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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 8 (1862) · p. Seite 30

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
8 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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verehrung-würdigen Publicum in der Tbernkirhe auffükrte, zu ernem würdigen Abschlüsse gelange — so setzten ArchidiaeonuS Hoffmann und Heller dem jüdischen Erministcr mir salbungsvollen Bekehrung-Versuchen zu, hörten damil bis zum letzten Alhemzuge des Delinquenrew nicht auf und priesen eals gottgefällige- Werk, daß sse den zum Skelett abgema^crr.n Mann bis <ur Verzweiflung getrieben Karren. Wann wird es der Wissenschaft gelingen, diese Pestbeule der menschlichen Gesellschaft au-zurorren — den Fan.ni-mu-! Auch jüdische Pfaffen handelten einst nicht besser, als sie M.nmonideS Werke rachgierig den Flammen opferten und Spinoza aus der Synagoge drängten, Spinoza, der ein« ganze Legion von Rabbinern aufwiegr. Ueberall dasselbe Thema — nur mir andern Variationen! — — Ueder 8 Monate, saß Oppenheimer auf Hohen-Asperg, bann wurde er am 30. Januar 1738 Mittags 1 Uhr unter E-corte in offener Chaise nach Stuttgqrt in- Herrenhaus gebracht. Man hakt« schon kurz nach seiner Verhaftung sein gesammteS Vermögen connScirl und war bereitam 13. Decemder 1737. nachdem die Landschaft unter ihre Äravamina und DesiScria „eine nachdrückliche Inter» eeffion voy den Juden Süß, ihm die Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen" ausgenommen hatte,zu demUrtheil gelangt: „daß I. Süß Oppenheimer wegen Amtserschleichung, Betrug-, Majestal-oerbrechenim engecn Sinne und Hochverraths zum Tobe zu dringen fei." Seine Richter waren: Geheimrath von Gaisberg, al- Präsident, GrheimratK Pflug, bi« Professoren Harpprecht und Schröpf von Tübingen, die Rärhe Fader, Daun, Ren;, Zager und Assessor Bardili al- Beisitzer, Gabler war. Schriftführer. Vergeblich darre Harpprecht monier, daß man nach der Peinlichen Halsordnung nicht auf die Todesstrafe . ankragen könne — da- Einzige waS er erzielte, war, daß man von einer geschärften TobeSart absah. „Thut Nicht-, der Jude wird verbrannt." AlS Süß von Hohen-Asperg abgeholt wurde, war sein TodeSurtheil in Stuttgart bekannt, nicht minder wußte man, baß der Delinquent versucht batte, durch Hunger, Gift, Abreißen feiner Nägel sich zu tobten, daß er wöchentlich gefastet hatte, daß er durch die plötzliche Aenderung seine- Schicksalin tiefster Seele zerknirscht war. Ader man tann^. kein Mitleid, der aufgehetzte Pöbel empfing den Unglücklichen, dem Tode ungerechterweise Geweihten mit noch ärgern Epcessen, alheim ersten Tran-port. Der Lande-administrator, Herzog Carl. Rudolph von Würtemberg- Neustadt, der Vormund dekaum zehnjährigen Erbprinzen Carl Eugen, hatte da- TodeSurtheil in folgender Weise bestätigt: „Gleichwie Serenissimus Sich in dem Gewissen verbunden erachten, der von Gott Ihnen anvectrauten Justiz und Macht vor den Augen der Auswärtigen, als. dieseganzen HerzogthumS und Landen darzulegen, mit welchem höchst gerechten Eifer Höchstdiefelbe Sie an Herren und Leuten verübte vervammliche Mißhandlungen an de- Juden Joseph Eüß Oppenheimer Person abstraffea — alist Höchstberofelben unabänderlicher Will und Meinung, baß besagter Jnquisit Jude Joseph Eüß Oppenheimer ihm zu wohl verdienten Straff, jedermänniglich aber zum abscheulichen Erempel an dem ödem eisernen Galgen mit dem Strange vom Leben zum Tod« gebracht «erden solle, so wie denn Serenissimus dem in causa (zu diesem Proz.sse) verordneten jmlii-io criiuinali (Criminalgericht) hierunter, ni« auch i|uoad hhmIuiu cxigendi (über die Art der Hinrict lung) da- Weitere dercil-z»erKcscr'plum (durch Rescript) inü.nirrn (millheilen) lassen. Decrekum, Stuttgart den 2ö. Januar 1738. Carl Rudolph. Freitag, am 31. Januar, Nachmittag- 4 Uhr wurde «ine Deputation an Süß abgefandt, die ihm bi- Dienstag den Tob ankündigte. Man hatte die Güte, ihm sagen zu lassen: „Wolle er Christ werden, so wolle man ihm einen Geistlichen schicken — aber nur bei Gott sei Gnade." Wie auf dem Hohen-Asperg verdat er sich die Geistlichen — aber vergeh.ich. Wie dort traten sie bei ihm ein, wie dort kamen sie trotz fußfälligen Dillenwieder. Wie dort, höhnte er sie, glaubensstark, allen Ceremonieen ergeben. „Ec fei mit Gocr versöhnt, er wolle von ihrem Messias Nichtwissen, sondern Jude sein und dr.iben und könnte er Römischer Kaiser werden. Ein Gefangener müsse seine Religion nicht ändern." „Uedrigcns erbitte er sich einen evangelischen und einen protestantischen Geistlichen." „2^rum6" Damit sie Beide der Cominiffien sagen könnten^ 'daß keiner von ihnen in den Himmel käme, daß sie ihm Unrecht thälen." Wie der Arme während seiner Detenlion auf dem Hecrenhause von dem getauften Juden Bernard noch gequält wurde, soll, weiter unten referirt werden. Jetzt wollen wir über seine fcühern Verhöre etwas nachholen. „Er fei Jude und habe die Religion eineehrlichen Manne-. Er habe nicht gewußt, daß ewider die ReichSunb LanoeSconstitution und ein Verbrechen sei, daß man einen Juden zum Finanz- und L«garion-rath mache. Er bitte es sich zu Gnade au-, nur Gott und dem Herzog zu erkennen zu geben, wie die Inquisition gegen ihn geführt sei, hier aber schweigen zu dürfen. Genug der Angst habe er schon-au-gestanden und überlasse Jedem, woran ihn Gott und sein Gewissen erinnere. Er habe de-hald so viel beim Herzoge gegolten, weil er die Geschäfte in die Wege hatte richten können, wenn e» auch auf Millionen angekommcn sei, und weil .er sich in d,S Herzog- Humor geschickt habe. Er habe sich nicht in die Religion-fachen gemischt. Er : habe fein Adsolurormm für genügend^erachlet, da er ja > zu allen seinen Handlungen befehligt worden sei, er habe sich in den letztecn sicher gewußt." Seine Antworten waren oft trotzig und ironisch, so daß «r kreuzweise geschlossen wurde, mit Wasser und Brot sich begnügen mußte. Hierbei sei sogleich erwähnt, daß Süß, der -sich in seinen glücklichen Tagen so oft einen Voloatair in der Religion genannt harre auf Hotxn- Asperg und ' später streng religiös lebte, nur Brot, Eier und dergleichen qß. „Nehme ich mir einen Jüdischen Koch", hatte er gesagt, „so weiß ich, wadas für Vögel sind, und nehme ich eine Jüdische Köchin, so wird man mir Ueble« Nachreden." Es war ihm auch ein recht-gelehrter Vertheidigee beigeordner worden, der eine Schutzschrift für ihn eiagereicht hatte. In dieser war hervorgehoben, daß Süß nur nach fürstlichen Befehlen gehandelt, daß bi« Lande»- collegien seine Vorschläge gebilligt, daß die Absolution vom 12. Kebr. 1737 nicht erschlichen, durch die Wöchentlichen Anzeiger vielmehr bekannt gemacht sei, baß er 400,000 Gulden

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