Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 6 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
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/ 23 errichtet hatte. Seine listigen Operationen verschafften ihm vielen Credit, so daß er in 9 Monaten 11 Millionen Gulden umsetzte. Der damalige Polnisch- Französische Krieg begünstigte auch seine Machinationen. Vergeblich klagt die Kaufmannschaft über da« entwerthete Gelb, der Handel stockt, die Cassen werden auf den Messen confi-cirt, Wechsel werden nicht angenommen, biendlich die Landschaft sich in'- Mittel legt und gleichzeitige Klagen auandern Landern beim Reich-hofrath — viele Deutsche Fürsten jener Zelt wetteiferten in Münzbetrügereien — eine Einstellung de- Unwesenherbeiführen. (Forschung folgt.) Die Zeugen der Liebe. Eine Erzählung nach dem Talmud von Leon Mendelsburg in NowogrodwolinSk. iZwkitc Ldtbrilung.) (nonfetzung.) Die Entscheidung. So stark sich auch Schalum bijetzt gewähnt hatte, seinen Entschluß au-führen zu können, glaubte er dennoch jetzt sein Tode-urtheil gehört zu haben; so fest hatte ihn dieses edle Geschöpf an sich gekettet, — so impvnirte sie ihm durch die Hoheit ihrer Gesinnung und den Adel ihrer Seele. Er glaubte vor Scham und Schmerz ve^ehen zu müssen, da er sich auf ewig von diesem Weide trennen mußte, ohne sich zur Höhe dieseedlen Wesenemporschwingen zu können, daan frommer Ergebung so hoch über ihn emporragte. „So har sie denn endlich geschlagen die ttaurige Stunde de- Abschied- und der ewigen Scheidung von Dir, Geliebte", rief er nach einer Weile die Hände ringend au-. „Wie werde ich ohne Dich, dazu mit dem bitten» Bewußtsein, Dich so elend gemacht zu haben, leben können? O gieb mir den einzigen Trost in die Verbannung von Deinem Antlitze mit, sage mir, daß Du mir verziehen, sage mir, daß Du mich nicht verachtest!"; „Möge Dir so der Allbarmherzlge vergeben, wie ich Dir von Herzen verzeihe", sagt« Rachel mir bebenden Lippen, nachdem sie ihm die Hand gereicht, die er mit glühenden Küssen bedeckte. Wie ein zur ewigen Verdammniß Berurtheilter stand Jener eine Weile die Gestalt seine- Weibebetrachtend; dann stammelte er Lebevohl auf ewig und verließ da- Gemach mit wankenden Schritten. Schluß. Am andern Tage wurde da- Band der Ehe zwischen Schalum und Rachel ii^ aller Form Rechtengelöst. Jetzt, da alle Fesselnj die ihn in Jerusalem hielte», zerrissen warn», ließ es ihn nicht länger dort. Er fand keine Ruhe, keine Rast mehr; immer lebhafter tauchte in ihm eine Begegnung mit Sulamith auf. Jede Einzelheit jene- Tage-, der für sein ganze- Leben so entscheidend war, stand vor seiner Einbildung-krast, und immer michtiger trieb es ihn hinau-, zu sehen, waaujenem Stäbchen geworden. Er machte sich also auf den Weg, görnle sich keine Rast, bi« er an der Grenzscheide Salonn ehreren Hirten mit ihren Herden begegnete, dt« ihn auf se ne Erkundigungen betreff- Jedidjahan einen greisen Mann wiesen, der einst ein Kampfgenosse, jetzt «in Nachbar desselben über dessen Befinden ihm Auskunft zu gßben im Stande wäre. — „Er lebt noch der biedere Greis", sagte di sec den Kopf bedeutsam schüttelnd, „aber ihm wäre besser, er läge jetzt im Grabe und schliefe den ewigeu Schlaf der 2 odten." „Waist ihm denn begegnet?" fragte Jener in sichtbarer Spannung." „Er hatte eine einzige Lochtet, vers tzre der Hirt, „die über sein graue- Haupt Leid auf Leid g, häuft." „Hat sie ein früher Tod weggerafft, oder »st ilr sonst irgend «in Leid zugestoßen k" fragte, wieder der jung« Mann mit «inen Gesichte, auf dem sich der Schreck malte. „Wäre sie gestorben, tf wäre ihnen Beiden wohler, aber lebe« lebt sie, wenn eia ewige- Hindrütea in G«iste-na ht «und finsterm Irrsinn leben heißt", war die Antwort d«S redseligen Greise-, dem die ivacme Theilnahme dejunge» Manne-, die sich in allen feinen Gederdm spiegelte, auffiel. „Und weiß man nicht die Ursache diese- Irrsinne!, oder giebtgar kein Mittel gegen diese- Uedel?" fragt wieder der junge Mann eine Thräne im Auge zerdrückend^ „Die Leute raunen sich so vielevon diesem Umstande in, daß man nicht weiß, waman eigentlich davoy glauben soll; nur daweiß man mit Gewißheit, daß da- Äädchen vor mehreren Jahren sich in der Wüste verirrt habe, und alsie heimgekehrt, verlor sich nach und nach-iar Frohsinn. Immer tiefer versank sie in Schwermurh, Ibi« sich endlich ihr Geist ganz in finstere Nacht verlos. Schalum stand wie az»f einer Folter gespannt; er wagte laicht in da« redliche Antlitz de« Greisezu schauen. „Waist e-denn, da-sie treibt?" ftagt« er nach einer Pan«. „Sie faselte von einem Andern, dem sie ihr Herz gescl enkt, sie rief unaufhörlich «inen Brunnen und ein Wiese thier zu Zeugen ihrer Treue an, und noch anderesolchedumme-. Zeug, dessen ihr wirrer Geist voll war. Alle-liebev'lleZureden ihrevon ihr einst so sehr geliebten Vater-, der einst eine solche Macht über ihr Herz besaß, fruchtete nlä t; man sieh?', fügte der redselige Greihinzu/ „daß ehier r icht richtig zugehe, daß die Dämonen der Wüste sich ihre l Geistev bemächtigt haben müssen." Schalum dankte dem Manne für seine Mitth eiluagen, ließ sich die Richtung bezeichnen, die er einfchlagin müsse, mn zur Wohnung Jedidjahzu gelangen, und v rdoppelt« dann sein« Schritte, um ihm Trost und Ruhe zu bringen. Denn nach allem bem,.waer nun vernommen, glaubte er sich, zur Hoffnung berechtigt, daß sein l Erscheinen die heilsamste Wirkung auf da- Gemüth dl $ leidenden Mädchenmachen würde. Vielleicht, sagt er sich selbst, gelingt emir, die Erinnerung ihrer un nächteten Seele recht lebhaft vorzuführm, und hat sie mich erkannt,. dann »st Alle-j gewonnen; dann"....« gettaute »ch nicht, diesen Gedanken weiter au-zuspinue», sein Herz erbebt, gewaltig, und von vielfachen Gefühlen bestürmt, betrat er di t blühenden Gefilde und Gärten, die die Wohnung Zedidjahs umgaben. Dieser saß am off,am Fenster feiner bescheideüea Wohnung, dadie Aussicht Über die östlichen Flure«, Gättea