Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 11 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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43 Menschen das Leben raubte, sollten die Juden Brunnen und Quellen vergiftet und die Luft mit Zauberei verpestet haben. Vergebens bewiesen die Juden durch" tüchtige Aerzte, daß die Brunnen nicht vergiftet seien, der FanatiSmuS spottet aller Ueberzeugungsgrünbe. — Ungefähr ftO Jahre später sollten sie Christentinber ermordet und Hostien entweihet haben. Sie werden in Folge dessen verjagt: aus Magdeburg I3&4} Gla; 1492 u. s. w. u. s. w. — Die deutsche Reichsverfassung betrachtete noch die Juden als „Reichseigenthum", das zwar vom Reiche Schutz erhalten, aber diesen Schutz theuer erkaufen sollte. Und wirtlich wurden sie nicht selten wie „Eigrnthum" von einer Herrschaft der andern geschenkt, ohne daß sie ihre I Stimme für ihr gekränktes Menschenrecht erheben dursten. t So gewohnte man sich nach und nach in dem Juden eine j pertooa iograta zu erblicken, der kein Recht eigen ist. > Ja, der Name „Jude" war dem Borurtheile identisch mit l dem Begriff des Berabscheuungswürdigen. Daß das Ju-! denthum in feiner Mitte wahres Verdienst erzeugt, glaubte! man nicht. Ragten große Männer im Jubenthume durch ' Verdienst und Wiffenfchaft hervor, so suchte man sie zu > ignoriren oder ließ sie nur als Ausnahmen gelten, welche di, Regel erst recht bestätigten. So entspann sich nach und nach das Vorurtheil gegen uns in den mannichfachsten Geweben. — Man zeihe uns nicht der Feigheit, mit der uns baS Vorurtheil so gern beehrt. Nicht nur protestirten die Juden zu allen Zeiten gegen daS Unrecht, das ihnen widerfuhr, sie zuckten auch, so lange sie in großer Zahl bei einander' lebten und eine Achtung gebietende Macht waren, das Schwert für ihr gekränktes Menscheni recht. Auch kämpften sie in der ersten Zeit mir glänzenden GeisteSwaffen. So die alexanbrinischen Juden mir ihrem Philo an der Spitze. Als sie sich jedoch nach wackrem ungleichen Kampfe verblutet harten, mußten sie, die Wenigen, sich nicht in ihr Schicksal erheben? Und wem sollten sie ihr Leid klagen? Etwa denen, die fS ihnen zugefügt? Und würbe man ihren Beschwerden Gehör gegeben haben, nachdem man in der Menschenachtung eines Juden eine Blasphemie erblickte? — Wie Unrecht man ihnen aber gerhan. ist auS Orten ersichtlich, wo sie eine milde Behandlung erfuhren. Hier waren sie bald die treuesten und nützlichsten Bürger deS Staates und gelangten nicht selten durch ausgezeichnete Fähigkeiten und Dienste, die sie dem Staate leisteten, zu hohen Würden. So z. B. der Jude Isaak unter Earl V., Abarbanell unter dem nachmals katholischen Ferdinand, den Joseph unter Sultan Selin u. v. A., und widerlegten so auf das Glänzendste das Bor» urtheil, das man gegen sie empfand. — Durch die Reformation schwand die Flnsterniß und mit ihr die Verfolgung der Ketzer durch den Einfluß deS Klerus. Aber daS Vorurtheil gegen die Juden hatte zu fest Wurzel geschlagen, alS daß eS so leicht hätte aufhören sollen. — Und ,S schoß dieses Unkräut mir neuer Kraft hervor, da der Feudalismus jetzt feine Pflege übernahm, um es für feine Parteizwecke auSzubeuten. War eS nun ln alter Zelt die LoShett deS Fanatismus, welche die schmählichsten Jnvectiven oft wider besseres Wissen gegen uns schleuderte, so ist eS ln der neuesten Zeit di« gänzliche Ignoranz d«S Feudalismus in jüdischen Dingen, die ihm eia gleiches Verfahren gegen uns eingiedt. Wir erinnern hier an den Führer der Feudalen in der letzten preußischen Kammersession, Blankenburg, der in einem Eitate auS dem Machsor seine gänzl> che Unkenntniß unserer Institutionen verrierh. In eine nähere Beleuchtung der Grundsätze des Feudalismus uns gi genüder können wir uns nicht einlassen, eS ist diesiS auf b e glänzendste Weife von dem »ackern Redacteur d. Z., dem braven Kämpen für Licht und Wahrheit geschehen. Fa» rismuS und Feudalismus sind' beide Kinder der Finsterniß. Ueber beide hat die neueste Zeit das Anatstema auSqef rochen. Ueber den Feudalismus in dem Ausfall der Wahl n zum jetzigen Abgeordnetenhaus«, über den Fanatismus, int em etzl christlicher Kaiser seine Schaaren nach dem Libanon schickt zur Bekämpfung der Ausbrüche des Fanatismus und hierzu den apostolischen Segen erhält. So mißbilligt die Kirche eine Theorie, die sie selbst im Mittelalter gegen daS Zudenthunz in Anwendung gebracht, warum mißbilligt s e nun auch nicht da- Vorurtheil, das auS dieser Theorie »ervorgeaangen? Wie ihn aber abschleifen, der alten Zeiten RostI daS könnte unserer unmaßgeblichen Ansicht zufolge in zwiefacher Richtung geschehen. Für'S Erste müßten bi« Jntelli zenten in Israel, die Zutritt haben zu den Stimmführern i nserer Zeit, sich der Kennrniß unserer Religion und ihrer Jastiru ionen befleißigen, dann die Flitter falscher Scham ablegn dadurch, daß sie vor Allem sich selbst als Juden ichten lernen. Alsdann müßten sie ohne Scheu bei jeder Gelegenheit, die sich ihnen dazu dardietet, unsere Gla» benSfätze und den Kreis ihrer Institutionen vor den Aug, a der Welt in das rechte Licht barzustellen suchen. Erst wenn die Finsterniß der Unkennmiß geschwunden sein wird, wird eS auch für uns Licht werben. Für'S Zweite müßt n sie die Phalanx bilden, gegen die RischuS und Vorurtheil vergeblich ihre Kräfte versuchen. Auch müßten sie immer da» Uebel mit der Wurzel etftssen, wenn eS in fein Nichts zergehen soll. Dieser Aufgabe dürften sie sich in öffentlichen Blättern mit gutem Erfolgt entledigen. Sollte ihr Erfolg in der ersten Zeit nur ein geringer, der Mühe kaum entsprechender sein, so geben wir zu bedenken, daß wenn Wahrheit erst in den Herzen Einzelner Wurzel g« diese, wie alles Gute überhaupt, immermehr und mehr Ausdehnung gewinnen muß. Ha^ja alles Groß« in Welt erst einen kleinen Anfang genommen! Wir schließen mit dem Wunsche, daß diese Zilm manchen Israeliten, dem seine Religion kein lehrer, hl hler Klang, sondern lebendig; Wahrheit ist, zum Nachde iken über diese Frage, diese selbst aber, zu ihrer weitern Lö ung angeregt haben mögen. g vr. A. JaraezewSky. Ein Versuch, den deutschen Juden eiijen Papst eiuzuseyen. (Cftlct.) Ob diese zweite Verordnung einen bessern Erfolg h itte ist auS den uns erhaltenen historkschm Nachrichten n cht zu ermitteln. Merkwürdig bleibt eS aber, daß bei der .! er» vorragenben Stellung, rvetche jener R. Jsrahel einaal m, feiner sonst nirgends erwähnt wird und daß die jüdtf« >ea Quellen ganz über ihnschweigen, so baß selbst Zu »z. 1