Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 10 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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38 die Meere erstrecken, so werden wir überzeugt, daß hier überall di« Erhebung der Erdoberfläche zu Gebirgen, und der furchtbare Absturz des Wasserschwalls in die Lroßen Ausmuldungm und Senkungen hinunter zusammcngewirkt .haben müssen, zu deren Resultaten dann späterhin, da noch öftere solche rdeilweise Erhebungen und Senkungen starr» finden mußten, an verschiedenen Localitaten noch mehrere solcher Naturereignisse beigetragen haben. Werfen wir noch einmal einen Blick auf die Schöpfungsgeschichte der h. Schrift zurück, f» sehen wir zuerst daS Licht entstehen, dann die Ausdehnung oder den Raum zwischen der Erde und dem Gewölk oder dem „Himmel", also den Dunstkreis der Erde o&ct; die Lustcegion; unter dieser befindet sich daS Wasser, das sich aber dann in die Senkungen zurückziebt, so daß die Erdoberfläche theilS Festland, theils vom Wasser bedeckt ist. DaS ist ein klares Bild, und am Allgemeinen weiß uns auch die jetzige Wissenschaft ein Mehreres nicht zu sagen. Man weiß, daß die neueren Naturforscher den Weltraum von einem „Aerher" erfüllt sein lassen, durch welchen die Fortpflanzung der Lichtdewegung möglich ist, der Erdball aber ist vpn einem, etwa zwei Meilen hoben, atmosphärischen Luflkriise. umgeben, in welchem ansteigend die Luft immer dünner und dünner wird', dis sie sich in den Welrärbec verliert, Luriosa. Ter heilige Lkcin auf dem Tempclberg zu Jerusalem. Bekanntlich wird es allen Nichrmohammedanern von dem Türken nicht gestattet, den Platz, auf welchem der Tempel gestanden, und die Moschee, die auf ikm erbaut ist, zu betreten. Als 18o9 der Großfürst Konstantin in Jerusalem war, erhielt er .für sich, sein Gefolge und. die sich ihm ani'chlossen, die Erlaubniß. Unter den Letztem befand sich der Verfasser der von'unS bereits erwähnten „Wallfahrt nach Jerusalem," Moritz Busch, der über eine Merkwürdigkeit im Innern der Moschee, einen von den Mohammedanern dochheUiggehaltenen Sreinblock, Folgendes berichtet: Im Innern wird die Decke des achteckigen Unterbaues von vierundzwanzig korinthischen Säulen getragen, während in der Milte zwölf solche Säulen und vier dicke Pfeiler, nach der mir GoldaradeSken geschmückten Kuppel aufstrebend, eine Art Kapelle für sich bilden, in welcher, von einem schön gemusterten vergoldeten Gitter umgeben und mit einer Decke von schwerem rorh und grünem Seidmdamast bedangen, der etwa fünfzehn Fuß über den Fußboden emporragende und dreißig Fuß lange heilige Felsen sich befindet. Die Decke war, als wir eintraten, bald adgenommen. und ich sah bei dem Dämmerlicht, welches durch die Blumen- und Arabeskenmalerei der Fenster in den sonst ganz dunklen Mirrelraum fiel, daß es ein unregelmäßiger, .natürlicher grauer Kalkblock war. i Dieser Stein ist nächst dem Hadschar El ASwed, dem schwarzen Stein in der Kaaba zu Mekka, und dem Grabe Mohammeds in Medina das größte Heiiigldum des Islam. An idm gesprochen ist jedes Geber doppelt wirksam, und so heißt er im Lolksmund „die Stätte der Erkörung." Die Sagen, die sich an idn knüpfen, sind zum Tbeil sehr wunderlich. Er soll der Felsen sein, auf dem Abraham seinen Sobn Isaak schlachten wollte, und man zeigt an ihm noch die Spuren der — selbstverständlich riesenhaften — F nger des Patriarchen. Nach einer andern mohammedanischen Legende fiel der Stein vom Himmel, als zu Jerusalem die Prophezeihung begann, und auf ihm haben alle Propheten seit Adam gebetet. Als bei der Zerstörung von Jerusalem die Bekenner des einigen Gottes flohen,'wollte der fromme Kalkdlock mit ihnen fort, aber der Engel Gabriel hielt ihn auf, bis Mohammed kam und ihn für immer befestigte. Wieder eine andere Sage erzählt, Mohammed sei von dem Steine aus gen Himmel entrückt worden. Da habe derselbe ihm nachgewollr und sei wirklich bis in die Nähe deS Paradieses mit emporgestiegen. Hier aber habe er da« arabische Jubelgeschrei „Lu lu lu!" ausgestoßen, und darauf habe der Prophet. ihm geboren zu schweigen und wieder an seinen alten Platz zurückzukchren. Der Stein habe gehorcht, aber nicht ganz. Er sei zwei Ellen über feinem früher» Ruheplatz in der Luft schweben geblieben. So sei er bis auf Sultan Selim zu sehen gewesen, der ihn auf die Klage, daß schwangere Frauen sich an dem Wunder versehen, durch einen Unterbau von Balken gestützt habe. Noch ein anderer Aberglaube der Mohammedaner sieht in dem Felsen, der nichts Anderes als eine hevorragende Klippe des salomonischen Tempelbodens ist, einen der Hügel deS Paradieses und meint, daß unter ihm alle Gewässer der Erde entspringen. Der Talmud erblickt in demselben den Eben Schekiah, den Stein, auf welchen der Hohepriester bei seiner Function die Räucherpfanne gestellt und au« dem die Welt geschaffen worden. Andern Juden zufolge ist es die Tenne Arafnas, deS JebusirerS, auf welcher der Engel Posto faßt«, der zur Strafe fiür die von Melech Davids Hochmurh befohlne Volkszählung Israel mir der Pestruthe schlug. Die Christen des Mittelalters dagegen glaubten, eS sei der Stein, auf dem Jakob den Traum von der Himmelsleiter hakte. Unter dem heiligen Fellen befindet sich eine Höhle, nach welcher auf der Südostseite einige Stufen hinadführen. Dieselde heißt „die edle Höhle der Moslemin" und ist ziemlich geräumig. In der einen Wand derselben sieht man zwei kleine Nischen, in denen David und Salomo gebetet baden sollen. Auf dem Boden aber soll eine mrtallne Falltkür eine brunnenartige Vertiefung bedecken *), die von den Arabern „Birreh Ruah", Brunnen der Seelen, genannt wird, und welche in die Unterwelt hinabgeht. Hier konnte man in frühem Zeiten sich mit den Tobten unterhalten. Da indeß bei diesem Verkehr wiederholt Unglücksfälle sich ereigneten, so wurde die Oeffnung verschlossen. Irgendwo in diesem unterirdischen Raum ist nach der Meinung der Juden noch heute die Bundeslade verwahrt. (Rack dem Arch. isr.' Michel Oulif, eini^jüdischer Kaufmann aus Metz, wurde im Jahre 1772 in ganz Paris durch einen Streich bekannt, den ec der Gräfin Du Barry spielte. Diese berühmte Favoritin Ludwig XV. war ihm seil langer Zeit 60.000 Livres schuldig, und er konnte die Bezahlung nicht erhalten. Eines Tages, im April 1772, begab sich Lulif mit einem M Ich habe davon, vielleicht in der Eile, nickt« gesehen.