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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 7 (1862) · p. Seite 28

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
7 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Dem Manne den wir beweinen heul'. Ja, Großer Geist in Deinen Höhen droben. Du hast den heil'gen Samrn auSgestreut, Du hast der Liebe Bruderband gewoben, .* Du reih'rest uns als Glieder an das Ganze; Und, wenn die Boßheit frech die Stirn erhob, — Da trafst Du sie mit Deiner mächl'gen Lanze, Daß berstend sie in alle Winde stob. Doch hört ihr's brausen durch die Länder nicht. Und durch die Herzen zieh'n mit leisem Ahnend Wie hell durch Wolkennacht die Sonne bricht, Entrollt das Menschenthum die Siegesfahnen. Die Völker schaaren sich um ihre Geister, Im Wechselstreice ringen Licht und Nacht, Es zieh'n voran die kampfgeübren Meister, Und heiß entbrennt die große GoiceSschlachr. Und, wo es damoft, und wo es Funken sprühl. Dg sieht man stets ein kleines Häuflein fliegen. Die Brust geschwellt, von Kainpfesmuth ducchglübt. So fliegt die Gottcsschaar von Sieg zu Siegen. Wer tst der Führer, der vor ihren Fahnen So ernst, so mild yinaus in's Weite weist? Wer glänzt ihr vor'auf ihren dunkeln Bahnen? DaS, Freunde, das ist unsres Moses Grift! Wohl blickt das Auge thrä'ncnd himmelwärts. Kaum kann S die Brust, die schmerzvurchwogte, tragen. Sein Auge brach; sein allumfassend Herz, Es hörte auf, für eine Welt zu schlagen! — Doch ist's, als ob es leis« uns umschwebe. Wie wenn ein Engel durch den Archer kreist; „Ich lebe!" ruft es, „weinet nicht, ich lebe!" Das, Freunde, das ist unsres Moses Geist. Ja, Moscs, ewig, ewig lebst Du fort, Ge-chlechcec sterben, und es flieh'n Die Zeiten, Dich seh'n wir, schwebend über Zeit und Ort, Durch die Jahrhunderte lebendig schreiten. So ragt, von unsichtbarer Hand gemauert. Dein Denkmal, das sich doch zum Himmel hebt, Und da« da alle Zeiten überdauert: Das ü'l Dein großer Geist, der ewig lebt! Ein jüdischer Eastwirth in Jaffa'). Der neueste Beschreiber eined Reise nach Jerusalem, Moritz Busch (kein' Israelit2), erzählt, daß bei seiner Ankunft in Jaffa, von wo di« Landreise direct nach Jecureinlichkeil -und die weiteren Folgen dieser im Orient. Endlich entschloß er sich für' dst jüdische Herberge, und giedl nun folgende Beschreibung: „Fejn saati nemsaui?" wo wohnt der deutsche Uhrmacher? sagte ich zu meinem Araber, und er begrlffmich sofort*). Wre stiegen steile, von hohen fensterlosen Mauern eingesäilossene, bisweilen durch Ueberwöldung höhlenartige dunkele . Gaffen zum Theil auf Stufen hinauf, bis wir ganz oben auf dem Gipfel des StadrhügelS vor einem hübschen;weij stockigen Hause anlangken, zu dessen Thür eine schmale 1 Freitreppe emporführle. Ich sah auf den ersten Blick, daß ich hier wohl aufgehoben sein würde, und die Folge bestätigte mein Urtheil. Eine ältliche Jüdin mit gutherzigem Gesichtsausdruck i empfing mich im Kreise mehrer schwarzäugiger Kinder,! .führte mich in das Speisezimmer, ein weißgetünchtcs, ganz t erträglich möblirres, mit Glasfenstern versehenes Kuppel- ■ gemach und pcäsenrirte mir hier in einem Glase Mastixj branntwein den landesüblichen Willkommen. Meine Frage, - ob ich Unterkommen finden könne, wurde bejaht, doch werde, setzte sie hinzu, der Herr sichs gefallen lassen müssen, wenn man ihm heute wegen des „Schabbes" erst nach Sonnenuntergänge mir warmen Speisen und wegen „Austern" (sie meinte Ostern) nur mit ungesäuertem Brot aufwarten könne. Der Herr ließ sich' das gefallen, und die Frau brachte ihn dann, nach feiner Schlafstube, wo sich ein durchaus reinliche« Belt, ein kleines, altmodisches, jedenfalls auS Deutschland einqewandertes Sopha und die nöthigsten [ Requisiten eines Waschapparats befanden. Was konnte! ein Billigdenkender mehr verlangen in dem halbwilden Lande! 1 Spater, beim Frühstück, bei dem nur di« ungewohnten > Mazzen und der nach Art der jerusalemer Juden bereitete! süßliche Landwein nicht munden wollten, welches aber 1 sonst nichts Wesentliches von dem vermissen ließ, was ' ein gutgehaltner Gasthof dritten Ranges in Deutschland; bietet, stellte sich auch der Wirrh ein. Ec schien ebenfalls i ein rechtschaffener Mensch zu fein, wenn er auch nach Art aller Wicrhe für verschiedne Leute verfchiedne Gesichtet bereit hielt. (Schluß folgt.') *) Der Gastgeber, ein gewisser Blattner, ist zugleich Uhrmacher und als solcher im One bekannter wie durch sein WirthShauS. Allgemeine Zeitung des Judenrhum«. No. 6. 1862. Leitende Artikel: Aufruf zur Errichtung des Lessing- Standbildes in Berlin. — An die Israelitischen Gemeinden und salem gehr, er zweifelhaft war, wo er sich einquarriren solle, ob in dem Kloster der Lateiner oder in einem, von einem Juden gehaltenen Gasthofe. Im ersteren fürchtete ec die große Magerkeit des Tlfches, in dem anderen Un- Sem, - *'■ Eine Wallsabrt nach Jerusalem. Bilder ohne Heiligenscheine von Moritz Busch. Leipzig 1861. Lehrer in Preußen. — Wer soll in wichtigen cnlruellen und rituellen Fragen entscheiden? — Wider den Chassidismus. II. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Elbing, Berlin, Posen, Zirke a. W. Oestereichischer Kaiserstaat: Raab, Oedenburg. Wien, auS Westgalizien, Wien. Italien: AuS dem Benetiauischen. Frankreich: Paris. Rußland: Petersburg. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redacteur K. Näbe. Brrlag von Laumgärtaer'» Buchhaudiuug w Leipzig. — Druck von G> Srepfiug in Leipzig.

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