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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 10 (1862) · p. Seite 40

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
10 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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40 belästigt werden, bei ihren Freiheiten in Rübe verbleiben mögen und ihm und dem Reiche seine Rechte an den goldenen Opferpfennig und andere Gefalle, die ihm nach Recht und altem Herkommen gebühren, weder verloren gehen noch geschwächt werden, wie auch insbesondere, daß die Judenfchafr wegen etwaiger offenkundiger Pergehen gegen ihren Glauben, worauf nach ihrem Rechte der Bann erfolgen würde, nicht ungestraft bleibe, damit sie nicht begieriger werde, Missetdaren zu verüben, endlich und zumeist aber, weil er wünsche, ^daß sich die Jpden wegen Beschwerung und Bedrückung von Seiten der königlichen Amtleute und anderer Christen nicht zu beklagen, sondern vielmehr einen Glaubensgenoffen zu ihrem Oberen haben sollen, der ihre Rechte und Nothdurfr kennt: so' habe er zur Abstellung der angegebenen Gebrechen und um seine und anderer Fürsten; Rechte zu starken, wegen der Redlichkeit, die'ihm an jenem , Jsrahel gerühmt worden sei, denselben zu seinem und des j Reiches jüdischen Hochmeister über alle jüdischen Hochmeister in Deutschland ernannt und ihm volle Gewalt gegeben, alle ' Juden und-Jüdinnen in den deutschen Landen vor sich zu - fordern, mit dem Banne zu belegen, zu veruriheiien und s einen Jeden, der erwiesener Maßen bas jüdische Recht gebrochen hat, demselben gemäß zu bestrafen. Auch habe er den genannten Jsrahel bemächtigt, alle Abgaben, die ihm als römischem König« von den Juden im deutschen Reiche zustehen, wie dcO-goldenen Opferpfennig und andere Steuern und Gefälle, die ihm durch Recht und Gewohnheit ober des jüdischen Bannes wegen gebühren, einzufordrcn und einzunehmen und auch hierbei in Rücksicht auf Vorladung Bann und Ur.rheil nach jüdischem Rechte zu verfahren. In allen diesen Dingen habe er aber dafür Sorge, getragen, daß kein Jude weder in Gemeinschaft mir andern Glaubensgenoffen noch allein widerrechrlich oder feinen Privilegien oder dem jüdischen Rechte entgegen oder auch um unwahrer Sachen willen vorgeladen, in den Bann gethan oder verurtheilt werde.. und, habe auch der mehrgedachte Jsrahel alle die angeführten Punkte nach seinem besten Vermögen zu halten und auszuführen bei seiner Treue gelobt und beschworen. Darum gebiete der König allen jüdischen Hochmeistern wie auch sämmrlicheo Juden'in Deutschland ernst- Ilch, den erwähnten Jsrahel als ihren obersten Hochmeister anzusehen und'ihm auch in seinen nach dem jüdischen Recht« erlassenen Verordnungen gehorsam zu sein, wenn sie nicht des Königs schwere Ungnade auf sich laden wollen. Allein, wie es scheint, ist Ruprecht mit dieser Verordnung nicht durchgedrungen. Verschiedene Juden, insbesondere die zu Nürnberg, mochten den gedachten Jsrahel nicht als ihren Hochmeister anerkennen, bewiesen sich unge-! horsam gegen ih» und ließen ihn sogar nach bereits stau- I gehabter Verkündigung des königlichen Majestäksbriefes vor > andere jüdische Hochmeister laden, woselbst sie mit erdachten Reden und Unwahrheiten Vorgaben, daß Jsrahel. gegen die jüdischen Religionssatzungen handele und allen wohlhabenden Juden ihr Geld abzunehmen suche, indem ec ihnen mir Bestrafung von Seiten des Königs drohe. Dadurch halten eS die Gegner JfrahelS dahin gebracht,, baß über ihn von anderen jüdischen Hochmeistern der Bann ausge-! sprechen worden war, diese Bannbrief« auswärts verschickt j \ und von den Juden zu Nürnburg und vielleicht auch.noch ' anderswo öffentlich verlesen worden waren. Da nun Ruprecht in diesem Verfahren nicht allein eine Unbill gegen ' Jsrahel, sondern auch eine Schmähung und Geringschätzung! seiner königlichen Gewalt, wie auch' eine Verletzung seines! Majestätsbriefes erkannte, die ec nicht ungeahndet hingehen , lassen wollte, so erließ er am 23. November 1407 einen; neuen Befehl an alle Juden des Reichs unter Androhung einer Pön von 20 Mark Goldes, den Jsrahel und keinen anderen für den rechten Hochmeister zu halten. | » l Schluß fel^) Charakteristisch. Vacnhagen van Ense erzählt in dem eben erschienenen 3ten Bande seiner „Tagebücher" folgenden kleinen, aber charakteristischen Zug. Er war nämlich nach dem Bade Homburg gekommen, konnte die früher innegehabre Woh-^, nung nicht wieder beziehen, dieerauch bei einem sich eben etablirenden, in acht Tagen sich verheicathen wollenden Brautpaare fand. Ec erzählt nun: „Eine die Wohnungen vermittelnde Jüdin fragte ich heimlich, ob die Braut-nicht jüdischen Geschlechtes feü „Gott bewahre! Sie brauchen keine Scheu zu haben!" rief sie heftig. Dieses „Gott bewahre" von dem eignen Volk und Glauben sagen zu muffen, zeigt den schnöden Druck, um« dem diese Leute leben, in den sie sich gefügt haben. Ich verwies aber der Frau Liffa das grausame Wort, und versicherte ihr, mir würde cs angenehm gewesen fein, wenn sie meine Vermuthung bejaht hätte." — Wir brauchen dem nichts hinzuzufügen; doch empfehlen wir hier diesen kleinen Zug zu reiflichem Nachdenken. Bemcrkenswerth. In einer Rechtfertigung Darnhagen'L-ge^n den Vorwurf, er habe einen Doppelcharakter gezeigt, sia^ lediglich in den aristokratischen Kreisen bewegt und dabei eine demokratische Ueberzeugung in sich getragen, wird hervorgehoben, wie das „Bürgerthum" und die „Demokratie" ihre Freunde gewöhnlich im Stich lassen. Unter anderm wird bemerkt:; Berlin har Tausende von Bürgern, welche reiche Leute sind; I aber nicht Einer erhob sich zu dem Gedanken, Humboldt zu seinem kärglichen Einkommen eine Beisteuer zu bewirken. A. Mendelssohn freilich ist kein Christ und rodomontirt auch nicht mit demokratischen Redensarten; er gab Humboldt eine freie Wohnung in seinem Hause." Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 9. 1862. Leitende Artikel: Der Ueber- und Rücktritt;um Judenlhume. — Die Eckwei; und Preußen. — Zerstreute Bemerkungen. :— Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Bayern- Preußen: Berlin, aus der Mark, Birnbaum. Hollaud: AuS Hollaud. gy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich Thaler. Verantwortlicher Redacteur K. Nabe. Bcrlag »ca Lanmgirtner» ätafcbJRthins in Leipzig. — Druck von G- Sreysing in Leipzig.

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