Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 9 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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36 Quartiere, die nach den Confessionen benannt werden, indeß ohne daß jetzt die Bekenner deS einen Glaubens noch gehindect waren, sich im Bereich der Andersgläubigen an;usiedeln. Diese Quartiere sind: damohammedanische, welchedie ganze Osthälfte Jerusalems umfaßt, in dem aber auch viele Christen und Juden wohnen; da- Christenviertel, welches die nordwestliche Ecke der Stadl cinnimmt; ferner daarmenische Quartier im Südwesten, endlich das Harrt El Jahud, im Süden zwischen den Armeniern. und den Mohammedanern. Im mohammedanischen Viertel liegen: der alte Tempelplatz, jetzt Haram Esch Scherif, das fürstliche Heiligthum, genannt die sogenannte Bia Dolorosa-, der Teich Bethesda und die Kaserne, neben welcher der Pascha seine Amtswohnung bat; im christlichen: die Gcabeskirche, der HiSkiaSleich, die Wohnungen des evangelischen Bischofs, deS lateinischen und deS griechischen Patriarchen und daS Salvatorkloster; im armenischen die Citabelle, eine zweite Kaserne, die protestantische Kirche und da- JakobSklosier, in welchem der Bischof de^Armeniec residirt. Das Judenquacticr zeichnet sich dur» eine große schöne Synagoge, die indeß noch unvollendet ist, und, wie zu erwarten, durch besonderpenetranten Gossen- und KnodlauchSduft auS. Tkore besitzt Jerusalem sieden, doch sind davon gegenwärtig nur vier offen. Erklärung. Zufällig kam mir eben Nr. 2 vom zweiten Jahrgange deS bei unS nicht vorhandenen Hauii-Iiiz zu Gesicht, in der sich ein Actikelchen einegewißen Herrn RosentKal aus Fciedrichsiadt befindet. Dieser amicus vcrüalU fühlt sich von seiner ungestümen Wahrheitsliebe dazzr.gedrängt, dem lesenden Publikum mitzutheilen. daß der im jüd. Lb. vorigen Jahrganges Nr. 31—34 erschienene Aufsatz über MonkrfioreS Aufenthalt in Wilna eine wörtliche Uebersetzung eineim Drucke nicht erschienenen BriefedeS seligen M. A. Günzdurg sei, den der Berfaffer benutzt ohne ihn zu nennen. Ist gleich der Aufsatz im VolkSdlatte anonyiv erschienen, so gibt doch Herr R. vor, den eigentlichen Verfasser zu kennen, auf den er, in unklarer Anwendung, den Spruch N'eep zzs 2’’« deutet. Um den gedachftn Herrn vor etwaigem Jrrlhum zu schützen, trage ich kein Bedenken, mich hier al- Verfasser gedachten Artikelzu nennen und wundert eS mich nur, daß Herr R., bevor er zur Veröffentlichung seiner wichtigen Bemerkung über meinen Aufsatz schritt, nicht erst sich die Mühe nahm, meine Vorbemerkung vor demselben burchzulefen. Am Schlüsse derselben gebe ich selbst die Quellen an.-^uS denen ich meine Nachrichten geschöpft, und hätte ich, glaube ich, keine Ursache auch die von Herrn Dt. angegebene zu verschweigen, wenn ich von deren Existenz nur im Mindesten vemommen hatte. Die dort von mir gedachten schriftlichen Mittheilungen bezeichnen allerdings nicht den von Herrn Rosenthal gedachten Brief, sondern sind Zuschriften von meinen geehrten Freunden, den Herren W. Tugendhold, S. I. Zinn und A. B. Lebensohn, sammrlich noch zu Wilna lebend und selbst Theilnehmer der Feierlichkeiten bei der Anwesenheit Sir MontefioreS zu Wilna. Und wenn Herr R. den Verfasser wirklich kennt, so mußte er doch wissen, daß ich, selbst zu Wilna geboren und aufcrzogen und zur Zeit der Anwesenheit MontefioreS bereitin einem Alter von Id Jahren, von all den beschriebenen Vorfällen selbst Augenzeuge gewesen war. Herr Rosenlhal mag demnach einsehen, daß er der Wahrheit, auf die er sich so pathetisch bezieht, gar keinen Dienst geleistet hat. Schaulen, 15. Januar 1862. L» on Gordon. Kuriosa. Unter der Aufschrift „W i e si ch d i,e Z e i t e n a n d e r n!" geht jetzt folgende Notiz durch die Zeitungen: „Im Jahre 1524 ist in Leipzig an dem Buchhändler Hergolt auf Befehl des Herzogs Georg von Sachsen eine Hinrichtung vollzogen worden, weil er die Bibel verkauft hatte. Einem andern Bidelverkäufer wurden die Augen auSgestochen. Gegenwärtig arbeiten an der Verbreitung unter Christen und Nichtchriften nicht weniger als 5000 Gesellschaften. Wie der „Kirchliche Anzeiger" berichtet, giebt eS jetzt 32 Mill. Bibeln in 200 verschiedenen Sprachen, während man noch vor 50 Jahren nur 4 Mill. in 50 Sprachen gezählt hat." Wir stellen dieser Notiz eine andere uns ] mitgetheille gegenüber, der wir im Gegensatz zu obiger Aufschrift lieber daS Motto geben möchten: „Bei uns > dleibtA tteS beim Alten!" Dafür sorgt di« „Allein-! seligmachende!" „Es ist gewiß eine Schmach für; unser 19. Jahrhundert und feine vielgerühmte Civilisation, eia ArmuthSzeugniß für den gegenseitigen Einfluß vernünf- ' tiger Gesetzgebungen auf einander, wenn in Spanien zwei! Männer wegen Ausübung des protestantischen Cultus und ’ Co lportage von Bibeln zu mehrjähriger Galeerenstcafe heute noch verurthrilt werden können. Aber einschneidender noch, alle Fasern eines menschlichen Gemüthes empö- ' rend, ist doch der Vorgang in Wien, wonach die an Einem Tage gestorbenen Zwillinge eines in gemischter Ehe lebenden jungen Ehepaaretrotz aller Bemühungen der Eltern getrennt und auf verschiedenen Begräbnißplätzen beerdigt ' werden mußten, weil — das Concordat die Beerdigung des protestantischen Brudermit dem katholischen Schwesterchen nicht erlaubt. (DidaSkalia). Allgemein« Zeitung des Jud'enthum». No. 6. 1862. Leitende Artikel: Der Uebertrilt zum Judenthume.— Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Hannover. Preußen: Stettin, Magdeburg,Königsberg,Öttweiler, au» der Grafschaft Mark. Oesterreichi scher Laiserstaat: Agram, Wien, au» Südungarn, Wien. Rußland: Mitau, Schauleo. Holland: Rotterdam. Türkei: Koostantiaepel. Nordamerika: AuS Nordamerikayy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich y* Thaler. Verantwortlicher Redacteur St. Nabe. Bertaeen B«N«girrner'» Bnckbanttnng in Leipzig. — Truck een G. Step fing in Leipzig.