Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 16 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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63 „Nun gur, meine Tockt-r, so beruhige Dich. Ich k.nne ihn. Ich brauche nichts mehr darüber zu sprechen. Jbr werdet Euch selbst finden, und kannst Du ihm nun sagen, daß Ihr meinen Segen und meine- Herzenheißeste Wünsche habet." Das Mädchen entwand sich jetzt den Armen ihres Vaters und eilte nach ihrem Gemach, um sich den stürmischen Gefühlen ihrer Brust zu überlassen, die von einem so jähen Wechsel de- Geschickes und der Empfindungen heraufbeschworen wurden. — Und sie hatten sich bald gefunden. Sarah konnte den Jünger ihres Vaternun nicht mehr ohne Errorhe« erblicken und ohne Stocken mit ihm reden. Der junge Mann gewahrte die-, in ihm stieg die Hoffnung auf, daß seine kühnsten und heißesten Wünsche in Erfüllung gehen würden; bald zeigte sich ihm eine Gelegenheit günstig und der Bund der Herzen wurde geschlossen. Rabbi Meir beschloß, den heiligen Akt der Eheschließung baldigst vorzunehmen . gebot aber Stillschweigen gegen Jedermann, da ec die Anschläge Kämpfa's, wenn er diein Erfahrung gebracht, fürchtete, und ließ die geringen Vorbereitungen ins Geheim treffen. Eines Morgens ersucht er die Vorsteher der Gemeinde, sich bei ihm zu versammeln, ließ die alte Muhme zum Beistände Sarah'S holen, und segnete den Bund seiner Kinder ein. Als der nächste Sabbath, an welchem das junge Ehepaar als solches den Gottesdienst zum ersten Male besuchte, vorüber war, bar er Ascher und Sarah in sein Gemach zu kommen, und theilte ihnen hier seinen Entschluß mit. Ec habe mir seinem berühmten Freunde, Rabbi Salomon den Adereth zu Barcelona stets die Berhärigung innigster Freundschaft gewechselt, und dieser habe ihm wiederholt die Bereitwilligkeit geäußert, ihm in Allem zu dienen. Auch kenn« derselbe den jungen Rabbi Ascher den Jechiel sehr wohl und habe seine Achtung vor ihm wegen mehrerer Schriftstücke, die er, Rabbi Meir, ihm mitgetheilt, ausgesprochen. Zu ihm solle chas junge Paar unverweilt reisen, und dort in dem glücklichen Spanien, wo die jüdische Gelehrsamkeit so hoch geschätzt werbe und die Glaubensgenossen so große Mittel besäßen, eine neue Heimath zu ungestörtem Glücke sich gründen. Hier aber war es, wo Rabbi Meir auf den entschiedensten Widerstand traf. Beide erklärten, daß sie mit dem Plane de- Vaters wohl zufrieden wären, diesem aber nicht verlassen wollten, am wenigsten bevor der Knoten des Geschickes gelöst wäre, der sich für ihn so grausam geschür^ hatte. Vergebens wies der Vater darauf hin, daß sie ihm nicht-helfen konnten, ja, daß er, wenn sie erst dort wären, nölhigenfallum so leichter ihnen folgen könnte; vergebenstellte er ihnen da- Schreckbild der Wuth Kämpfa'S und waS dieser gegen sie zu freveln im Stande wäre, vor; umsonst drohte er ihn selbst' mit seinem Zorne und Unwillen — sie baten, flehten, warfen sich ihm zu/Füßen, sie nicht von sich zu treiben, bevor daschwarze Gewölk wieder gewichen wäre, das über seinem Haupte hin^.' Er mußte endlich nachgeben. (Fcrtsetzung fclzt.) Chassidismus und Ultramontamsmiis. Es hat neulich dem thcol. et phil. Dr. Seb. Bn nner beliebt, den „Wider dm Chassidismus" überfchriebenm artikel des hochgeehrten. Redacteurs de- „Jüd. Volk5W. Leit- und der,,Allg. Ztg. d. Judth." aus dem Motiv in der von ihm redigirten „Wiener Kirchenzeitung" wörtlici abdrucken zu lassen, um seinen Lesern die Schattenseiter des Judenthums zu zeigen, wie sie ein Unparteiischer, ein jüdischer Rabbiner selbst schildert. Da aber das Judenchum als solches die Prinz pien des Chassidismus nicht nur nicht billiget, sondern tiefbellagt und verwirft, dieses daher für die Extravaganzen jenes licht verantwortlich gemacht werden kann, jeder billig den ende Anhänger de- Judenthums sich vielmehr der Hoff ung hingibt, daß mit der weitem Ausbreitung der Civilis, tion in den Ländern polnischer Zunge, auch diese dunklen Fl cken aus dem alle» Heidnische negirenden Judenthume allruälig schwinden werbe; m-ge «8 auf Grund der religiösen G eichberechtigung gestattet stin, auch unsererseits einige „cl ristkatholische" Schattenbilder den Lesern als Antivorum v rzuführen,' wie solchen aus den Offizinen des Ultcamonn nismuS hervorgegangr«, und für welche das Christentum ebensowenig einsteheu dürfte,- wie das Judenthum füi die Ausschreitungen öf$] ChafsidiSmu-. Unter der Uebeeschrift:"),Ultramontane Therapie" asm wir im Lauf diese- Monatein der „Presse" Folgen )cs: „In Paribesteht eine ComMiision, welche die in dem Hausirhand/l Erlangenden Druckwerke wegen ihre- S yles und Inhaltes, zu prüfen hat. Die „Opinion Nation rle" macht nun diese Commission auf mehrere solche Hochs erbauliche Werke aufmerksam, die in zahlreichen Exempl »ren coursirrn. Wir rhellen einige derselbm in wörtlicher U dersetzung mit dem Bemerken mit, daß Aehnliches bei uns hie und da sogar in den Schaufenstern der Duchhar dlrr prangt: Gebet gegen Zahnschmerz. Die heilige Apollonia saß auf einem Marmors), ine, da ging der Herr vorüber und sagte: „Apollonia, vas thust Du hier?" — „Ich bin hier wegm meines Ko; feS, meines Blute- Und meines Zahnschmerzes." — „Apollo na,, kehre zurück; ist es ein Zahnfluß, so wird er Nachlassen, ist es ein Wurm, so wird er sterben. Sage fünf Dareru rser und fünf Ave Maria zur Ehre und im Geiste der fünf Plagen Christi, und mache da- Zeichen de- Kreuze-^auf jene Stelle der Waage, wo der Schmerz ist, und fpjrich dabei: ,.„Gott hat'pich geheilt,"" und in sehr kurzer Zeit wirst Du geheilt sein." — I. Gebet zur schnellen Heilung der Äolik.! Lege den Mittelfinger der Hand auf den Nabel und * sprich: „Marie, die Du Marie bist, o Kolikleiden, welches zwischen meiner Leber und meinem Herzen, zwischen memer Milz und meiner L»!nge sitzt, höbe auf, im Namen!des > Vaters, de- Sohne- und deheiligen Geiste-!" und v«te i drei Vaterunser und brkl Ave Maria und sprich: „Gon; hat Dich geheilt!" und es wird so sei». — j| Gebet für da- Rückgrat. Blase dreimal auf da-Rückgrat im Zeichen des heiligen! Kreuze- und sprich folgendes Gebet: „Mein Gott, heil«