Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 10 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. .Lesehrung und Änlerhattung auf jüdischem Gebiet HerauSgeycben von Rabbiner vr. Ludwig PhiliPPsou in Magdeburg. e. iBpn tiefer 3rii(<tri(t eifaeint u>w6entli y(0. 10. I OUä« I g-«g» r Tblr. ^itnfljdfcnM 7 U Ngr. I* J uoB 4tiniiiti(rBrtiiii>ifB n< uns Zrimugtexpedilioieu nahmen Bestellungen an. > eine Nummer. Prci^de» I-chrrft t A .« , , ,Ä & L»brg. 1. Quartal] Etwas über die Schöpfung der Erde. So lange die wissenschaftliche Forschung die Entstehung und die Geschichte der Erde behandeln und ihr, immerhin zweifelhaftes Licht darüber zu verbreiten suchen wird, wird man auch immer von Neuem ihr« Resultate mit der Schö» pfungsgeschichte in der h. Schrift vergleichen und in Uebereinstimmung zu bringen streben. Einig« Bermeckungen werden daher auch hier ihren Platz verdienen. Die h. Schrift setzt voraus, daß anfänglich die Erde ganz und gar und überall mit Wasser bedeckt war, was wiederum voraussetzt, daß die unter dem Wasser befindliche Oberfläche der dichteren Erdmasse von ziemlich gleichmäßiger Beschaffenheit war. Darum heißt eS 1 Mos. I, 3. :„Finsterniß über der Fluth und der Geist Gottes webend über den Wassern." DerS 6 und 7 schafft Gott die Ausdehnung „zwischen dem Wasser, das unterhalb der Ausdehnung und dem Wasser, das oberhalb der Ausdehnung." Und V. 8 sollen, „sich die.Wasser unterhalb deS Himmels an Einen Orr sammeln, daß sichtbar werde daS Trockene." DaS Trockene oder der feste Erdkörper war also schon vorhanden, nur aber gleichmäßig mit Wasser bedeckt. Deshalb heißt eS auch im I04ten Psalm V. 6 von der Erde: „Du hauest die Fluth wie Gewand darüber gedeckt," also den gan^n Erdkörper in Wasser gehüllt. — Die neueste Naturwissenschaft lehrt, daß von der vorhandenen Stoffmasse niemals Etwas verloren geht, daß ein immerwährender Wechsel der Zusammensetzung und Zersetzung der Grunbelemente zu körperlichen Gestalten stattfindet, von der Summe der Grunbelemente aber selbst auch nicht ein Stäubchen da zu sein aufhört. Den Kundigen brauchen wir nicht nachzuweisen, daß dies auch die Lehre der h. Schrift ist. Sie laßt in zahlreichen Aussprächen Gott den- Staub messen und die Fluth! ab» wagen und allem Da^eienden Zahl und Maß bestimmen. Die Welt mit ihrem ganzen Inhalt ist für uns Menschen unbegrenzt, unendlich; fürGottaber haben die Sterne ihre Zahl und die Wesen ihre bestimmt« Menge. In der vorhandenen Wassermasse tonnte und kann daher auch eine wesentliche Verminderung nicht eintreten, und die durch Verdunstung in die Höhe steigenden Wassertheile mußten und müssen durch Abkühlung immer wieder als Wasser zur Erde zurückkehren (vgl. Hiob S6, 26. 27.). Die h. Schrift fetzt also voraus, daß, indem die Wasser „sich an einen Ort sammeln" sollten, der nachher „Meere" genannt wird, eine Veränderung in der Erdoberfläche, eine theilweise Hebung und theilweise Senkung vor sich gehen, also alle die Mannigfaltigkeit in Höhen und Niederungen, Gebirgen und Ebenen, Bergen und Thälem entstehen mußte. Eine solche Ers edüng und Senkung konnte nur, was die h. Schrift als Nicht norhwendig zu berichten übergeht, durch die Gewalt ir neren Feuer» geschehen. Da begannen denn die Wasser von den sich hebenden Höhen in die entstandenen Senkungen herab, zulaufrn, und Festland und Meere zu entstehen. . So heißt es Ps. 104 V. 8.: „Es stiegtn Berge hinan, eS fmken Thaler.hinab zu dem Orte, den Du für sie gegrüntem" Dies bestätigt denn auch die Wissenschaft. De alte' Streit zwischen den sog. Neptunisten und Vulkanisier,, d. i. zwischen solchen, welche die Gebirge durch Wasser, , und denen, die sie durch Feuer entstehen lassen, ist in der W issenschaft erloschen, hat aher auch keine Begründung ii der h. Schrift. Die-erster» lehrt, daß das Gestein zr meist Produkt des FeuerS,- zum Theil aber auch Riederfchlac. au» dem Wasser ist; die letztere spricht sich über den eigenr ichen Ursprung de» Gesteins gar nicht aus, sondern lehrt nur, daß daS Wasser einst über der ganzen Erde gestanden, waS sie in der nvachidischen Fluth noch einmal vorkor imen läßt. Zn der Thal beweisen dieS die zahllosen Ueberreste und Versteinerungen von Fischen und Seelhieren^ n eiche in den höchsten Gebirge« gefunden werden. Die Lehre der h. Schrift wird aber auch von dem ersten besten Blick erwiesen, den wir von einer hervorr genden Höhe über die Umgebungen werfen. Diese Mannigf lcigk«it der Bergformatione«, diese, regellose Zerrissenheit der furchtbaresten Felsenriesen, diese Zerspaltung glatter Felsm lnde, diese riefen Schluchten, Thäler, Klüfte, Tobel u. i. w. können nur von einem ungeheuren Wasserschwall, der i infre jetzigen Begriffe von herunterstürzenden Wasserflurhen ins Kolossale übersteigt, herrühren, und von welchen die 8 erg- 'röme und Bäche, die durch jede» Thal rinnen und sich ft zwischen himmelshohen FelLwänben hindurch wir den, ie schwachen Ueberreste sind. Da sahen wir von e aem ebirgsstocke immer nach derselben Richtung mehrfache, von Lchen durchströmt«, Schluchten und Felsthäler auslar fen; nn aber wieder von denz höchsten Gebirgsrücken sich s lche ich alle» Weltgegenden heruntersenken, wie vom Gotth rdr, wie wenn eine Wasserflut^ von dem plötzlich erhob nen Vergfcheitel überall hin hirunterstüezt, wo sie ein« Senk Mg fmdet oder sich eine solch« durchbrechen kann. Breiten vir djmn eine Erdkarte vor un» au», und versetzen uns im Geiste auf einen Standpunkt, von welchem aus wii sie ganz zu überschauen vermögen;, verfolgen wir da den Abfall dsr Ebenen von den ^Gebirgsrücken, den Lauf der Flüsse, die Gestaltung der Küsten, die Archipele und Z Ige der Inseln und Eilande, bi« sich hinter einem Festland« in