Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 7 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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27 Elends zu fpottu»? Mein Schalum ist todl, sage ich Dir und mit ihm alle meine Hoffnung". Erschöpft von der An» strengung, mit der sie dies« Worte gesprochen, kehrte sie zu ihrem Sitz« zurück, wo sie fast zusammensinkend ihren vorigen Platz einnahm und jn dumpfes Brüten sich verlor. „Schaue mich deffer an", flehte jetzt der junge Mann, sich ihr ganz nahend mir einrp vor innerer Rührung bebenden Stimme, „bin ich nicht derselbe, der Dich durch die Wüste geleitet? Gedenkst Du so der Schwüre, die Du mir geleistet i der stummen Zeugen, die in der Einsamkeit der Wüste unser Gelöbnißvetnommen, d^S Brunnens und des Wieselst Das Mädchen schaute auf; lange blieben ihre Augen an den Zügen. deS jungen ManneS haften, der sie zartlichst bat, mit sich, mit ihm, mir dem greisen Barer Erbarmen zu haben, sich zu, fasten und zur Besinnung zu kommen. Da schien eS, ülS verlöre sich allgemach der stumpfsinnige Ausdruck ihreS GesichlS, als wäre ein Lichtstrahl der Besinnung in iho umnachteteS Gemüth gedrungen, und die beiden Männer vereinten jetzt ihre rührenden Bitten, um die Seele des Mädchenneu zu beleben und das Dunkel ihre- Geistes zu verscheuchen. Aber noch immer hafteten stumm die Blicke deS Mädchens an dem Gesichte SchalumS, dessen Züge ihr wie m einem' Traume «inst vorgekommen zu sein schienen. Wie von einem schweren wüsten Traume erwachend, wurde in ihr eine dunkele - Erinnerung rege. Die Stimme dejungen Manne-, die einst so mächtig in ihrem Innern erklungen, aber längst darin verschollen war, wieherhallte jetzt immer mächtiger. Allgemach wich die fahle ihre- GesichlS einen, lebhaften Roth. Bei diesem Anblick ergriff Schalum freudenvoll die Hand dewiederauflebendfn Mädchen-. Bei dieser Berührung erbebte sie an allen Gliedern. Immer lichter wurde es in ihrem Gehirne, immer heller wurde ihr Bewußtsein, daß e- Schalum, der liebende Jüngling sei, der vor ihr stehe; und aleS in ihr ganz klar geworden, vermochte, sie nicht länger sich zu fasten; sie bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen und ihren 'Augen entquollen Ströme von Thränen. „Du hast lange gezögert", sagte endlich Sulamith, da- Antlitz zum Jüngling aufhebend, „lange mich hoffen und harren lassen, mir schien mein Herz erstoirben, die Welt so wüste, so leer, nie glaubte ich dich wiederzufinden." Wie schnitten diese Worte in di« Seele Schalum-, wie ein Berurtheilter stand er vor dem Mädchen, keine Worte mehr findend. „Ich habe lange gezaudert", sagte er endlich weich und innig, „aber endlich bin ich doch gekommen, Dich, Geliebte, heimzufuhren; wende nicht Dein Herz von mir, erbarme Dich mein ^nd Deine- Datei-, den Dein Schmerz so rief gebeugt." Und die Liebe, die Allgewaltige, blieb Siegerin; die Ei-rinde, die sich um da- Herz beS Mädchengelegt, schmolz vor ihrem SoNnendlicke; sie erhob sich von ihrem Sitze, und sich an den jungen Mdnn anschmiegend sagte sie hocherrölhend: „Nun, da ich Pich wieder habe, soll uns nichts in der Welt mehr trenüen, nichtsoll fürder zwischen mich und Dich, meinen Gesiebten, treten." „Die meine auf ewig", rief der junge Man« da- Mädchen innig umarmend. Der Darer stand, die Augen zum Himmel emporge, hoben. „Wunderbar sind deine Wege, Unerforschlicher", betete er leise. „Du hast mich tief gebeugt, aber in der Fülle Deiner Gnade wieder aufgerichtet, durch Jawme thälet hast Du mich geführt, ab«JDu bliebst bei mir, verwarfest mich nicht ganz." Rärhselhaft, wunderbar blieb ihm dennoch derlganze Hergang, biihm der ganze Sachverhalt vom s. Hund« Sulamithbekannt wurde. ,.O!" rief er, „hättest £ u doch mehr Zutrauen zu Deinem Baker gehabt, wie viel S chmer» zen hättest Du mkr und Din ersparet, doch," fügte r nach einer Weile zu Gott gewendet hinzu, „auch dawa Dein Wille, Dein NaMe sei gepriesen für und für!" Nun aber war auch die Reihe an Schalum zu beichte»; staunend hörten Later und Tochter, und vet, en die Wege der vergelttndea Vorsehung Gottean, t er die Treue belohnt, den Meineid bestraft. > Unter dem Einfluß der beseligenden Liebe war Sulamith in! einigen Wochen wieder neu aufgebläht; sie'! Zahlte wieder in holder Schönheit und Grazie. Die Lieb hatte auf ihren Wange« di« vorigen Rosen hervorgez mbert, usid al« sie einst mit ihrem Schalum vor den Vater hinrrat um seinen väterlichen Segen bittend, erthei te ihn der greise Priester mit gehobener andachtsvoller See! i, und schloß mir den Worten: „Möge eure späte Nachkomm« aschaft an eurem Beispiele lenttn, Liebe und Treue auf der Altären ihrer Herzen zu hegen und zu pflegen, im Lewußtfein, daß sie vor dem Throne Gotteder Schmust, die Krone demenschlichen Geschlechtsind." Eine Frage sehe ich noch auf den Lippen meisieS geneigten Leserschweben, und diese ist: Und Rachel ‘ WaS mflrb auihr l Ihre untergrabene Gesundheit konir e nicht mehr hergestrl^t werde«; sie siechte sichtdarlich hin Am liebsten weilte sie in der Nähe der Fontaine. £ srt saß sie tagelang sich in die Erinnerung vergangener Tage versinkend, bis man sie eine- Morgenhier entseelt I and. Festgruß von Arnold Lodeck. Am Todestage Moses Meudelssoins dem 4ten Januar 1862. Hört ihr ftn Alügelschlag der neuen Zeit, Wie sie den mo^schep jLau der Nacht zertrümmer? Auf den Ruifien der Vergangenheit Ein neue- Reich, da- Vketch der Freiheit, zimmert f Wer ließe diesen Klang vorüberr-uschen, Und stimmte nicht mit in den Kampfruf ein? Wer könnte diesen Glockenronen lauschen, Und träte nicht begeistert in die Reih'n? Aa, auch der Jude tritt al- Kämpe vor, tluch er vernimmt dafrische Geiste-wehen, Stimmt ein mir in den allgemeinen Chor, Steht ein mit für die neuen Weltideen. Zhn hält nicht-mehr de- Ghetto'- Nacht umschlossen, Weil längst zp Staub die Trennung-mauer sank; Luch über ihü hak sich da- Licht ergossen, llad freudig stammelt seine Lippe^:, Dank —