Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 14 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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DO f»rnin Gasse erschienest, dahin Dich doch kein gewöhnlich Geschäft führet i" Der Jüngling errötdete, und sprach leise: ^Jch w U cs offen eingestehen. Ich könnte sagen, baß Sarah t Mädchen nach Hause geeilt, um ihrer Herrin Hülfe zu holen; denn diegeschah wirklich. Aber das Mädcha fand mich schon nicht mehr zu Hause. Ich war von den Gange Sarah'S zu ihrer Muhme unterrichtet; aber eine kurze Zeit nachdem sie das Haus verlassen haue, ergriff mich eine große Unruhe um sie. Es fiel mir ein, bi § man, da wir offenbar von bö'saesinnttn Spähern umrin k seien. daS Mädchen nicht ohne männlichen Schuh gehia lassen fo'-len. Ich dachte daran, daß jener. Abtrünnige a besonder- Sarah auflauer,. Es ließ mich nicht mehr ruhea und, ohne Jemandem etwadavon zu sagen, eilte ich di n beiden Frauenzimmern nach, um zu sehen, ob sie glückli h zum Hause der Muhme gelangten." „Ich danke Dir, Ascher," erwiderte der Rabbi, „keß mich aber jetzt allein, ich muß diese Dinge mir überlegen.' Ascher verließ da- Gemach. Rabbi Meir saß lan, e Zeit sinnend da; dann erhob er sich und ging langsam das Zimmer auf und ab. Ec schien mit einen Entschlüsse zr kämpfen. Fast eine Stunde verging so; dann trat er i» da- Vorzimmer, und befahl dem Mose-, seine Tochter Sarah zu ihm zu entbieten. z«>rnii,u»g folg,.) Ein Fest und eia Triiitspruch. In Leipzig besteht ein „Verein zur Förderung geistig,! Interessen im Judenlhume", welcher am 11. März seir drittes Stiftungsfest feierte. Ueder dasselbe bringt „di mitteldeutsche DolkSzeitung" einen ausführlichen und enter essanken Bericht, den wir hier wiedergeben, und uns freuen durch die uns gewordene wörtliche MmKeilung des TrinksprucheS, welchen' der Kaufmann Herr Moritz Kodner auSgebracht, vermehren zu können. Der Bericht lautet: Leipzig, 12. März. Gestern waren wir beim dritten Stiftungsfest des „Vereins zur Förderung geistiger Interessen im Jubenlhum" im Hotel de Polcgne zu «vaste und constatiren mir Befriedigung, baß fämmtliche Theile der geistigen Fefer, bestehend aus Dichtungen für diese Gelegenheit, Deklamation, Clavierspirl, Gesang, und durch die treffliche, ja anS Virtuose reichende Ausführungen der Dilettanten dieses Kreises hohe Genüsse bereiteten. Wahrend sich die Namen der privaten AuSführenden der Oeffentlichkeit entziehen, wollen wir nicht unterlassen des Hrn. Dalbert aus Wien zu erwähnen, der sich der schauspielerischen Carrier« widmet und in welchem wir «in schönes, vielversprechendes Talent kennen lemten. Bei einem Verein, der geistigm Interessen gemidmet ist und der einer Glaubensgenossenschaft angebört, die in tragischer Vergangenheit wurzelt und mir allen Kräften sich der intelligenten Gegenwart anreiht, konnte eS nicht fehlen, baß selbst die Trinksprüche bei der Tafel sich auf der Höhe deS eingehendsten Ernstes behaupteten, worein die Gäste einstimmten. Den Ton schlug der Vorsitzende deS Verein-, Hr. M. Frankel an; indem er gewisse verwandte Beziehungen deS deutschen und jüdischen Geiste« hervorhebend, daS beiderseitige Charakterisiiche im Fleiß«, im Denken und ewigen Empfinden fand, ließ er die Gäste vagen Hr. beider Confessionen und da» gemeinsame deutsche Da erland lebin. Hr. Dr. Hevner, für die Gaste bankend, p i,S in warmherzigem Ausdruck die Nothwendigkeit deS ianigen Zusammenhalt,nS Aller, derer Wohl nur der Fortschritt bedingt, und ließ ein einiges Vaterland ohne Parteispal und mit einig-gehendcn ForrschrittSrichrungen leben Prof. Wuktke feierte in sorgfältig formulirten Sähen die ewigen Wahrheiten der jüdischen Glaubenslehren, r eichen allein das Fortbestehen unter 18 hundertjährigem zuzuschreibtn,' und kam gleichwohl zu dem Schlüsse, b^ß die Juden das Problem der Nationaliräten-Frage g/lö» und bewiesen, daß jede Nation ihre selbstständige staatliche Eri« stenz aufgeben und' unter andern Nationen mir Wc brung der ElgenthüMfichkeiten fortexistiren könne. Diese bei einem Historiker besonders eigearhumliche Logik und der eigentbümlich gewählte-Ort zu nationalfeindlicher Propaganda erinnert uns lebhaft an einen früher» Redner in diesen Sälen, wo Schiller als Jurist gefeiert und aiS^egner der Nationalität der Ungarn und Italiener hin» »stellt wurde. Hr. Dr. Goldschmidt schilderte an die. Jeric >oro«'e anknüpfend die Schicksale der Juden, die, wie jene unter all«n Himmelsstrichen gediehen, gar .keine N tio» na liräk darstellend, unrec allen Nolionen den hei narhlichen vaterländischen Boden, wo er geboren, heilig balre, sich da nationalisire und bei Kämpfen der Länder auch Jude gegen Jude einstekt - nur in geistigreligiöiei Ge- \ meinschafe Zusammengehörigkeit fühle und nur da remd l bleibe, wo daS Recht und die Freiheit nicht zur Wä >rheit j g,würden. Hr. Kobnek brachte einen beziehungsreichen koast j aus, (den wir urMn vollständig geben.) ES w<N uns l sehr interessant, die Gesichtspunkte ein,« gebildeten üben | unserer Zeit ^kennen zu 'lernen und mir tiefstem E mste, mir treffenden Analogien au« der neuen beuschen Gesit ichte. für. seine so lange verkannte und geschmähte Glaube »Sge. nvssenschaft plsidiren und.schließen zu hören mit «inem Hoch auf die Erfüllung der 4000jährigen Verheißung deS Urstammvatertz von dem Bruders,rein der Gefamr rheik aller Völker, mit welcher „alle Geschlechter der Erde ge tgnek werben sollen". — Ein Redner ließ Hrn. Würtert, den „Vielgeprüften" leben, welcher letztere seinerseits in gebundener Rede der Versöhnung aller Cult«.im Cultu» der Humanitäten'Hoch brachte. Die Damen deS Vereins überreichten dem Vorsitz« nden eine seldsigefrrtigle Arbeit für seine Bemühungen uw den Verein, wor. uf Hr. De. Goldschmidt hiewieS auf den sittlichen Einfluß der Frauen und dies, leben ließ. Hr. Dr. Heyner wollt«, dirsim Verein die Gelegenheit geben, den ersten Groschen zu einem Fichte »Denkmal zu steuern, und veranlaßt« eine Sammlung dafür, die Erfolg haue. Ein Tan; beschloß.dies,« schöne ernste Fest. Wir aber können diesen Bericht nicht schließen »hr^e zu erwähnen, daß einige-der vorgetragenen Gedicht die begeisterte Theilnahme der Juden an. den LefreiungSkr egen schilderten, was uns die Bemerkung aufdrängte, wie groß die Macht der VakerlandSliede'sein müsse bei einem Stamm, der gegen einen Napoleon, der die Juden vollständig gleichstellte, freiwillig» zu den Waffen greift, um nachher — immer noch verfolgt und rechtlos, als „Kammerkue btt" dazustehen und heute noch nicht ganz und alleathaltze! > in Deutschland zu seinem Rechte gelangt zu sein. Wahl lich,