob der jung« Mann au, „mir scheint dies ganz einer jener Betrügereien zu gleich«, welche leider k in d« letzt« Zeit« unter unser« Glaudensg«oss« nicht fett« vorkam«." „Und woran willst Du dieerkennen?" „Es erscheint mir das Ganze so gemacht «ad gezwnngm; diese Spielereien mit Buchstad« und Zahl« find nicht die Act unserer heiligen Prophet«. Und dann, leb« wir nicht im Exil? Wo soll da der prophetisch« Geist herkomm«, der sich uns im heilig« Land« offenbart?" „Du hast nicht ganz Recht, wie es »ir scheint," antwchlete der Rabbi. „Muß die Gefa»g«schaft nicht einmal ihr ^nd« erreich«? Und damit dieses komme, mnß nicht eine Botschaft an das zerstreute Israel ergeh«? Gerade weil aber im Exil, erscheint der prophetische Geist gedämpft und an kleinere Mittel, wie die Geheimnisse der Zahl« und Lochstab« gebündea. Hat sich die« nicht einmal schon an den Prophet« Daniel erwies«, »er in der Knechtschaft zu Babel lebte? Ich sage dies nicht, um mein« Glaub« an die Echtheit dieses Abulafia auszusprechen. Ader es ist ja der Vorzug unserer heilig« Lehre, daß wie Nichts ohne Prüfung lass« soll« und dürft«. Mußt« es sich doch auch die wahr« Prophet« in Israel gefall« lass«, daß man sie nicht «her anerkannte, als dis sie sich durch-untrüglich« Zeichen erwiesen hone».' Dürfen wir aber nicht als wahr aanehm«, was tra Anschein der Wahrheit schon vor sich trägt, bevor wir es rmttrsircht haben, so hat auch das eia Recht, Prüfung zu fordem, was uns wie Betrug vorkomme." „Gewiß will ich auch nicht von vornherein verdamm«. Aber wir habeu^doch, Meister, schon vor einiger Zeit zwei

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