Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 8 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Retehruug ünh llntcröaftung auf jüdischem ZeKiele. von HerauSgegeber Radbincr vr. Ludwig Philippsoll in Magdeburg. sSio. 8. 1862.j!Bea dieser 3tiif<fetif( erscheint wöchentlich ei i gang» 1 Thlr. S'itrtdjaVrifl 7!4 Vigr. 9U< »uv Zri»ung«eko«riiivnen nehmet! Nummer. Preih de» Jahr» Buchdaad wogen, BefteUungeir an. ^9. ZnKrg. 1. Qua :ta!.] Joseph Snß Oppenheimer genannt ^ud Küß. Von Rechtsanwalt I)r. Calm in Bcrnburg. " i^onsctzung.i Noch eine Woche vor dem Tode des Herzogs halle Süß ein großes EarnevalSf.st veranstalte^/ wo nach dem Festmahle von Personen aus bürgerlichen und hohen Starrden eine Bauernhochzeit aufgeführr wurde und in den prächtig arrangirlen Sälen lauter Jubel ertönte. Damals Hane sein lriumphicender ^lick nur einige Mißvergnügte zu schauen. Wie schnell harr« sich diese-Kiruatioa geändert! Die Nachricht vom Tode des Herzoge beseitigte alle Furcht, das langjährige Alpdrücken wich, bell gluhre die Rache des Volkes auf, die Pietisten brachen in laute» Frohlocken aus. Am Montage war Suß seinem Herrn nachgeritten, bereit» am folgenden Tage degad er sich von Luowigsburg nach Stultgarl, um der Herzogin Willwe die Trauerbotschaft zu hinrccvringen. Wirklich war er auch der Erste, welcher ihr am Schlosse vor dein Prinzendaue die erforderliche Meldung avstalrere. Ec wollte in sein HauS zurückkehren, wahrscheinlich um-die Flucht vorzuberritcn, aver wi, sein Schalten war ihm der Oderstburggraf und Ooerstallmeister von Röder gefolgt, hielt ihsi fest und verhaftete ihn. „Er richtet seine Sache ai« ein Courier der Trauer au» Und wollte wieder in sein Hau», Drauf schrie der Herr von Röder: Hall! o»r streb emreeter!" Süß protestirte und drohte, er frug nach der Haftordre, die in Wirklichkeit auch gar nicht cxistirte — aber man hakte ihn schon auf die Wache lransportirt, von dort nach Haus« über die Straßen escorkilt und in seinem Hause Arrest gegeben. Hier wurde ihm Stock und Degen abgenommen, er wurde bis aufs Hemd untersucht uao feiner Juwelen beraubt. Der Geheimrath genehmigte später alle diese Maßregeln. Und oun ging mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung die Hetzjagd^gegen dl« Juden loS. Vornehmer und niederer Pöbel betheillgte sich dabei. Man trieb die geängsteten Juden aus ihren Hausern und durch die Gassen, man stöberte sie in ihren Verstecken auf, man schleppte sie auf die Hauplwache und hänselte sie dort,' sperrte sie hinter einen heißen Ofen, schlug sie, nahm ihnen das Geld ab, rieb^ihnen die Zähnemit Speck ein, ließ sie entwischen und fing sie wieder auf, bis man sie mit Ausnahme einiger zur Crimlnalhafr abgefuhrten Individuen in Freiheit setzfe. Und diese Armest hatten nie mir Süß sympathisirt, »mige von ihnen Haller den Mächtigen oft urd laut verw urscht. Bfn den unfläkt igen Jubelgedichren jener Tage charrtleri sirfn manche V^tse, deren Wiedergabe die Rücksichß daß Anstandsgesihl der Leser allenfalls gestattet, bi§ haßgefchwän rne Stimmung beS Volkes. Ich sie v UN an, um ein dr> stischesBiloo.S weitern Hergang« zu auf recht führe leben. : i t: „Drum soll im ganzen Land nnm dirß Geschmeiß nicht I nlden, Die Juden -etrü^en mir und bringen die Lenk in Sch» lvru.' ichel: „Die kriltichasl hak schon geklagt, > Sie ree teil zu in Teufel gezagt. Man p lckc sie in, Tonnen, Daß sir nicht jehll die Sonnen, Mau nun sich schon bequemen, L>ie Bi gel sie aUrzunebmen. Der Herrschaft kommt da« Meist', dem Schuldner g'hSrt der Rest." „Ha! jetzt und niirnrer viel» die Juden sind verwahrt, Man lhui, wenn eu er kommk^ den selben ans den Bart"u. bergt mehr. Auch Buhler uäd HaUwachS wurden in derselben Nacht verhaftet, die Ä Zachen an den Thorerr wurden verdi ppelt. Am 18. Mär^ vurdeSiiß in Begleitung des Oder':.von Reyschack und^.'iv Manst Dragoner in einer Kursch« nach Hohen- Neuffen zebrackt., De'r"Pödel drang auf den 8 lagen ein, die Dcagoi cr mußten der eigenen Sicherheit »alder von der blanken Waffe gebrauch machen. Man fl f ihn „Mauschel", beimcf ihn mir äkoth und Steinen, rieb ihn Speckschwarten unter die Nase, und peinigte den gefai genen und gefesselten? Rann aufs Aeußerste. In Hvhen-R ruffen wurde er -dem Eommandantert v. Herdart über zeben. Am 21. Mär; t at dis UntersuchungScommission;uf«ir istren, bestehend auS der Rarhetr Fader., Daun ^und Wein: rimn. Am 25. Mär; riurde die Landschaft,^die Kollegien ur d die Unrerrhanen auf ^fordert anzugeden: „waS ihnen vor deS Juden und fein ec Compilern vielen arglistigen, go und landesverderl lichen Gewalkthaken und Streichen b. sei." Am 21. Rar; begannen die Verhöre auf Hohen- Neuffen und d merren daselbst hiS zum 8. Apri «, an welchem Tage der Jnculpar zur Vermeidung von nach dem Hohea-Asperg gebracht würbe. Hier eine schändlich«. Behandlung zu erdulden. Am quälte ihn der <änajiSmuS der zu siiner Bekehrung sandten Geistlich« n. Wie einst der Pater Brandsteti!k — ein Jesuit — in Jahre 1683 den angeblichen 9 ördrr beS Simon Ade eS zu Prag, keoi Hüfel Kurzhandt. nach allen körperlichen Foltern mit der Hölle und dem Ke< efeuer dis aufs Btur o iarterre, damit der ganze HocuSpoeui. den er mit den Üb« igen. Pfaffen vor einem hohen Ade . und tlosen > kannt . losten hotte er n eisten adge-