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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 9 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
9 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches VolÄblütt. Zur Nesehruilg und Anterhatlung auf Herausgegeben' vou Rabbiner vr. Ludwig PhiliPPson in M , | Bon dieser Znrftbritr er<ch«i«t wöchenilich ri«r Nummer. Pro I wn U jXhA : gang* l Tdtr. tfimtljibrig 7 V. Slgt. Alle Buchhanklun,r>:n Lv'v* v* “*J . unb Arimngserpctikiönen nehme» Beftell»ngen an jüdischem ZeKiele gdeburg. [9. I.illrg. 1. Ijuirtal.] Joseph Süß Oppenheimer genannt Iud Küß. Don RechtSanwal^ vr. Calni in Bcrnkurg. . cschluß.i . So war denn endlich der Tag des Gerichtes herangekommen. Dienstag, asn -tken Februar 1738 wurde das hochnorhpeinliche HalSgericht gehegt. Ein wahrer Schatten einer Menschengestalt wurde Süß vor seine Richter geschleppt. Hier wurde ihm das lftrheil feierlich eröffnet, der Stad über ihn gebrochen. Fußfällig bat er um Gnade, die ihm nicht ward noch, werden konnte. Darauf klagte er die Richter der Ungerechtigkjit an und forderte sie vor Gott, um Rechenschaft von sijinem Blute zu geben. Man, ließ ihm den Mund zuhalten -und nach dem Herrenbause zürücktranSportiren. Wieder muß ihn das Milirair vor Insulten beschützen. Denn schon früh am Morgen waren die Trommeln gerührt, die Milizen aufmarschirr, und schadenfroh stand das Bolk dichtgedrängt in allen Gassen. Unter den Menschen, die daS traurige Jammerbild zurückwanken sahen nach seinem Gefängnisse, waren Prinzen und Grafen, Freiherren und Generäle. Die Henkersknechte führten idn in eine besondere Stube, wo die letzte Mahlzeit aufgetischt war (VitieleoUstiuii). Er rührte Nichts an, er aß und trank Nicht«. Die Henker ergehen sich in rohen Spaßen und duzen ihn. „Auf, Bruder wir wollen weiter", ruft ihm der jüngste zu und schlägt ihn dabei auf die Schulter. Mehr als diese rohen Gesellen quälen ihn Hoffmann und Heller mit BekehrungSversuchen. Der Galgenreife sollts Christ werben. Wie früher hält er sich di« Ohren zu, aber sie fahren in ihren langweiligen Litaneien fort. Man bringt ihn durch Reihen Soldaten zur Treppe herunter und setzt ihn auf den Schinderkarren. Er trug ein verblaßtes, zerfetztes Scharlachkleid mit Sammt besetzt, weiße Strümpfe, Perrückt und Zopf. Gebunden ward er auf die ungehobelten. mir Stroh bedeckten Bretter gefetzt, recht« und links die Henker mit Weinkrügen in der Hand, aus denen sie tüchtig zechen. Ein blinder Gaul zieht den Karren. Garde und Bürgerwachen tteibea den fluchenden Pöbel auS der Stadt nach dem Richtplatze zu. Langsam bewegt sich das Fuhrwerk, Tausende gaffen mitleidslos auS den Fenster» und von den Dächern zu. Die Henker trinken auf die Gesundheit des. dem Tod« Geweihten. Unfern Canstatt stand der eiserne Galgen. Georg Honauer auS Olmütz in Mahren hatte dem Herzog Friedrich von Würtemberg aus 36 Centner und 18 Pfund Eisen Gold machen wollen, und daraus hatte der betrogene Fürs' einen Galgen errichten lassen „schön rvth ang,strichen, m t Gold geziert, 18 Sb uh hoch, auf einem Werk von gen altigen Quadersteinen, S Schuh breit, 24 Schuh hoch, in »elches 3 Centn,r Blei eingegossen waren." „Der Galgen' wog 25 Cenrner unk hat gekostet 3000 Oberländische G rlden." Im Jahre 15!>7-wurde der Alchpmist, nachdem ihm die beiden Finger i bgehauen.waren, ,^in einem ganz g ildenen Händelkleid und Hut, Schuh und Febern aufgehängt " Auf dem eisernen G lgen stand nämlich noch ein anderer halber Galgen, 13 S huh hoch, gleich einer Windfahne unl hieran hing rin eisen er Käfig. Bei diesem Denkmale fürstlicher Dummheit, wi es Pfau nennt, hielt der Karren, v n einer militqirischen Bedeckung begleitet. Kein Jude war Süßen beigeaeben, aber am Fuße des Galgens standen wikder die Proselytenmacher, dieses Mal sogar ein Katholischer. Selbst katholisch sterbenwäre er ja seliger gewesen. Aaf dem ganzen Weg« batte Süß gebetet, hier sollte er zu (ihristus beten. „Ich lebe als Jude und sterbe als Jud> " war seine Antwort. Immer von neuem probiren -sie ihr r Kunstin Gegenwart der exucurionsharrmden Menge von 12, >0vZuschauern. Da AUeS nichthilft, ruft Einer vv > ihnen entrüstet und betrübt: „So fahr' dmn hin und sieh, in welchen Du gestochen.*' Man legt ihm den Stt. ng um den Hals, zwei Henker fassen ihn. an den Armen, wei an den Füßen und schleppen ihn die Leiter Hinauf. Ur trrwegS fällt feine Mütze, aber immer ruft er laut, wie < uf dem Wege: Adaunoj Elauhim, Echod Adaunoj. De Pöbel unten lacht, denn sie verstehen: Au! net do min oder Js ner allein. Ein Handlanger steigt aaf einer L r'ter an der Seite hinauf und läßt den Scharfrichter den ii i Käfig an einem Wirbel - hängenden Haken erfassen, de, Sttick wird eingehängt. und mit den Worten „Spzmg Jude" wird Süß hineiagestoßen. Er starb mit dem Sehe nagedet unter dem Schweigen des DolkeS, ein Opfer des Fano kisMuS. Die Juden zitterten, und doch fürchtete man, sie würde» Süßen- Leiche stehlen und ließ den Galgen bl wachen. Sein trauriger Tod erweckte bei seinen Glavbens zenossen Mitleid und viele Jahre noch wurde der 4te Febraar als Fasttag in manchen Gemeinden begangen. Und so chrieben über.ihn die Juden (in hebräischer Sprache): t Relation . egen des Seokigen Joseph« Süßen Ai von der Welt. iss», daß ein Mann kn der Stadl Stuttgart In ■ schied Wür. •MV •“* -'»“*••• »*• '-'**“*3““ •» »berger Laad gewesen ist, welcher gar sehr na) seiner

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