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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 13 (1862) · p. Seite 50

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
13 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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Der Gegner des Rabbi knirschte mit den Zahnen, hob die Fäuste geballt empor, eine fahle Blässe breitere sich über sein so schon häßliches, graues und mir zahllosen Sommerflecken bedecktes Anlitz, feine grünlichen Augen sprühten ein unheimliches Feuer aus. ,^)aß, ewiger Haß Die -und Deinem Gezüchte! in eure Eingeweide will ich meine Fauste tauchen' und euch das Herz aus der Brust reißen! Gift sollt ihr trinken auS meiner Hand, und wissen, daß ihr rS trinket, und daß ich es euch bereitet! . . . Ich will der böse Geist, der Sched sein. Der dein Leben Durchkreuzt, der alle Deine Tage dunkel und alle Deme Rächte schreckensvoll macht, bis er Dich mit seinem schartigen Schwerte in dis Gruft geworfen, darin er . Dich quält und sticht ruhen laßt! .... Geh' nur, es ist der Weg des Verderbens den Du beschcitten! : . ." Vielleicht hätte Jtämpfa, der abtrünnige Schüler des Rabbi, noch lange forlgewülhet, aber sein Lpfer avar ihm entschlüpft. Der Rabbi hatte ohne ein weiteres Wort zu ecwidern, ihn stehen gelassen, und eilte dem Ende.des CorridorS zu. Ader er murmelte vor sich hin: Gewiß war ich nicht vorsichtig genug bei meinen Lehren, und die Wasser trübten sich, und der Mann schlürfte daraus und verbreitete nun Tod und Verderben um sich. Unsre Weifen haben hierauf Auswanderung und Verbannung voraüsgesagt — um so demürbiger nehme ich an, Herr, was du über mich beschlossen." Ec stand jetzt vor der Thüre, zu derihn der gräfliche Diener kingewiesen; ec kloosre an, sic that sich auf und ec trat ein. Der abtrünnige Lämpfa war dahin verschwunden, von wo er herausgrkommen. NI. Der Graf Albrechr von Hohenberg , eine große, aber -schmale Gestalt, dessen Mund MulK und Entschlossenheit, dessen Auge>-B«rrchnüng, za List auSdrückte, trat dem Rabbi einige Schritte entgegen. Aber das freundliche Lächeln, welches der Graf wohl anzunehmen verstand, und bas ebedem auf dem Angesichte seines Herrn der Rabbi angerroffen batte, fehlte gänzlich und hatte einem Lüstern Ernst Platz gemacht. Dennoch luv er den Rabbi ein auf einen Sessel sich niederzulassen, da ihn, den Greis, der Weg nach dem Schlosse wokl ermüdet habe. Der Rabbi gehorchte und 'prach nur wenige Worte des Dankes, wie ganz allein der Befehle dessen gewärtig, der über fein und der Seinigen Schicksal zu entscheiden hakte. Der Graf setzte sich auf seinen gewohnten Ehrenplatz, schlug das eine Knie üb?r bas andere, legtefein Haupt in die Hand seines auf den Tisch gestützten linken. Armes und begann: „Meister, ich habe bei unseren früheren Unterhaltungen gefunden, daß Ihr den Händeln dieser Welk durchaus nicht fremd seid, wie es bei gelehrten Männern meist der Fall ist, daß Ihr die Begebenheiten der Zeit wohl kennt , und ein gutes Uttheil über sie habet." Der Rabbi blickte den Grafen ernst an, und antwortete n ruhigem Tone: „Eure gräfliche Gnaden haben eine zu gut« Meinung von ihrem Diener; ich erfahre und weiß von dem Thun der Welt nur soviel, was mein armes wehrloses Volk betrifft und da wäre es wünschcnswerkh, baß es bei weitem weniger wäre, das zu meiner Kunde käme." Der Graf fuhr, ohne auf diese Worte zu achten, fort:° „Ihr werdet erfahren haben, daß mein königlicher Schwager jetzt, in der Fürsorge für des Reiches Wohlfahrt und Eigenkhum, einen Hanen Strauß gegen des Grafen Eberhard von Wirlemberg Änmaßlichkeil zu führen hat, der sich des BesitzthumS der Hohenstaufen bemächtigt hat, welche doch Lehen des römischen Reiches sind. Zugleich aber lehnen sich auch Hochburg und Saveven und Mängelgard gegen die Befehle des Kaisers und die Beschlüsse beS Reichstages auf, und müssen ohne weiteres gezüchtigt werden, sollen Aufstand und Empörung nicht abermals das ganze Land deutscher Nation erfüllen. Die Zwischenzeit, da kein König und Kaiser Zepter und Schwert geführt, hat zu lange gewährt, als daß nicht Rudolph von Habsburg Allen, die ihm entgegenlrrten, die strengste Unterwürfigkeit aufzwingen müßte. . Der Graf hielt einen Augenblick inne, feine Stirn runzelte sich, sein Mund zog sich zusammen, während der Rabbi nicht fragte, wozu ihm der hohe Herr alle diese : Dinge mittheile, die ihn, den beinürhigen Rabbi einer kleinen Juvengemeinde, ja gar nichtsangingrn; und die ihm wirklich durchaus nicht unbekannt waren. Er erwartete vielmehr gespannt die Fottsetzung, denn es dämmerte schon in ihm, worauf es hinauslaufen solle, ohne den Umfang des drohenden Unheils ahnen zu können. „König Rudotph ist nicht der Mann, vor Schwierigkeiten zurückzuschrecken; ec wird sie alle überwinden, das Reich stack und glücklich machen, und Alle hoch ehren, die ihm im Kampfe unterstützten." Der Graf warf bei diesen Worten einen raschen Blick auf den Rabbi, fuhr aber hastig fort: .„Nun, Meister, um alle diese Feinde mit Einem Male niederzuschlagen, ruft der König Alle unter die Waffen, die diese zu tragen vermögen. Dazu gehört nun Euer Volk nicht. Ader um die Heere zu unterhalten brauchen wir Geld, und da die Juden keine Waffen tragen, sollen sie das Geld hergeben. . Der Rabbi verwunderte sich nicht im geringsten über i das waS er hörte; er wußte nach den ersten Sätzen des Grasen, was daraus folgen mußte. Aber der Graf schwieg jetzt, und Meir mußte Etwas antworten; auch konnte ja das Stilleltehn zu Nichts helfen, der Beschluß des Grafen schien schon zum Entschluß geworden zu sein. Darum sprach der Rabbi nach einer Pause: „Herr Graf, derer, : welche die Waffen tragen können, find sehr viele, aber der Juden sind wenige; und wenn ein Krieger fein Leben ausgehauchr, sind immer Andere da, die an ferne Stelle treten. Wenn -ab« Jemand sein Eigenrhum verloren hak, und Handel und Wandel liegen danieder, so ist er auf imnier verarmt, und Keiner vermag ihn zu vertreten. Wir Juden ' kennen unsre Verpflichtung gegen Kaiser und Reich und ■ insondcrs gegen Eure gräfliche Gnaden sehr wohl, und; leisten die zahllosen Abgaben, Steuern, Gefälle und Con- | tribmionen willig, wir schießen zusammen, was wir vermo- , gen, der Reiche zahlt für den Armen, der Bemittelte für I den Unbemittelten; wir thun es, so lange wir können. Auch weiß der Herr Graf, daß die Kriegsauflagen, die wir; zu zahlen haben, nicht erst neu, nicht von gestern und ehegestern sind, sondern daß wir sie schon an zehn Jahren! tragen, und darunter ganz verarmen. Dennoch würden wir auch diesmal unseres gnädigen Herrn Verlangen wohl - erwägen, und ihm pflichtschuldigst Nachkommen; ich will j meine Gemeinde zusammenberufen, und sie mit ernstem! Worte zu Eifer und FreudHzkeit ermahnen, und wir wollcn

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