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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 16 (1862) · p. Seite 64

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
16 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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64 diesen Punkt, wie der heilige Cosma und Damian geheilt haben die fünf Plagen Christi im Olivengatten." Hierauf nimm weiße Wasche, schneide daraus Stücke in der Länge und Breite eines Fingers, lege diese in Form eines Kreuzes auf das Rückgrat, und bedecke dieses mit der"nÄtylichen Wäsche. Trage dieses dann neun Tage, faste, sei andächtig -und denke an die Leiden Christi am Calvarienberge." Pa wir von der Unpactheilichkeit der löblichen Redaktion der „Wiener Kirchenzeitung" zu erwarten uns berechtiget glauben, daß dieselbe, veranlaßt durch unsere obige Notiz, nicht anstehen werde so manches den Schein der Gehässigkeit an sich Tragende in ihrem Blatte im Interesse der Wahrheit zu berichtigen, wollen wir hier zue Ergänzung nur noä) die eine Bemerkung hinzufügcn, daß die Rabbiner Polens und Galiziens, deren Namen und Existenz mit dem Chassidismus so enge verbunden sind, keine voctores philosophiae et theologiae sind, Welt und Wissenschaft sind ihnen spanische Dörfer; und wenn sie in ihrer Einfalt oder aus Unkennrniß des Lebens und dessen Ansprüche, Irrlehren in sich aufnehmen und weiter verbreiten, so sind sie betrogene Betrüger, die 'man nicht einmal für den großen Schaden, den sie in ihren Wirkungskreisen moralisch anrichten, verantwortlich wachen kann, weil sie vor dem Forum der richtenden, reinen Vernunft als Unzurechnungsfähige zu betrachten sind. Wollte nur die Regierung mit Gründung von Schulen in größer» und kleinern Gemeinden ernstlich vergehen, so würde schon di« nächste Generation | sich mit Schamrö'lhe der halbvergangenen Zeit erinnern,! wo ihre Eltern und sie noch an der Heiligkeit solcher Idioten glauben konnten. — Das Christenthum kultioirt Kunst und Wissenschaft feit Jahrhunderten; die BildungSanstaltcn, die aus dessen Schoße hervorgegangen, zählen nach Tausenden; die Fondirungskapitalien zählen nach Hunderten von Millionen; 'die angehenden Theologen werden seit Jahrhunderten auch in die Hallen der Wissenschaft eingefübrt; und wenn es bei all dem und trotz all dem. noch in unserer Zeit in der Mitte desselben hohe und niedere Geistliche gibt, unter deren Auspicien eine solche niatcria me,lies gedeiht und Unterstützung findet, sollte doch minder | stens dieser kolossale Balken im eigenen Auge, dasselbe gegen den Splitter im Auge eines Andern nachsichtig machen! — Ein Laie aus Galizien. Curiosum. Vor Kurzem fiel mir ein Büchlein in die Hände, danur noch in sehr wenigen Exemplaren vorhanden ist und sehr viel Absonderliches enthäft; unter Anderem auch folgende Curiosa, die ich den geehrten Lesern dieses Blattes hiermit zur Kennmiß bringe. Dieses Büchlein, im Mönchslatein geschrieben, ist zu Frankfurt a. M. 1628 erschienen , und betitelt „antickolum inclanrholiae‘\ Auf Seite 48 gedachten Werkes ist wörtlich übersetzt zu lesen: Wesbalb schreiben die Juden von der rechten zur linken Hand. Ravms antwortet in feiner Orlhographia Hebraica: deshalb, weilsie gleich nach der Sündflurh vom Orient nach dem Occident gewandert sind, während die,anderen Völker bei dem Anwachsen der Menschen vom Süden nach Norden aufgebrochefi sind, und deswegen schreiben die Juden von rechts nach 'links. Weshalb ttagen die Juden einen gelben Fleck auf ihren Kleider i? Diese Gewohnheit scheint von dem Gebote Gottes ü. alten Testamente herzurühren, wo er ihnen befiehlt, sich Schaufäden an den Ecken ihrer Kleider zu machen und sich dabei ^seiner Gebote zu erinnern (ubi manöavit iis Deus, ut flavam lineolam in oris vestimenti porlarent el in hoc signo roconiarentur mandalorum Dei). Da nun aber der Saum des Gewandes diese Zierrath, die sie nach dem allen Testamente tragen sollten,.nicht zuläßt, so nähen sie sich an der Bmst ein gelbe« Stück Zeug an, um sowol der göttlichen Vorschrift Genüge zu leisten als auch der menschlichen, nach der sie gezwungen werden, sich in der Kleidung von den Christen zu unterscheiden. Berlin im April 1862. Alberr Schindler. Aus Lemberg. In Lemberg hat ein Professor den jüdischen Studenten eine besondere Bank angewiesen. Das Wiener Witzblatt „Figaro" enthalt darüber Folgendes: „Sag mir, Jossefleben, was fehlt dir, daß du so traurig dreinschaust?" „Warum soll ich nit traurig dreinschauen, woher leben, wenn unser Lehrer heut gesagt har, wir dessen nit sitzen mit Christof und Wenzel auf Einer Bank!" — „Das hat er gesagt! Gott gerechter, wos fer Menschen gibt es nuc^.of der Welt. Haben wir doch schon genug zu trogen an die Nationalbank in Wien, will der Lehrer gar einführen noch e Narionalbank in Lemberg!" — Bom ersten Mai c. an wohne ich in Bonn am Rhein iMaarflach Lit. G. No. 131b, und sind dahin alle Briefe und Einsendungen für mich zu adressiren. I)r. Ludwig Philippsou.! -- Allgemeine Zeitung des Judenthum«. No. 14. 1862. Leitende Artikel: An die israelitischen Gemeinden in Preußen- — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bad Homburg. Dresden. Preußen: Magdeburg, aus den Posenschen, Düffeldors.Danzig. Waldenburg. Frankreich: Paris. Italien: Padua. Rußland: Aus demGouvernemenrChesson. Dänemark: Kopenhagen. yy Zu bezieben durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redacteur I. H. Luder. Vertag von Baumgartner» Buchhanbwng ill Leipzig. — Truck »cn G Sreysing in Leipzig.

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