Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 15 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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man die Zahl der Anwesenden auf mehr als 40,000 Personen schätzen konnte. Der Kirchhof war zu klein für diese Menge; sie harte sich auch von allen Seiten auf den christlichen Gottesacker ergoffen, sich auf allen Höhen gruppirend, um wenigstens mit einem Blicke dieser großen Feier deizuwohnen. Auf dem Kirchhofe und dicht am Grabe hatten sich mrchr als 200 Sänger von der Oper, der Oper comi,,«e. dem ih.'atro hriqne und dem Konservatorium vereinigt, um vor der Einsenkung Trauerlieber zu singen, die eigens für diesen Fall verfaßt waren. Alle bedeutende Musiker haben es sich zur Ehre geschätzt, diese letzte Huldigung aus das Grab des verehrten Meister» zu legen; die vier bedeutendsten Schüler Halevy'S: Gounod, Masiö, Bazin und Jules Cohen, welcher letztere wie sein Merster unS angehörr durch sein echt israelitisches Herz und. uns sicherlich durch sein Talent Ehre machen wird, hatten zusammen die Musik einiger ergreifender eigends hierzu gedichteter Strophen gesetzt. Unter den Sängern bemerkte man Roger, Guey.mord, Bomuh'-e, Faure, Crosti, Belvac und Levasseur. Hierauf hielten im Namen des Instituts Herr Couder, im Namen des Central-ConsistoriumS Herr Cerfoeer, im Namen des Vereins der 'Schriftsteller und dramatischen Componisten Herr Ambroise Thomas; im Namen des Künstlervereins der Baron Taylor, im Namen des kaiserl. Conservatorium der Musik Herr Edouard Monnais; endlich Herr Perrin als Direktor der komischen Oper und Herr Saint Georges Reden, welche die Anwbsendcn auf's Lebhafteste rührten. Wir Unterlasten nicht, hier die würdigen und wahrhaft israelitischen Worte wi.derzugeden, welche der Präsident deS Consistoriums gesprochen: Meine Herren! Nach den soeben gehörten beredten Worten erlauben Sie dem Cenrralconsistorium der französischen Israeliten, bas mir Stolz Halevy. zu den Seinigen gezahlt, daß dasselbe den Tribut des Bedauerns, welches ein so vorzeitiges Ende in ihm erweckt, aus seine Gruft niederlege. Wir waren glücklich ibn zu den Unscigen zu zahlen, nicht allein weil er eine Zierde seines Landes gewesen, sondern noch mehr, weil er die Fahne seines Glaubens hochgetragen, und er inmitten dieser traurigen Epoche der Gleirdgültigkeir in Sachen der Religion den gesunden Sinn bewahrt, den Glauben seiner. Vater nicht zu verleugnen, vielmehr den frommen Gedanken genährt dar, daß die Kinder dem Andenken ihrer Vater Rechenschaft über ihren Glauben adzulegen haben, und daß, geboren in derselben Wiege; das Grad sie nicht trennen solle. Er" haue das feinste religiöse Gefühl; dieses poetische und begeisterte Gefühl findet sich in den Lobgesängen wieder, mit denen er unsre Tempel bereichert har, und so fremd ich auch allen Angelegenheiten des Theaters bin, so sei es mir voch erlaubt, zu bemerken, daß eS der fast religiöse Gegenstand der schönen Dichtung „die Jüdin" war, der.ihn zu den süßesten Melodien und den hinreißendsten Gesängen begeistert hat. Halevy besaß alle jene Eigenschaften, die den wahren Familienvater ausmachen. In seinem Hause war ec ein Patriarch, forlwadrend bemüht für Andere, denen er mit seinem Ralhe und feiner Börse aushalf. Er war nicht glücklüher, als wenn er unter seinen Schülern einen begabten Jünger fand; «, dann folgte er demselben mit dem leb- , Hastesten Interesse und /es war seine großer Freude, diesem die unvermeidlichen SDwierigkeiten auf den ersten Wegen, | die auf jeder Carriere zu^üderwinden sind, zu ebenen. Eines Abends begttnete ich ihn' in dem Augenblick, i alS' er aus der Oper^kam, wo er einer Vorstellung des | „Moses" dcigewohnl harte, er war davon lebhaft ergriffen und redete mich mit folgenden Worten an: „Was ist das herrlich! Wie leuchtet das Genie aus diesem Werke hervor!" Nicht wahr, meine Herren, das ist ein Ausbruch, der die Reinheit einer Seele ohne Schwache bekundet? Ich könnte noch viele andere Züge anführen, sie würden Ihnen alle sagen, wie sehr wir Ursache haben, den berühmten Mann zu beweinen, der viel zu früh der Liede der Seinigen und dem Ruhme seines Vaterlandes entrissen ist. Ruhe sanft, Halevy, du, dessen Name stets ein Vorbild , dessen Andenken stets eine Tröstung sein wird! Ruhe sansr! Der Herr Groß-Radbiner des Central-Consistoriums bar darauf in einigen würdigen und tief empfundenen Worten über den Verblichenen gesprochen und selbst in französischer und hebräischer Sprache die Weihgebete gehalten. Die Vorsänger und Tempelchöce sangen alsdann ein >I»naämakim Keraii'ii.i Jali in einen» sehr schönen, getragenen Styl. Die Leiche wurde., in das Grad gesenkt; und die von der kaiserlichen Gensdarmerie und der Nationalgarde cxecutirten Trauermarsche beschlossen diese große Feierlichkeit und vervollständigten die letzte von den Bekennern aller Culle ohne Unterschied und ohne Rückhalt so reichlich und so einmüthig dem Gedachmiß und dem Grabe unseres berühmten Glaubensgenossen dargedrachte Huldigung! Len Jona. Ein Fest und ein Trinkspruch. lS«blup.) Der Trinkspruch des Herrn Moritz Kohner lautete: Wenn die Förderung geistiger Interessen eines jeden Einzelnen Pflicht, sich als Aufgabe eines Vereins ankündigt, so ist es wohl ein Zeichen cer Zeit — und in der Thar, die Signatur unserer Zeit ist baSVereinswesen, die Arbeiten der Gesammkheir 'für gemeinsame Zwecke. Vereinigungen ergreifen jetzt die Initiative, wo früher Alles auf den Einzelnen gestellt war; darum kommen aber auch die Ergebnisse der Gesammthetl zu Gute, , wo früher der Einzelne die Ausbeute an sich nahm. . Dieür Segen in der Vereinigung ist dem Judemhume nicht neu und nicht fremd. — Ist es doch der Urvater j unseres LtammeS, t>« den erhabensten Vereinsgedanken, > der je gedacht »vorden, der ,e eines Menschen Geist beschaf« i ligre, der Welt vor vier Jahrtausenden schon geschenk:, und dessen! Erfüllung noch lange das höchste und letzte Ziel aller mensch- I lichen Cultuc sein wird; es ist: die Vereinigung aller! Völker in der Erkenntniß der Einen höchsten Idee, mit . der alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen! — Bis jetzt aber, noch nach vier Jahrtausenden, sind der Geschlechter der Erde noch wenige damir gesegnet, und wie allein und ohne Gleichen der jüdische GlaudenSstamm in seinen tragischen Geschicken, so allein und ohne Gleichen steht er in der erhabenen Reinheir seiner Glaubenslehre da. Darum lehnen wir jeden Vergleich mit allen der ver-! schiedenen Nationalitäten und Sprachengruppirungen ab;