Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 11 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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den ich hierüber befragt habe, mir keine Stelle in hebräischen Werken nachzuweisen vermochte, welche sich mit Sicherheit! auf diesen R. Jsrahel beziehen ließe. Ob vielleicht an; R. Ifrael au- Krems, der die „Hagahor Ascheri" - geschrieben, den Urgroßvater des R. Israel Jsserlein auS. Marpurg, gedacht werden darf, wage ich nicht zu entscheiden. | Epiker (über die ehemalige und jetzige Lage der Juden in , Deutschland S. 53.) sagt unter Berufung auf MaSrov'S Schrift <i« keoiu 3u«i»ico, Ruprecht hatte'den Juden zu j Frankfurt jenen Israel als Oberrichrer gestattet, wonach ' man glauben sollte, daß derfelde in Frankfurt, seinen Wohnsitz gehabt batte, was aber aus der mitgetbeilren Urkunde nicht ersichtlich ist. MaScov'S Schrift war mir leider nicht zugänglich. Schließlich' sei noch bemerkt, daß König Ruprecht, um ' die ihm von der deutschen „Jüdischheir" zusiehenden Ad- > gaben leichter einkreiben und über dieselben eine bessere: Eontrole führen zu können, sämmrliche Juden in Deutschland in Bezirke, welche unter dem Namen Friedhöfeangeführt werden, eingekheilt zu haben scheint. Ein solcher . „fritbef" oder „freytbof" wird zum Beispiel in der Urkunde vom 25. Januar 1403 erwähnt und ein anderer, nämlich; derzuSalzw^del, zu welchem vermuthlich auch die Juden > in Sachsen gehörten, kommt in einer Urkunde vom23.Fedr. \ 1407 vor, in welcher — nachdem Ruprecht den Herzögen ‘ Bernhard und Heinrich von Bcaunschweig - Lüneburg den > halben Antheil an dem von den Juden in Sachsen zu! zahlenden goldenen Opferpfennig und an der Judensteuer! bewilligt hatte, von mehreren Juden aber den genannten j Herzögen die gedachten Abgaben zu entrichten unterlassen 1 worden war,— Ruprecht'- Hofrichter, Engelhard von WeinSberg. die Juden, „die in den Judvschen Frythofe zu Soltwedel gehören", aufforderte, den -verzögen entweder noch vor Pfingsten Zahlung zu leisten oder sich vor dem Hofgericht zu verantworten. Bemerkung der Redaction. Wir mögen die Absichten de« Königs Ruprecht als ganz lautere, vom . Eigennutz freie anfehen, und selbst die Zwecke Derjenigen,; welche diese Einsetzung eines obersten jüdischen Geistlichen, ' der zugleich Ober»Steuereinnehmer sein und geistliche und weltliche Strafgewalt über die Juden zu gleicher Zeit haben sollte, dem Könige insinuirten, nicht verdächtigen: so müssen wir doch den richtigen Geist und Takt der deutschen Juden bewundern, welche die einigen Dorrheile gegen die vielen Nachtheile, die ein solches Amt zufngen konnte, wohlerkannten und sich wenigstens die innere Freiheit wahren wollten, wenn auch der Druck von außen noch.so heftig war. Das alte und das neue Jerusalem. Dem jüngst in diesem Dl. gegebenen Bild« degegenwärtigen Jerusalemstellen wir einen Blick auf daalte gegmüder. « Fallmerayer, dieser sowohl durch seine Reisen, alauch durch seine politischen Beziehungen wohlbekannte Ger lehrte liefert in dem eben erschienenen ersten Bande seiner gesammelten Werke, „Reue Fragmente audem Orient, tLeipziq 1861 eine treffliche Schilderung defrühem Glanze-. dejetzigen Verfallder heiligen Zion-stadt (Seite 143): „Dizur Besiegung deletzten, allgemeinen, großen und verzweiflungsvollen Aufstand,- der jüd. Nation und bis zur völligen Verödung de- Landes durch die Imperatoren Titus und HabrianuS bot die Umgegend von Jemsalem einen von dem gegenwärtigen Zustand wesentlich verschiedenen Anblick bar. Rinnende Bäche, Quellenreich» lhum, Gärten und Wälder mit ihrer Schenrenkühle und ihrem sommerlichen Lüften schufen ein lustig,- und lebensvolles Bild ländlicher Glückseligkeit, von welcher nach so vielen Verwüstungen heute kaum eine Spur zu entdecken ist und deren völliges Verschwinden unter dem ehemen Fußtritt der Legionen schon SlaviuS JosephuS nicht ohne Thronen sehen tonnte. Jemsalem war nicht dloS politischreligiöser Mittelpunkt einezahlreichen, streitbaren, arbeitsamen und gotteSfürchtlgen Volke-, ,S war zugleich große und reiche Handelsstadt, nahrungfprossender Sitz der bürgerlichen Gewerbrhäligkeit, Heimatd der Luruskünste und der Ueppigkeir. weil ein frifchraufchender Kanal des Welthandels vom Rothen Meere her in die prachwolle Hauptstadt deS jüdischen Volkeronn. Kostbare Gewürze, Edelsteine und Gold in Masse brachte arabisch« Wüstentaravanen in die Stadt, während die benachbarten Seehäfen Askalon, Gaza, Joppe und Akte mit dem Ueberfluß ihrer eigenen Erzeugnisse zugleich die Probucke de» Abendlandes sandten. Alle diese Herrlichkeiten sind wie durch Zauber weggedlasen mit dem indischen HanbelSweg, mit der Narional-Unadhängigteit und mit der jüdischen Bevölkerung selbst ist auch die LandfchaftSpracht von Jemsalem verschwunden. Mehr alS vier Stunden in der Runde ist die Landschaft kahl geschoren , da- Baum und Buschleben biauf die letzte Spur vertilgt, sind im letzten Act, de- Trauerspielnicht bloalle von Juden bewohnten Ortschaften Palästinaüber tausend an der Zahl zerstört, sondern auch die Quellen und die Brunnen verschüttet. An die Stelle hierosolymiranischen Pflanzenledenist der Tod getreten, Jemsalem ist in dürre Sleinoden traurig hingelegt. —" Allgemeine Zeitpng de- Judeuthum«. No. 10. 1862. Leitende Artikel: Ueber Mischehen zwischen Juden und Christen. I. Allgemeine-. — Pariser Briefe X. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bom badischen Mittelrbein, Darmstadt. Preußen: Berlin, Breslau, Frankfutt a. d. Oder, Pr. Stargard, Königsberg. au« Pommern, PeckelSheim. Oesterreichischer Kaiserstaar- Löien. Afrika: Tripolis. Rußland: Warschau, Warschau. Zu begehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thal«, vierteljährlich % THaler. Verantwortlicher Redakteur I. H. Sftbcr. Vertag rtact’« i» ttritoig- - Dr»S »,» 9- Lre»si»g ta Lri»»ig.