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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 17 (1862) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
17 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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Umfängliche Werte diese« Lbulafia erhalt«, wenn ich nicht irr« „Sepher Hachajim" und „Sepher Eduth" betitelt, und wann hat wohl der göttliche Geist sich in so lang« und verworren« Schriften ansgespomren? .Nachdem bereits so viele falsche Personen sich der frommen Glaudigteir, die « unser« Belke lebt, bedient haben, um ihr« Ehrgeizen «Nb ihrer Herrschsucht zu huldigen, und zum Spotte der Völker zu machen und immer n«es Verderben über uus zu bringen, sind wir verpflichtet, nur sehr fchwergläudig zu sein, und das Volk adzuhalt«, dem Rufe jedes Schwär«, -«er- oder Betrügers zu folg«." „Dein Scharfsinn und Dein« Gewiffmhaftigkeit, mein Sohn, macht mir Freude. Ich' bin ja ganz Deiner Meinung, nur will ich, daß wir erst dann diesen Mann für einen Fälscher auSrufen, wenn wir die voll« Gründe darlegm uüd seine. Entlarvung zweifellos machen tonnen. Jndeß höre, mein Sohn, welcher Entschluß in mir gereift ist, der allerdings hiermit in einiger Verbindung steht." Sie setzt« sich Beide nieder und der Rabbi begann: i „Es sind nur noch vierzehn Tage dis zu brr Stunde, in welcher der Graf jene ungeheure Summe Goldes zu lieft« mir befahl. Daß auch die allerftmste Aussicht, . sie zufsmmen zu bekommen, fehlt, weißt Du. Die Frage ist nun, soll ich die Entscheidung über das Schicksal, das »ich treffen wird, «hig und gefaßt abwart«, oder murhig ihm ausjuweichen suchen? Dies« Kroge beschäftigt mich seit Wochen und hatte meine Geister aufs Aeußerste abgespannt. Ich saß hier in der DämmerungNiedergeschlagenbeit erfüllte mein Herz; ich fühlte in meiner Seele die Ohnmacht des KindeS; und aus dem Gewirre der Gedankm und Empsiabongm hob sich nur bas Ein« ad, das Gebet; Gott, der Helferin der Noch, möge mir irg«d ein Anzeichm send«, daß mir eia« Entschluß einflöß« und mich zu diesem ankriebe! . . ." Ascher seufzte, denn auch in ihm mochte nur ein Gleiches vorqegangen sein, und sein grübelnder Verstand kein andres Schauspiel dargeboren Hab«. „Da war es," fuhr der Greis mit gehob«er Stimme fort, „mitt« in dem Gebete, das ich °zum Herren empor» sandte, als jener Bote unerwartet erschien, mir den Brief vorlegte, und ich deffen Worte las. Sieh, Ascher, was steht hier geschrieben, ganz zu Ende lies. ." „Auf, nach Jerusalem!" . . . Streich d« ganz« Brief durch, Ascher, und laß nur diese Wotte stehen — sie sind die Botschaft des Herrn an mich, sie hat er mir zugesendet, sie will ich ausführen." Der Rabbi hatte i» entschiedenster Weis« gesproch«. Ascher fühlte, daß das koos geworfm sein, daß der verehrte Greis nicht wanken werde, daß der Entschluß fest stehe und unanfechtbar sei. Er schwieg. „Wenn ich voraussetz«» müßte," hob jener von Neuem an, „daß men» Hierbleib« den jüdischen Gemeinden in dieser Ealamität etwas zu nütz« vermöchte oder daß mein 'Fortgehen ihn« wirklich Schaden brächte, so würde ich lieber dm schwach- und marrervollst« Tod erleid«, als mich diesem durch die Flucht entziehen. Ader mich allein kann der Zorn jener Dränger rreffm. Wenn ich fort bin, kann Niemand als Schuldiger angesehen und bestraft werd«. Im-schlimmste« Kalle legt der Kaiser j«e Summ, wirklich den Gemeinden als Steuer auf, und dies könnte ich nicht abweh««, wenn ich auch hier bliebe. . . Muß ich aber mein« alte» theuren Wohnsitz, dies« meine zweit» Heimarh, das Grad meines Weibes, die Stätte, wohin ich die Ueberreste meiner drei gemordet« Söhne gebracht und geborgen, verlass«, wohin soll ich? Soll ich als Flüchtling die Welt durchzieh«? Als Flüchtling um eine Zuflucht betttl«. . . Rein! für d« Sohn Israels gibt es, wenn er fliehen muß. nur einen Platz der Erd«, wo er sich noch als heimisch anseh« kann, wo er noch ei» Recht hat«, zu existir« und adzuwarten, bis sich sein Staub dem Staub der Erde vermischt — Jerusalem, das viel beweinte. Dahin will ich ziehen, das soll das Ziel meiner Wandrung sein, die dadurch weniger eine Flucht, als di» Uebung einer religiösen Pflicht, als die Befriedigung eines ttefiunersten Gefühles nnd Wunschewird." Ascher muß« der Rede seines Schwiegervaterin allen Punkt« beistimmm: er konnte zu nichts Anderm und nicht davon abrathen. Wenn er auch für d« Greis vor d« ungewohnt« Beschwerd« der Reife zitterte, so war doch so wenig abzuseh«, welche Trübsal,, ja welche Leid« seine Feinde über ihn dringen würden, wmn er in Rothenburg bliebe, daß man die Ungewißheit einer lang« Pilgerung, aber in Freiheit, vorzteh« muß«. (SortsetzuLg folge.) Anekdote. Ein reicher westphälischer Bauer kommt zu einem Ju» dm. Dieser ruft ihm zu: „Ei, wie komm ich zu dieser Ehre. Was stützet Sie zu mir? Frau, hole eine Flasch« vom besten Weine, halb majim, halb jajia!" Hai», liebe Frau, ruft der Bauer ihr nach, bring« Sie das Wasser allein und den Wein allein. Da kann dann Jeder trinken was ihm zusagt.' Bom ersten Mai o. an wohne ich in Bon« am Rhein (Maarflach Lit. O. No. 131b) and find dahin alle Briefe und Einseudungcu für mich zu adresfiren. Dr. Ladung Mlippson Allgemeine Zeitung de» Judenrhumo. Ro. 16. 1862. Leitende Artikel: Unter welcher Bedingung nur sollten die Rabbiner Gutachten geben? Die Berliner Örg«Ifrnge. — Zum Artikel „Der Ueberrntt zum Judenrhmne" in No. 8dieser Zeitung. — Ueber den Versuch de- Königs Ruprecht, den sammtlichen deutschen Juden ein rabbinifches Oberhaupt zu geben. Zeitungsnachrichten: Deutschland:Au- Südbaden, Jebenhausen, Hamburg. P re u ß e u: Berlin; Magdeburg. Oester« reichischer Kaiferstaat: Riedervsterreich, Raab, Raab. Rußland: Warschau, St. PerterSburg. Torre-poodenz: Zustande der Jüdischen Normalschult. UT Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redakteur I. H. Lüder. vo»B»»»gLr1,«r'« D>»ba,«»»g i, reip»,-. — £rad bos 9* *TC»fiag üt ig.

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