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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 10 (1862) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
10 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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39 Geschmeide zu ihr, von dem erglaubte, daß es ihr gefallen würde; er machte keine Schwierigkeiten wegen des Preise-, und sie stellten ihn auf 6,000 Livres fest. Sie wollte Anfangs, daß er die Summe in einer längeren Frist empfangen soll», aber er ließ merken, daß er scbr dringend Geld nökhig hätte, jedoch ohne die Summe zu erwähnen, welche sie ihm schon schuldete. „Nun gut," sagte die Gräfin, „machen Sie eine Anweisung über diese Summe auf Deaujon. ich werde sie unterzeichnen." Dahin hatte der Kaufmann aus Metz seine Schuldnerin dringen wollen, und eiligst schrieb er eine Anweisung von 66,000 Livres nieder, welche sie, ohne sie zu lesen, Unterzeichnete. Der Hofdanquier, welcher an diese Unterschrift gewöhnt war, bezahlte, aber als er die Gräfin einmal sah, machte er ihr bemerkbar, daß ihre Anweisungen sehr häufig würden. Da sie glaubte, baß die letzte nur 6,000 LivreS betragen hätte, so sprach sie davon wie von einer ganzen. Kleinigkeit, der Finanzmann aber behauptete, daß eine Summe von 66,000 Livres nicht so sehr wenig sei. Daraus erfolgte eine Erklärung, welche die Gräfin aus Herzensgrund lachen machte, und weit entfernt böse zu werden, fand sie, daß ihr Gläubiger gut gethan habe. Sie hatte nicht- Eiligeres zu tkun als diesen Streich dem Könige zu erzählen, um ihn damit zu belusiigm. , Jedoch beunruhigte das Aufsehen, welches diese Eulenspiegelei in Paris verursachte , den Michel Oulif sehr. Er schrieb folgenden Brief an die Gräfin.: 7. Mai 1772. Gnädige Frau Gräfin! Man hat mir gesagt, daß ein Haftdrief gegen mich verfaßt sei, um mich wegen der Anweisung, welche Sie unterzeichnet haben, einschließen zu lassen. Ich beschwöre Sie, gnädige Frau, stürzen Sie mich nicht ins Verderben. Sie wissen, daß ich Ihnen kein Unrecht zugefügt habe. Sie schuldeten mir seit langer Zeit 60,000 Livre-, welche mit den 6,000 ihres letzten Ankaufs die 66,000 Livres der Anweisung ausmachen. Da ich die Ehre hatte. Ihnen zu sagen, daß ich in dringender Geldnoth wäre, befahlen Sie mir, die Anweisung zu schreiben, welche Sie so gütig waren zu unterzeichnen. Freilich meinten Sie nur 6,000 Livres zu unterzeichnen, und es war Unrecht von mir, Ihnen nicht zu sagen, daß ich die früheren 60,000 Livrehinzugefügt hatte, aber bin ich deshalb strafbar? Ich glaubte im Gegentheil, auch in Ihrem Vortheil zu handeln, indem ich Sie von einer Schuld befreite, die Sie immer beängstigt hatte. Also hoffe ich von Ihrer Güte, ,daß, wenn wirklich ein Haftbefehl gegen mich erlassen ist, Sie denselben aufheben wollen. Ich werde nie aufhören, den Himmel um Erhaltung Ihres kostbaren Lebenanzuflehen, und bin hochachtungsvoll, gnädige Frau Gräfin, Ihr u. s. w. Michel Oulif. Die Gräfin Du Barry antwortete ihm mit folgendemBillet. 8. Mai 1772. . Nein, mein armer Oulif, beunruhige Dich nicht; weit entfernt, daß es sich jemals darum gebandelt hätte. Dich gefangen nehmen zu lassen, habe ich vielmehr Deinen Streich dem Könige erzählt, welcher sehrdavon belustigt war. Also beruhige Dich! Gräfin Du Barry. Ein Versuch, den deutschen Juden eilen Papst kinzusctzcn. Die soeben erschienenen „Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland während de- Mittelalters von Dr. M. Wiener. Hannover 1862" enthalten S. 73. folgende Erzählung einemerkwürdigen Vorgang-. Unter der leider nur fe kurzen Regierung de- Kötigs Rup rech t verlebten die Juden mit ihre glücklichste^! Hage 'wahrend deganzen Mittelalters und sie fühlten die Milde diests Herrschers um so mehr, als dessen Regierung au die degrausamen König- Wenzel folgte, der ihnen durch die bekannten Erlasse der Judenschulden, bei welcher Gelege» heit er aber nicht vergaß, sich selbst zu bereichern, den grösten Theil ihres Vermögenraubte.*) Jüdische Geschichtssc »reir der ^denken daher de- Königs Ruprecht mit dem grö iten Lobe und der im sechzehnten Jahrhundert schreibende bekannte Chronist David GanS sagt in seinen unter dem Namen ZemachDavid bekannten Annalen zu den Ja »ren 1400 und 1410 rühmend von ihm, daß er ein from ner, weiser, einsichtsvoller, bemüthiger und gottesfürchtiger Regent gewesen sei, der da- Recht liebte und den Unterd ück« ten sich gnädig erwies. Besondermachte sich Rup echt um die Juden in Deutschland dadurch verdient, das er ihre Lage zu verbessern und ein Rechtsverhältniß füi sie zu begründen strebte, zu welchem Zwecke er den Vei üch machte, sie zu organisiren. Ueber. diesen Organisation^ versuch Ruprechts hielt Hoefler am 23. April 1860 kn der kvnigl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften zu? rag einen Bortrag, über welchen die Sitzungsberichte jener Gestllschaft (Jahrgang 1860 S. 76) ein leider nur sehr urzes Referat enthalten.' Mir Recht weist Hoefler auf die Urkunde vom 3. Mai 1407 als ein in dieser Hin icht höchst interessante- Aktenstück hin. In! dieser Urkunde eri lärt König Ruprecht, daß ihm bekannt-geworden.se>, wie die ir den deutschen Ländern deheil: römischen Reichs w« hnh »ften Juden mit mancherlei ungewöhnlichen Forderur gen b schwere und auch von vielen Juden, die sich für H)chn eister (Rabbiner) ausgeben, zum Behuf« allerlei erdak»ter Dinge, mit denen man die Juden jetzt belästige, mit em irdischen Banne belegt würden, wodurch schon Man he, dl nen man Gelb abzudringen gesucht hätte, vertrieben worden wären und Andere ihre Wohnsitze hätten räumen müsen, so daß dem Könrge und Reiche wie auch anderen Für ien st re Einnahmen bedeutend verringert worden feien. 9 un fe ihm von glaubhaften Leuten hinterbracht worden, »aß dir jüdische Meister Ifrahe l sich in der jüdischen Gel hrsamkeit wohl bewährt hätte und auch unter den Ju xn so gut beleumundet wäre, daß er noch niemals einem Ju >en U »recht gethan und als gelehrter und redlicher Jude aach keinen Glaubensgenossen mit seinem Banne widerrecht!ich d< schwere hätte und hoffentlich auch in Zukunft nicht best »weren würde, und ta er (Ruprecht) wünsche, daß für die Z lkunft jene Juden, die von ihren sich Hochmeister rrnni nden Glaubensgenossen mit Unrecht in dm Bann get! an wrrden seien und um unredlicher, erdachter Dinge wi ken lit t ') Wie groß der Berlost, den die Juden damals erli gewesen sein muß, geht dara« zur Genüge hervor, daß, da König 15 Procent der Schulden entrichtet werden mußten, {er zog.Friedrich von Baiern allein 15,000 und die Reichsst> 40,Oliv Goldguldea zu zahlen hatten. n,! em. i die

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