Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 14 (1862) · p. Seite 56

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
14 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999374-6026472--2126-4910547
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

schrecklich für die Juden, wenn sie sich nicht mit dem j deutschen Volte selbst trösten könnten — das sie in der: PaulSkicche in den Grundrechten dankbar zu Ehren brachte.! sol-k.) Das jüdische Bürgerthnm — eine sehr alte Institution.! Als Nebukadnezar. König von Babel, zwölf Jahre vor . der Zerstörung Jerusalems dahrn grkommc/l, den Königs Hechenjatk.entthront und mit ihm 10,000 der angesehensten! Männer Israels nach Babel geführt hatte, diese aber nach einiger Zeit nicht recht wußten, wie sie sich zu benehmen , und alt was sie sich anzui'ehen hätten, sich auch von der in Jerusalem herrschenden egvpnschen Partei, welche sich; von der chaldaischen. Oberherrschaft mit Hülfe EgypkenS frei zu machen trachtete, mir trügerischen Hoffnungen ver- : blenden ließen: richtete Hermijahu ein Sendschreiben an die nach Babel Weggefühcten, das unS im 28. Caplkel des Buches dieses großen, charaktervollen Propheten erhalten g.'blie.bcn. Dieses Sendschreiben beginnt: „Im Namen t^'S Ewigen, des Gottes der Heerscharenbauet Häuser und wohnet darin, pflanzet Garten und verzehret ihre Frucht, verbeirarbet eure Kinder und mehret euch daselbst, daß ihr nicht vermindert werdet, und suchet eifrig das Wohl des Staates, dahin ich euch führen ließ, betet für denselben ,jum Ewigen, denn in seinem Wohle wird auch euer Wohl sein!" j ' Dies war gleichsam das AdschiedSwort des göttlichen Geistes und die au« dem h. Lande der Barer scheidenden j Israeliten, dir Mirgade auf die große Wanderung, welche i Israel damals durch alle Länder und Völker antrat, die Richtschnur, nach welcher sie inmitten der Nation leben, "-sich bewegen und bethätigen sollten. Nein, rief ihnen der Prophet zu, ihr sollt euch nicht da, wohin ich euch führen ließ, als Fremdlinge, als euren Pflichten, eurem Streben s und eurer Sehnsucht nach einen fremden Lande Angehörige,; Sendern als Bürger des Staates, Glieder des Volkes, Söhne des Vaterlands fühlen und ansehen. Ihr sollet! euch dort heimisch machen, ein bürgerliches Gewerbe betreiben. also mit eurer ganzen bürgerlichen und Familienexiften; ■ ton wurzeln; noch mehr: ihr sollet auf's Eifrigste streben, das Wohl des Staates mit allen Kräften-zu befördern, noch mehr: die innersten Gefühle eures Herzens sollen dem Vaterland ändangen, baß ihr „z u m Ewigen bete t" für das Heil desselben — „beten" heißt aber dem Prophel len jene« hohe, weihevolle Zwiegespräch unserer Seele mit j dem Vater im Himmel, darin sich alles vor ihm ausfchütlet, waS in den Tiefen unseres Herzens verborgen liegt! Und, dieses Wort des Propheten, welches schon beim Beginn der Zerstreuung aus dem h. Lande so entscheidend für die Stellung der Juden unter den Völkern ward, wurde dann auch aller Zeit von den Söhnen Israels de- I rhätigt. Schon unter demselben Nebukabnezar, der Zion \ aestürmet und den Tempel verbrannt, wurden Daniel, Sabrach, Medrach uud Abedmgo, zu jenen ersten Weggefährten gehörend, königliche Statthalter und leisteten die Beranlwertlicher Red Betlag »cn 8 a a m g I r t b e t ’* BuchhandlUBg wichtigsten Dienste. In Egypten unter den Ptolemäern dienten Tausende von Juden in den egyptischen Heeren, standen mehrere Male Juden als Feldherren an der Spitze jener, vertheidigten das Vaterland und unterwarfen seine Gegner. In Rom — selbstverständlich im heidnischen, denn nur dieses war duldsam und nicht „verfvlgungssüchtig" — erhielten die Juden, nachdem sich erst der aus jüdischen Freiheitskriegen und den Aufständen der nach Freiheit dürstenden entsprungene Haß gelegt harre, das römische Bürgerrecht, und erlangten so viel Einfluß und Ansehen, daß mehrere römische Schriftsteller sich darüber beklagen. In Spanien, bevor Ferdinand der Katholische 300,000 Juden aus ihrem so geliebten Vaterianbe um des Glaubens willen vertrieb, gehörten sie sowohl zu den gewerdthäligsten Bürgern, als auch zu den einflußreichsten und angesehensten Männern, und erst mit ihrer Vertreibung sing Spanien an, so lief zu sinken. Wo war ein Land, in welchem unsere Väter die Verfolgung mir Verrath, den Druck mit Untreue vergalten? Kaüm daß sich eine einzige Spur irw/Kampfe des westgothischen Reiches mit dem Mauren davon sinder — da galt es aber ein unerträgliches Joch mit achtungsvoller Behandlung und bürgerlicher Freiheit zu vertauschen. Ueberall, wo ihnen nur ein wenig freier Spielraum gewährt wurde, rechneten sie es sich zur Ehre und zur religiösen Pflicht, dem Vaterlande mit Aufopferung zu dienen. So ist baS Bürgerthum der Juden kei Erzcugniß der neueren Zeit, sondern die alte prophetische Mitgade bei dem Scheiden aus Palästina. Gottesfürchtige Notizen im Stile der Wiener Kirchenzeitung*). 1. Judenbagage. „Statistischen Nachweisen zufolge befand sich;m verflossenen Jahre unter je hundert Abgestraflen Ein Israelit." So lesen wir in ofsiciellen Blättern! So wird in einem christlichen Staate gegen die Katholiken gehetzt; wenn aber in Ungarn eiu Jude tobt geprügelt wird, machen dieselben Blätter einen Heidenskandal. Sie führen sich absichtlich gut auf, damit sie die Christen demüthigen können! — 2- Hebräische Frechheit. In der Jägerzeile hat der reiche Hausbesitzer Moses Löwy an die dortigen Armen 2000 Gulden vertheilen lassen. Hai wahrscheinlich den Christen das Tausendfache abgeschachert! — *) Aus: „Figarina", humoristischer Almanach. Dien 186S. Allgemeine Zeitung des Judenthum«. No. 13~r8rt2. Leitende Artikel: Die jüngsten Borgange in Preußen. Zeit uaiD SnachrichtenrDeutschland: Hamburg. Karl»' ruhe, auS «urbaren, Frankfurt am Main, aus Bayern. Oefierreichijcher Xaiserstaar: Aus der Theißgegend, aus dem Tckayergebirge, Raab, Krakau, aus Ungarn. B. Gyarmatb, Jglau. Frankreich: Paris. Italien: Neapel. JtSf Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. tut I. H. Luder. Leipzig. — Druck von s. SreysiBs in Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.