Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 15 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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51) darum lehnen wir jede wenn auch nur angedeutele Zusammenstellung mir Magyaren, Slovakm, Croarm, Tscherkessen oder Szeredschanen feierlichst ad. Wo sind die Dokumente von den ewigen, ethischen oder göttlichen Wahrheiten, die jene geschaffen und aufzu-" weisen hätten? Das Judenthum mit seiner Bibel in der Hand fordert jede Nationalität in die Schranken. Wir aber sind keine Nationalität, wir sind ein GlaubenSstayrm. Und wenn ich auch all« Verehrung hege vor der Wissen» schaft deS Herrn Redners vor mir lder Professor der Geschichte H. Ilr. Wuttke) und wenn ich mit Ehrfurcht zu den Füßen seines Lehrstuhles sitzen möchte, so muß ich doch'der von demselben selbst anerkannten heiligen Angelegenheit deS JubenthumS um ein tieferes Eingehen auf dasselbe bitten. Die härtesten Streiche, unter denen das Judenthum je gelitten, stammten aus der Verkennung, den Borurtheil. In ein.r Zeit aber, wo das Fernliegendste aufs Kleinste ein Gegenstand der eifrigsten Forschung ist, wo man sich scheuen würde, nicht angeben zu können, auf welche Welse die Schuhe eines Tamerlan gestickt waren oder wie der Schach von Persien frühstückte, ln einer solchen Zeit schenkt man Millionen von Mitlebenden, Millionen von Zeitgenossen, die so tief in die Eultur eingreifen, so wenig Beachtung, widmet ihnen im Allgemeinen so wenig Studium, daß die größten und schädlichsten Jrrlhümer über sie selbst bei Gesetzgebern noch verwalten. So hat erst vor wenigen Tagen der Minister der Aufklärung des aufgeklärtesten deutschen Staates seine vollständige Unkennlniß des JuoenthumS bekundet, indem er eS öffentlich vor den Gesetzgebern mit dem AthelSmuS zusam» menstellie und der gewaltsamen Proselytenmacherei anklagte. Wahrlich «in billiges Verlangen nur ist es, wenn wir ein Prüfen vor dem Aburtheilen fordern. Allein, wir können unS wohl mit unseren deutschen Volk« selbst trösten. Unserm GlaudenSstamme ergeht es wie der ganzen deutschen Nation. Beide haben wenig äußere Macht und wenig Geltung im Rarhe der Nationen. Wollte man aber gerecht sein und wäre es möglich darzuthun, wie weit zurück di, Grundlage aller modernen Eultur, die Wissenschaft, wäre, ohne die Arbeit deS deutschen Geistes — und wie weit zurück die Grundlage unserer sittlichen! Weltordnung, die Religion, ohne die Geistesarbeit deS jüdischen Stammes wäre, dann würde beiden mehr Anerkennung und höhere Geltung zu Theil werben. Doch wenn wir einen Blick auf dies« Festversammlung werfen, an der sich viele der trefflichsten Männer aller Konfessionen unserer Stadt detheiligten und wenn unS die GefchichtSkundigen melden, daßdie wahrhaft großen Männer aller Jahrhunderte dem Judenthume gerechte Anerkennung gezollt, so dürfen wir getrost mit Schiller auSrufen: „Wer den Besten seiner Zeit gmug gerhan, der har gelebt für alle Zeiten" und dürfen mir Fug und Recht diesen Ausspruch dahin erweitern: Wer den Besten aller Zei ten genug gethan, dessen Leben hat Werth für jede Zeit. Und wenn man zwei Jahrhunderte lang da- Publikum amusirte mir jenen Scheinjuden, geschaffen nach der mittel« alrerlichen Volksfiction, dessen äußere- Recht man auf de». Ruf gestellt: „Ich stehe auf meinen Schein!" so höre man den ächten Juden deneunzehnten Jahrhundertwenn er mit innerem Recht, ruft: „Ich steh auf meiner Wat eheit!" Wie aber jeneweltgeschichtliche Wunder rtöglich geworden, daß selbst der qrschmähteste, verfolgtest! Jude mit ehernem Stolze auf seine Schmäher"vnd D rfolger heradfah, wie selbst die jüdische Jugend aller finstern Zeiten jenen glaut^nsstarken Stolz bewahrte, mögen einig- AMr« logien barthun. Dem Napoleon erzählt man nach, e: habe die helbenmüthig« Aufopferung jede- Einzelnen seiner. trüget damit erklärt, daß jeder gemeine Soldat Frankreich den Marschallstab in seinem Tornister .trage — vom Gökhe erzählt man, daß ec den außerordentlichen Hochsini selbst der 'Knaben defrüher» Venedig damit erklärte, da; jeder die Anwartschaft auf da- Dogenamr im Bewußtsei i trug — gleicherweise dürfen wir wohl sagen, daß in jene i Zeiten mitlelallerlichen Druckejeder jüdische Knabe d> e Anwartschaft, zum Messias berufen zu fein, in seinem Glauben trug. h In unserer Zeit Ä-r, die den Stempel der Geme nsamkekt, da- Bewußtsein der Solidarität aller sittlich« Interessen in sich trägt, ln einer Zeit allgemeiner Aufkl rung, dir da- Heil nicht von Einzelnen erwartet, formuli t sich der Meffia-g,danke in der Auferstehung einegemeinsamen Volköbewußtseinzu der geläuterten Erkeuntniß, d ß in brüderlicher Gegenseitigkeit da«. Recht und die Freche t der Gesammtheit nur im Rechte und in der Freiheit jede, In» dividualität, auch jeder SrammeS- oder National-J ldividualität, beruhe. Dieser Geist einigt die Glieder der Menschhei zur Harmonie;, di« Glieder eine-Vaterlandaber verein« t die Sympathie durch Gemeinsamkeit der Sprache, der Gesi> tung, der Vaterlandsliebe. So auch im deutschen Daterla lde. Und wenn ein früherer Redner, ewar der Herr Vorsitzende Ihres Verein-, psychische Aehnlichkeiten zwschetr dem germanischen und jüdischen Stamm hervorgehobe», so gestatten Sie mit wohl eine kürze geschicht iche Analogie. Eden jetzt dürfte rin« solche Anknüpfung am * >latze sein, da am heurigen Tage sich ein GeschichtSere gniß vollzogen, unter dessen Eindrücke wir unS Alle noch des nden und das unS alle milberührl. L > Bor' wenigen Stunden traf die Nachricht ein vv!: der Auflösung der Volksvertretung degrößten deu> fchen Stammes. Har dadeutsche Israel so oft über die Slege-fr« üben deS Vaterlandes seinen eigenen Schmer; vergessen, so hat enicht minder auch mitten in seinen Festesfreuden 8 aum für den Schmerz deß Vaterlandes. ✓ Aufgelöst! Wie oft noch wird aufgelöst werdzn im deutschen Vaterland« biendlich Alle- «ingelvst ist, was ihm verheißen? Denken wir an jene kampfeSmuthige deutsche Jmend, welche zu Anfang unsere- Jahrhundertdie Fürsten Dn tschlandS von dem schweren Alp ihrer schlummerlofen Rö chke, von dem Gespenst ihrer Träume befreite, müssm wir : licht jeneherrlichen Jüngling« unserer Urgeschichte gedeih«, der Licht und Linderung dringt in den schweren Tr mm jene- Königs? Und wurden, nach den ersten schrecklichen (i'icn Jahren unsere- Jahrhundert-, Ende dezweiten J c h rsiebentes, wo, mit Stein, Schamhorst, Gneisenaumnd