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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 7 (1862) · p. Seite 26

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
7 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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die Bürger, wenn er in seiner kostbaren.Equipage, von reichgalonirten Bedienren begleitet, durch die Straßen Stuttgartfuhr, demüthig, inveß ec selbst ihre» verbissenen Ingrimms sich freu», speiste der Fürst an seiner auserlesenen Tafel, bei welcher freche Dirnen selten fehlten. Za, -noch mehr der Schmach! In dem eczprotestantischen Lande, in welchem der PieriSmu» so oft früher in Hellen Klammen aufloderle, versuchte eS Süß in Gemeinschaft mit dem aufbrausenden und prahlerischen General von Remchingen, dem Katholici-mu» Eingang zu verschaffen. ES war dies ein LiedlingSwunsch deS eifrig katholischen Herzogs. Zn SüßenS Hause halten die bischöflich Würzdurgischen Rärhe und di« Kapuziner auS Weil mir lutherischen Beamten Confercnzen, Süß läßt die Schloßkapelle zu Ludwigsvurg für den katholischen Gottesdienst einrichten, kauft Monstranz. und Meßg-wand aus dem Vermögen des KammecgulS und deS evangelischen KirchengureS, erlaßt ein scharfes Schreiben gegen einen pietistischen Pfarrer, schickt ihn selbst aus dir Festung und die Frau inS Arbeitshaus — und zu allen diesen Handlungen sinder er christliche Rarhzeoer, Förderer und Helfer. Za! er betrügt den Fürsten mir falschen Zuwelen, der kurpfalzische Eommerzdireclor Don Pancorvo constatirr diesen Betrug auf Höhe von 50,000 fl. Bufinio und Neuster finde« deveulende Unterschlagungen der Chalullen-, ConfiScanonS- und Münzgelder auf, der Fürst wird wukbend, will den Slaarscarb Suß auf die Festung dringen lassen — und vergleicht sich an» Ende.mil t?m, indem er die Untersuchungen niederschlägl und die falschen Rechnungen pdne Prüfung approbier! — Ader schon steigen düstere Wolken für Suß auf.' Sein freier Zutritt zuiy Herzog wird beschrankt, er merkt die Schweigsamleir, den Hoon, die ausweichenden Antworten des Herrn. Er bittet am 4. Februar 1737 um seine Entlastung und offerrrt 50,000 fl. — vergeblich; er will nach Metz' fliehen und der Fürst täuscht ihn durch ein Äbsolurorium vom 12. Februar 1737, welches in sein.r öffentlichen Bekanntmachung also lauter: „ Zu dem- Ende wollen und derlariren wir hiermit „gnädigst, daß ^etzo und führohin Derselbe seiner unS, „unserm völligsten gnädigsten Vergnügen ,,ges«steter unrerlhaniger Dienste überhaupt und ohne „Ausnahme zu einer .Verantwortung nicht gezogen „werden, insonderheit aber wegen derer von einem oder „dem andern zur Bezeugung seiner Dankbarkeit, je „zuweilen eippsangener Douceurs und Verzehrungen pro „(»raeUTilo und iu futurum von aller Ansprache frei, „mithin baS dieSfaUS rhedesten emanirt« Generale keineS- „wegS auf idn verstanden und Niemand bei Vermeidung „Unserer Fürstlichen Ungnade und zu gewartra habender „schwerer Ahndung ihm diesertwegen einen Vorwurf zu „machen sich unterstehen soll. Gestalten wir ihm dießfallS zu „seiner hinkünftigrn Nachachtüng und Verhall ein „besonderes' LegirimarionSvecrer «nrerm heurigen Dato . „in Gnaden ausfe^ngen und zugehea lasten." Wir arbeiten uns leichter durch die stylrstische Unbeholfenheil dieses Ablaßbriefes, als wir durch die Tiefe der fürstlichen Jm'moralrtat Hindurchwalen können. Und dabei war der Fürst sterS ohne Geld, wahrend Opersängerinyen und Tänzerinnen, Castcaken und Lieferanten florirten. Ein splchrS Adfolutorium wurde einem Volke von den Kanzeln verlesen, welches täglich wahrnchmen mußte, daß die Jüdische „Excellenz" mit dem Heiligsten ein satanisches Spiel trieb. Außerdem erhielt Süß am selbigen Tage ein Privatdecret, welches ihm alle freiwilligen Verehrungen von 300 bis 400 Gulden beließ. Und die Derfaster dieses Abfolutoril waren hohe Beamte: der Hofkanzler von Schcffer, Lantz und HallwachS. Der Letztere, dem dabei sein eigenes Sündenregister einfallen mochte, har eS eigenhändig mundirt. — SüßenS Geschick sollte sich aber dennoch bald.erfüllen. Immer unheimlicher wurde ihm die Umgebung deS Herzogs, einzelne Drohungen desselben kommen zu seinen Ohren. Er äußerte gegen seine Vertrauten: „Wenn der Herzog zu einem Thore hinausfährt, fahre ich durchs andere fort." Diese Hoffnung der Flucht, Ehr- und Geldsuchk fesselte ihn an seinen gefährlichen Platz. Da, in der Nachr vor seiner projeclicren Abreise zum Arzte. Hulderop I in Danzig, welchen er wegen eines Fußübels consultiren I wollte, am 12. März 1737, starb Carl Alexander plötzlich! am Slickfluß im Aller von 53 Jahren, nachdem er j 3 Zahre 4 Monate und 13 Tag, regiert hatte. — —! Wir haben Süßen» lasterhaftes Leben unparteiisch geschildert, | so schwer es uns ankam, derartig über einen der mächtigsten I Juden seiner Zeit zu refeciren. Wir verdammen diese > Schändlichteirrn um so mehr, als der übermüthige Parvenü! sich sagen »nußre, wie sehr seine Glaubensgenossen später darunterzu leiden haben würden. Wir begreifen die Wuth deS! betrogenen, gezwickten, getretenen Volkes. Wir haben vor . Auacn alle Opfer der Lüß'sehen Geld- und Ehrsucht, seiner Wollust und seiner Antipathie gegen bas starre Lucherthum. Wir würden es begreiflich finden, wenn unS gemeldet würde, daß Süß der gerechten VolkSwuth unter tausendfachen Qualen zum Opfer gefallen wäre. Aber, was .wir jetzt berichten werden, diesen Fanatismus lutherischer Priester, diesen Justizmord abseitcn rechtSgelehrter Richter — daS ist das uralte SchmerzenSlied deS Judenhasses, gemein, Niederträchtigkeit gepaart mit Heuchelei, ein so schandbares, fluchwürdige» Benehmen, baß «S Mirleiden mit dem Verbrecher'erweckt und seine letzten Augenblicke erhebt und adelt. '*• lKonsevuug io,-».) Tic Zeugen der Liebe. Eine Erzählung nach dem Talmud ' von Leon Mendelsburg in Nowogrodwolinsk. (Zweite Sdrheiluog.) (Schluß.) Endlich rief er mit weicher, rührender Stimme: „Gedenkt Sulamith ihre» Erretters in der Wüste nicht mehr, der sie au» dem Brunnen gezogen, ihr Liebe und Treue angelobt und nun sein Gelübde zu lösen kommt i" DaS Mädchen machte bei diesen Worten eine rasche Wendung, und mit einem Sprünge standsie dem jungen Manne gegenüber, und die Augen weit aufreißend, und ihre Blicke in sein Antlitz bohrend, stand sie eine Weile still, endlich sagte sie mrt zürnender Stimme. „Elender, woran erinnerst Du mich! Gtausamer, ist der Marler noch nicht genug, die mein Herz gefoltert? kommst Du noch, meine»

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