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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 9 (1862) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
9 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 4. Unter die Officiere und die Compagnie, die mich von Asperg begleitet und große Müh« gehabt haben, soll etwa-- ausgerheilt werden. Das Wieviel bestimme die Commission. 5. Dem Professor Vernarb für seine Mühe 30 Fl. 6. Dem Schlachter Seliamann 10 Fl. Du bist recht arm und hast mein Lebelang nicht- Gutevon mir. erhalten. 7. Und Du Nathan (Mordechai Schloß,) was mit Dir? Du bist reich und würdest Nichtnehmen. Du sollst 100 Fl. haben und unter die Jüdischen Armen auStheilen. 8. Meine MuMr und Bruder nebst Schwester erkenn« ich als rechte Erben u. s. w. Da» Testament ward nicht beachtet. — Wir wollen nun noch mir einigen Worten der andern Personen des Trauerspiels gedenken. 1. Die Fischerin, welche Nichtweiter verbrochen hatte, als Süßen- Geliebte z> sein, mußte, in- Zuchthaus wandern. Das Kind ihrer verbotenen Liebe starb daselbst. 2. Der General v. Remchingen, der sich geweigert hatte, Süßen zu verhaften, wurde selbst am 21. Marz ver» haftet, obwohl er General des schwäbischen Greises war. Er floh im September l]739, wurde in contumaciam kassier und führte noch lange einen Rechtsstreit über seine Unschuld. 3. Der Hoftanzler v.^ Scheffer wurde für die Vergangen» heit frei gesprochen, für die Zukunft verwarnt, behielt seine Titel und bezahlte die Kosten. 4. Hallwachs, der die armen Waisenknaben um das Desperbrot zu betrügen nicht anstand, wurde Lande-verwiesen, ebenso Bühler und Metz. Sie waren ja keine Juden. 5. Der Cassirer Salomo Jacob Levi, welcher trotz 50 Stockschlägen den Verbleib eines von ihm über die Seite geschafften Packetes werthvoller Papiere nicht angab, brach gewaltsam aus seinem Gefängnisse und entfloh. 6. Auch der Secrarair Firngranz machte sich unsichtbar. So aber predigte der Pfarrer Conrad Rieger am Sonntage vor Süßen'- Hinrichtung: „Gute Arbeit gibt herrlichen Lohn." Auf allen Straßen schwatzt Jung und Alt von Süßen'- Hinrichtung, warum nicht auch auf der Kanzel? Mit dem Plaudern, den Ur» theilen, den vermengten Affekten ist Nichtkausgerichtet. Rührt Euch seine Noch nicht und daß er die Mittel seiner geistlichen Errettung, von sich gewiesen? Habt Ihr ein Vaterunser für ihn gebetet? (Am folgenden Tag« war große Betstunde). Um den Abend wird e- Licht werden! (Süß starb aber lieber in der Finsterniß!!) Wir müssen ihn bedauern und Hallelujah singen, baß wir von diesem Teufel befreit sind. Unter Euch sind Manche, die von seiner Sünden Gemeinschaft nicht rein sind. Beugt Euch vor Gott, vor seiner Hoheit, denn von Ihm kommt Glück und Ehre. Ihr habt Süß über Gott gefürchtet, ne noceret (damit er nicht schade). Jehu war Josaphat döse, weil er mit Ahab einen Bund gemacht! So habe.ich dem Leser ein düsteres Bild jener Tage in treuen Farben vorgeführt. M'ine Hieroglyphenschrift hat zwar manche Mißtöne in Druckfehlern hervo^g,bracht, doch wird dieser Uebelstand dem Ganzen keinen Eintrag thun. Gott zum Gruß, lieber Leser, und immer bessere Tage und Zeiten für Israel!! Ein Bild des gegenwärtigen Jerusasem's. (Schluß.) Bei weitem weniger anmuthig ist, w'e in allen Städten des Süden-, da- Innere. Die Straßen sind eng, abschüs» sig und vielfach gebrochen, schlecht oder gar nicht ge: flastert, voll Unrath und schädige Hund,. Häufig geht ma t durch dunkle, dumpfige tKellergewölbe, oft an Trümmem lustiger Prachtbauten vorüber, auf denen Gras, Gesträuch' und plumper Kaktus wuchert. Statt unsrer hellen Fenstei scheibea sehen aus den Mauern die unregelmäßig vertheilten Liner» kästen der Maschrebijeh herab, welche die Häuser wie < lefäag» Nisse erscheinen lassen. Schmale niedrige Thüren machen den Eindruck des Gedrückten und Gebückten. Berr ücherte Kaffeeschenken, düstre Basar- und Sackgassen, stcllartige Erdgeschosse, in denen melancholisch« Pferbemühlen narren oder Kinderschulen ihre Lecrion murmeln, der Marge! an geräumigen Plätzen, die Einsamkeit der Straßen, welche nicht zu den Hauptdurchgängen gehören, vollend«» das trübselige Bild der Stadt, di« ohnedies, wie all! diese Städte mit ungerünchten Mauern und flachen D ichern, auf das abendländische Auge wie eine große Ruine wirkt. Noch übler aldem Auge, welcheüber die fahl« Farbe und die schöne Gestalt der Wohnungen durch die bunte Tracht, daS wimmelnd« Roth, Weiß, Blau unh!Scann de- Gedränges auf den belebtem Gassen getröstet wird, ergeht eS dem Geruchssinn. Nimm einen Pfecdest« ll, an den ein Ziegenstall stößt, und an dem ein langsamer Wind di, Gerüche eine» Gewürzkrams vordeiweht, wirf ein T utzend Orangen, einen Kord voll alte Wäsche und einen vere »deten Hund ober Esel hinzu, kläre da-Gebräu mit einem Otthoft von Knoblauchsgeist ab und blas zum Schluß eine Oel ampe darüber aus, so hast du Eau de Jerusalem. Eine Dosis Kellerdumpfheit und der Odem eines alten Röh trogmachen'« noch natürlicher. ES ist war, der Schutt und Kehricht wird gelegt ntlich weggeschafft, aber nur wenn ein ausdrücklicher Befe! l des 4*- Paschaunter Androhung eine- Piaster- Strafe fürljedes Pfund Unrath, welchedie Kawaffen finden, dies be rehlt, und Pascha Sureyah ist auch nur ein Orientale Geruchsnervm und Ordnungssinn. Er befiehlt es man sagt, nur dann, wenn er Strafgelder braucht. Im Jnnem der Häuser sieht es besser aus. orientalische Haus ist eine in sich gekehrte Natur, des Haremgeheimnisses wegm. Man trifft in den Höfe« bisweilen noch Spuren de» altsarazmifchen Wohlgef« llens aa architektonischem Schmuck, hübsche Säulen und Ri Die Keinen freundlichen Gärten mit Lauben und Spring bcunnen aber, welch«!m Rücken der Häuser von kairo grünen, sucht man hier, da es am nöthigen Wasser ehlt, vergeblich. Nur der preußisch« Coasul har di« Müh« und die Kosten nicht gescheut, welch« die Pflege solcher An agen erfordert. Dafür lohnte» ihm aber auch di« Dryaden mit Granatblüthen, Orangenduft, zwei stattlichen Cypressen und einer Fülle von Blumen und Traubm. Die belebtesten Gassm sind die Suks oder B< sare, welche meist überwölbt sind, dann die, welche zum Da nas» kusthor führt, und di« Christenstraße, welche, die Stadt etwa in der Mitte von Westen nach Osten durchschnei! «nd, in ziemlich gerader Richtung vom Jaffathor nach dem Haram hinläufr. Jerusalem zerfällt in vier Haret oder ohne wie Daschon

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