Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 9 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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Herzenslust, nach seiner Hoheit, seinem Reichthum und seiner Klugheit zugenommen hatte. Er ist genannt worden Joseph Süß. Ec war beim Fürsten Carl Alexander sehr mächtig, seine Macht und Herrlichkeit hat täglich zugenommen. Diesen Tag aber, alodgemeldeter Herzog gestorben ist, gleich in derselben Nacht hat man auf herrschaftlichen Befehl den Süß gefangen genommen und ihm eiserne Kelten angelegt. Ec dar in der Gefangenschaft auf der großen Festung Hohen-Asperg unter der Wacht von Sol. baten eilf Monate zugedracht. Nun ist in. der ganzen Welt sein Lebenslauf gegen Gott und Menschen bekannt, 1 aber die Zeit seines Gerichtstages und seines Ausgangs aus der Welt muß man zuerst kundmachen, und seinen Namen bekannt machen, daß ec genannt werde unter allen ' Jüdischen Gemeinden. Der Heilige „Joseph Süß, des seligen Rabbi Jsachar Süßkind Oppenheim Sohn" und seine Seele ist ausgegangen auf den heiligen Namen Gottes i mit dem Wortt „Echod". Es soll darum sein, Seele 1 lm Gau Eden mir andern Frommen und Bußfertigen ruhen. Und wegen deS guten Werkes, baß er im völligen Glauben verschieden ist und eine herzliche Reue über seine! begangenen Sünden gehabt hat, sollen weder wir noch andere Juden seiner, bis unser MesstaS kommen wird, zum Bösen gedenken. Erstlich auf der Festung Asperg seit dem Neujahr 498 biS auf den großen Gerichtstag hat er nur Angstbrot und wenig Wasser der Trübsal ohne andere Lebensmittel genossen, zweitens hat er täglich bis gegen > Abend, auch bis dato wöchentlich 2 odep 3 Tage gefaster. Vergangenen Peßach har er nur Wasser und rothe Rüben, nichts anderes genossen. Die Ursache aber hat der vollkommen gerechte Mann erst vor seinem Tode offenbart, und kann sie sich jeder vernünftige Mensch erklären. Seine Aufführung im Gefängnisse war fast unglaublich. Am 3l. Januar ist er unter einer EScorte Soldaten von 200 Mann mir aufgesteckten Bajonetten und gespanntem Hahn - unter dem Zulauf einer unglaublichen Menge Volkes hereingeliefert und auf das Herrenhaus auf dem Markte, wo man alle Verbrecher logirt, gebracht, und mit einer Bewachung von 20 Mann, und einigen Ofsicieren verwahrt worden. Allein das Einführen in dieses LogiS ist dem - Tode ähnlich gewesen. An diesem Tage verlangte ec NichrS zu essen und zu trinken, nur Thee. Am Vorabend des heiligen SabbathS, an welchem man . die Sektion Beschalach liest, hat man ihm den Tod angekündigt und das Leben abgesagt. Gleich darauf sind die Cumacien (eigentlich Kahlköpfe, Gvtzenpriester) in sein Zimmer gekommen und wollten ihn von. seinem Glauben abwendig machen. Darauf ist der Selige und Heilige . vor die Cumarien getreten, mit aufgehobenen Händen zu ihren Füßen gefallen und hat mit der größten Ehrerbietung gesagt.' „Ihr Herren, was Ihr Euch vielleicht eiabildet, von mir zu erlangen, so bitte ich, spart Eure Reden. Begebt Euch vielmehr in,Eure Häuser zurück und stört , mich nicht in meiner Andacht, weil ich nicht viel Zeit mehr übrig habe, mich mit meinem Gotte auszusohnea." DaS ist auch geschehen. Am Soantag darauf hat er ein Gebetbuch und andere Bücher verlangt (Tephillah von Rabbi Michel und Tickon Chazüth Lajela), welche man ihm auch zufchickte. Er legte" die große Beichte ab und betete zu dem gebene» beiten Gott mit tiefer Rührung. Rach dem Gebete v^- langte er den Besuch von Rabbi Mordechai Schloß, dem Kozin und andern Juden, was ihm auch von der gnädigen Herrschaft zugesagt wurde. Sobald er den Schloß ersehen, fiel er ihm um den HalS und weinte sehr. Und waS die Beiden gesprochen, daS bleibt heimlich, doch wollen wir wünschen, einen Theil mir Rabbi Mordechai zu haben. Was die Beiden weiter über die Ursache seines Todes gesprochen, ist mir verboten mitzutheilen, ist aber leicht zu errathen, doch bleibt der Grund bei mir verborgen. Aufrichtig kann ich sagen, daß man nicht genug Federn und Tinte haben kann, seinen Abschied von dieser Welt und die große Bekümmernlß seines Herzens zu beschreiben. ES ist in langer Zeit kein solcher Heiliger in der Welt gewesen, wie er. — Sein letztes Testament ist von den Secretarien und andern deistehenden Leuten, als mir (der Schreiber ist demnach der Schlächter Seligmann), dem Kozin Schloß, den Officieren und andern Gegenwärtigen unterschrieben worden, wird auch zu seiner Ehre gehalten werden. Darin har sich der heilige Mann von allem Seinigen 3000 Gulden auSgebeten. Davon hat er etwas an die Cumarien vermacht, das Meiste aber an die Synagogen, daß Rabbiner für ihn lernen und ein ganzes Jahr für ihn ein Licht brennen lassen. In Summa, ich bin nicht im Stande, Alles zu beschreiben. Mutter, Bruder und Schwester hat er darin auchbedacht und ist bei seinem völligen Verstände unveränderlich geblieben. Auch hat er den Rabbi Mordechai Schloß, auch Nathan genannt, gebeten, nach seinem Tode an alle heiligen Synagogen zu schreiben, daß man seiner reinen Seele nicht schimpflich (behüte Gott!) Nachreden sollte, sondern die,Welk wissen lassen, Daß er auf die Verherlkchung deS Namen» Gottes gestorben sei. Ec befürchtete auch, eS möchte ferner hier (behüte Gott!) über die Juden kommen; doch ist mit Gottes Hilfe Alle« wohl abgelaufen, und statt daß man gemeint hat, Verfolgung zu leiden, ist gerade daS Gegentheil erfolgt, wir haben — unberufen — Frieden hier genossen. Künftig, so Gott will, ein Mehrere». Seine Seele ist unter den Worten vreiD' vwa auSgegangen. Bis zum Käfig hinauf hat er 52 Sprossen gehabt und auf jeder hat ec gerufen: Adonai hu Elohim. In Summa, wer kann genug seinen Ruhm erzählen. Heule soll der?. (bedeutet, daß dieser den Galgen verdiene) Hallwach» noch eiugeliefert werden, und wird man scharf mit ihm verfahren. E» har auch der fromme und heilige Joseph Süß — sein Andenken fei gesegnet — wirklich vor seinem Tode befohlen, man solle überall an die Juden seinen Tod berichten, damit sie keine Hoffahrt dort treiben. Der gelobt« Gott soll ganz Israel weiter leben lassen, bi» der Messias kommt. Amen!! — Biele Gemeinden, wie Fürth, verbreiteten die Schrift, andere, wie Frankfurt am Main, unterdrückten sie. Da» Süß'fche Testament, auf welche» darin Bezug genommm wird, lautet in seines Hauptstellen also: 1. Ich vermache d?n Synagogen zu Frankfurt am Main und Heidelberg 3000 Thlr. 2. Dem Firagrchrz 1000 Fl. und ein Bett, e» ist sein verdienter Lohn, ich'bedauerr, daß der Mensch durch mich unglücklich geworden ist. 3. An Leinung in Frankfurt ist Alle» zu verabfolgen, wa» er verlangt, er ist eia frommer Christ und hat mich niemals um einen Kreuzer gebracht.