Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 15 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Retehrung und Anterhastung auf jüdischem Hebiejte. Herau-gegeben von * Rabbiner Dr. Ludwig Phili-Pson in Magdeburg. -H rrv. 4 1 Bon bittet üeitfftrift ericheint wmÄtnkli» eine Nummer. Preis des JabrrA , c\ , . t lillfl. 15. loö2. gang» r r»lr. ^ierleijahri« 7-x^gr. «Ue vuLdanNungen. Postämter I S. LSML. L. t J unk Le>mng»esverinon<n nehmen Bestellungen an. z» »” -J Die Leichenfeier Halevy's. I, ,ÄUder Veritv iarseLte.) Die Leichenfeier des großen Componisten, welchen Frankreich soeben verloren! har, fand am letzten Montag niüt einem merkwürdigen Älanze statt. Halevy starb in Niz^a, wohin er gegangen war, um unter einen milderen Himmelsstrich Erleichterung von der ihn verzehrenden Krankheit ft» suchen. Von Nizza auS wurde feine Leiche jurückgebrardt, um in Paris in seiyer Familiengruft beerdigt zu werden. Alle Trauerceremoniett wurden nach dem traditionellen Gesetze in Nizza erfüllt, wohin mehrere seiner Verwandten sich begeben hatten, in der Vorahnung eines unglücklichen Ereignisses. Seil bttn letzten Freitag war seine sterbliche Hülle im Institute i^r seinem Zimmer auSgesetzt und seine Freunde wurden zugelassen, um ihn eine letzte und rührende Huldigung darzubringen. Der Zudrang war wahrend der drei Tage, welche dem Begräbniß vorhergingen, sehr groß. Am Montag versperrte eine ungeheure Menschenmenge seit 1t Uhr Vormittags die Umgebungen des Institutes. Die Leichenfeier fdllke um 12 Uhr statt finden. * Der Großrabbiner des ßcntraleonsistoriums und der Großrabbincc von Paris waren selbst gekommen, um die religiöse Eermonie amtlich zu leiten. Sie waren von drei Rabbiner-Adjunkten und <den Culrusbeamtey., den Vorbetern, den Mitgliedern deS Chores der beiden Tempel der rue.Xotre vame de N'azarelli und der litte Lamartine begleitet. Die Verwaltungsbeamten der beiden Tempel hatten sich ihnen angeschlossen. Genau um 12 Uhr wurde in dem Zimmer des Verblichenen ein Trauergesang von erschütternden Eindruck von den Ckören des Consistorial-Tempel« auSgefükrt unter Leitung des Herrn Naumdourg. Es laßt sich schwer die Wirkung beschreiben, welche diese schöne und getragene hebräische Melodie, der die heilige Sprache einen noch imposanteren Charakter verlieh, auf die Anwesenden hervorbrachte. Sodann erhob man die körperliche Hülle und das Gefolge setzte sich in Bewegung, das ganze aristokratische Viertel von Paris bis zum Kirchhof Montmartre, auf welchem der berühmte Verblichene beerdigt werden sollte, durchschneidend. Auf dem Sarge war das akademische Gewand Halevy's ausgebreitet; auf einem Sammerkissen ruhten seine Insignien als Commandeur des Ordens der Ehrenlegion. Abthcilungen der kaiserlichen Gensdarmerie und der Nationalgarde, mit ihrer Musik an der Spitze, geleiteten die Hülle des Würdenträgers des Ordens, und von Zeit u Zeit unterbrachen vortrefflich executirte Trauermärsch« der ' Lilitäc musik über Motive aus der „Jüdin" und &«' „ ttnigi« von Cypern" von Emile Jonas (auch einem dedeitenben überzeugungstreuen israelitischen Componistengefitzt die feierliche Stille, die auf dem ganzen Wege den Le chenzag empfing. Die Enden des Bahrtuches wurden gehalten ßon den Herren Cerfbeer, Präsidenten des Centralconsistorium Courier, Präsidenten der Akademie der schönen Künste, Auber, Direktor des Conservaroriam», Ambroise Thomas u ld dem Baron Taylor, Mitgliedern des Instituts, und v m Sr. Georges, dem unermüdlichen Mitarbeiter Halevy's. Der Trauerzug ward angeführt von den H. $. L,'-on Halevy und Ludovic Halevy, Bruders und Neffen des Verstorbenen, welche beide einen in der Literatur wohlde annren Namen tragen. f Die ganze Akademie der schönen Künste, die 3 )eputationen des Institutes, denen sich eine große Anzahl Akademiker angeschlossen, das Central-Consistorium, das pariser Consistorium, Herr Valabregue,' Abgeordneter des M rrfeiller ConsistoriumS, dessen Vertreter Halevy gewesen, folg en den Leichenwagen in Trauerkulschen, in. deren ersteren di rH.H. Gcoßrabdiner, Radbineradjunkte, die Cultusdeamter. die Abgeordneten deSSeminmsaurd der Tempelverwaltun saßen. In der unzählbaren Menge, welche den Zug b* leitete, bemerkte man fast alle politischen, artistischen und Uteri rischen Notablen von Paris. Der Prinz Napoleon hal te sich durch den Obristen Franeonniere; die Prinzessen Mathilde von dem General Dou^enel vertreten lassen. Mt n sah __ unter Anderen den Staatsminister Grafen WalewSÜ, den Finanzminister Foulö, den Präsidenten des Gesitzg« »enden Körpers Grafen Moroy, den Marschall Magnan, den Jeinep,äfekten Baron Haußmainn; den Polizeipräfekten Boitelle, den General Melline«, d^n Generalsekretär des Sto HSministeriumS Marchaud, dien Generalsekretär deS Finmzmi- NisteriumS Pelletier, den Generaldirektor der kaif. l kuseen von Nieuwerkerke, den Generalsekretär deS kaif. . )aufes Gauthier, die H.H. Emile und Jfaac Pereire, K> enigswarter, Javal, Bischöffsheim, RatiSbonne, Präsident n deS 1 SrraßburgerS ConsistoriumS u, s. n».-JL_J. w., eine bedeutende Anzahl von Deputieren, von StaatSrätben, fas allen Direktoren der thualrcs lyriiptes, Componisten, Schrift kellern und dramatischen Künstlern. Die ganze Pariser Presse war bei dieser imposanten Feierlichkeit vertreten. Un diese ungeheure Menge wuchs noch auf ihrem ganzen Wet e dermaßen , daß, als der Zug auf dem Montmartre angelangi war,