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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 6 (1862) · p. Seite 22

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
6 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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am 21 Januar 1737 erging, welches nur gegen eine bestimmte Geldsumme den Juden „Jntroition und Transit im Lande gestattete," ausgenommen die unferm geheimen Finanzrath gnädigst zu ersehn ^erstattete Kahl, wohl verlaugnete er niemals seine Jüdische Abkunft und zeigte dem höchsten Adel und den Beamten gegenüber keine Furcht — aber di« Bestem und Erleuchtetem seiner Glaubensgenossen zitterten schon damals vor dem Abgrund beS HasteS und der VolkSwurh, in welchen er sie mir sich reißen würde, SüßenS Hochmuch kannte keine Grenzen. Eo oft der Herzog auf seinen Diener aufmerksam gemacht wurde, er glaubte eS nicht, wohl aber nahm ec in seiner soldatischeaOffenherzigkritEüßenS Klagen über Nachstellungen für baare Münze und bewog denselben, alS er zum Scheine sich an den Hof zu Haag bemfen ließ, zu bleiben. Und sein jüdischer : Alter Ego stürzte die Rache von Hardenberg und Bilfin- . g«c, schwärzte die Landstände an, hetzte die Hofleute gegen einander, verdächtigt« die Herzogin, machte die Hofdamen! untereinander uneinig, schickt Räche auf die Festung^Hßl j peitschen, köpfen, sitzt neben den GeheimrLthen, restnrr i sogar im Landständischen Ausschuss« — und Alles beugt sich > zinemd vor ihm und feinen Creaturen. Unter den letztem : drfindet sich nicht ein Jude, es waren christliche Beamte, | der Hostanzlec von Scheffer, der Geheime Referendar > Pfau, die Räthe Buhler, Metz, Lang, Thill, LamprechtS, , Waisenhauspfleger HallwachS, General von Remchingen u. A. m. — Beweis gmug von der enormm geistigen Präponderanz des Süß. Ein Spottgedicht jener Zeit nennt zwar auch den Juden Bentzheim und seinen Cassirer Salonion Jacob Levi alS „Helfershelfer"' — doch kommt diesen nach allm geschichtlichen Urkunden nur eine sehr untergeordnete Stellung zu. „Daß wußt der Iud von unfern Sachen'? — Ihr, Ihr habt ihm den Pfeil geschvitzc. Da» Herz der Lande« wund zu machen. Die hat er nachmals zugefpitzl. Ihr seid e«, die mit Schandprojecten So diel in Euren Kräften war Dm Brand an unsre Dächer steckten, Don Eurem Seist kommt« ganz und gar." singt ein entrüsteter Poet nach SüßmS Tode. Und ein andere- Lied läßt den Delinqumten klagen: Erzürnte Lbristen flucht mir nicht, Da« dabt ihr doch davon, Ihr fehl da» göttliche Serrchl, Da« giedt mir meinen Lovn; Klagt Eure eignen Brüder au, Ihr flucht mir allzuviel, Ich hab da« Mindeste getdan. Da« Meist' ihr Hand und Kiel. Und hierin liegt viel Wahres^ Die Jüdische „Excel!,nz" konnte nur durch christliche SkaacSdiener auf die Behörden influiren — und nur di« Fedem rechtSgelehper, geschäflSgewandttr Beamten konnten seinen Gedanken den geschäftsmäßigen Ausdruck geben, ja mehrere seiner schändlichsten Pläne konnten gar nicht dem Kopfe eines bloßen FiaanzmaaneS mtfpringen. Ihre Kriecherei und Gewinnsucht bildeten die Folie und Basis seiner Macht. Durch sie bewirkte er es, daß wider sein Wissen Niemand «ine Aubimz beim Fürsten hadm. Keiner eine Petition überreichm durfte. Christliche Richter folgen ihm blindlings, verhaftm redliche Beamte auf seinen Befehl und verhören falsche Aeugm gegm dieselbm, lassen Verbrecher sich loS- , kaufen und dulden eS, daß „die Justiz," wie der Hofkanzler * von Scheffer in seinem Verhör sich ausdrückte, „in tumultuarischen und violenten Zustand versetzt wurde." Immer weiter geht Süß auf der Bahn des Verderbens. Dabei entfaltete er, wie Dellinger bekundet, «iiftn orientalischen LuxuS, hielt eine zahlreiche Dienerschaft, die prächtigsten Equipagen und gab lukullische Mahle. Die höchsten Würdenträger deS Reicks speisten an seiner von Gold und Silber strotzenden Tafel. .Seiner zügellosen Wollust fielen immer neue Opfer. Die Macht seiner Ueberredung, List und Gewalt, der Zauber seiner Persönlichkeit, die Furcht , vor Strafe, die Hoffnung auf Gnade, Gewinnsucht und Eitelkeit recrutirten diese Opfer aus den Frauen und Töchtern der Beamten und Bürger. Zahllose Orgien feierte er in seinem Hause — und mit offenem Hohn und Spott vergalt er den Familien, deren Glück und Ehre er untergraben hatte. Er brach sogar die EbestandS-Treu icr Iclvst war uttmtöratbet) Bei manchen schonen Frauen, Und durch Juwelen. Schmeichelei Ließ er sich öfters schauen. Die Namen aller Frauen und Mädchen, mir welchen er gelebt har, sind uns in den Criminalacten aufbewahrt, da die höchst parteiische und hastige Untersuchungscommission die schmähliche Jndecenz begangen hat, Alle alS Zeuginnen oder Jnculparinnen zu vernehmen, welche die Fama eines vertrauten Umganges mit ihm beschuldigte! Der Name seiner bevorzugten Mailresse war Henriette Louise Fischer. Bei solchem Leben kann eS nicht befremden, wenn SüßenS Srol; immer höher stieg und weitere Dimensionen annahm. Er trachtete nach dem AdelSdiplom und wandte sich dieserhalb — wiewohl vergeblich — nach Wien. Sein« Verachtung der Würtemderger trug er offen zur Schau. „Schwäbische Hunde, Saurüssel" pflegte er sie zu tituliren, und eine stehend« Redensart (tennwi orilinarii, wie Hallwachs sagt) war bei ihm di«: „Was man auS einem Schwaben , mehr als einen Expeditionsrath macht, ist zu viel." Und wie er Beamt« ohne Weitererassicte, so drohte er anderen bei dem geringsten Versehen mit Ersetzung durch auswärtige. Aber nicht bloS Hochmuch oder Ehrgeiz füllte sein Herz i — ein anderer Haupthebel seiner Handlungen ist unersätt- I licht Geldgier. Seine Projecte waren für dm Fürsten \ immer profitabel; den Hauptnutzm aber zog er davon.! Treten avir an einige seiner Geschähe näher heran. 1. Bayern hatte unter dem Reichsmünzfuße geprägt, und da es fein Salz auS Wückemderg bezog, so coursirte zum großen Nachrheile de» Landes viel BayerscheS Geld in Würlemberg zum vollen Nominalwerthe. ES meldeten > sich nun beim Fürsten Eberhard Ludwig verschiedene Unternehmer von AugSdurg zur Lieferung von Gold und Silber. Die. Münze arbeitete lebhaft, man prägte schlechte- Geld (um 4% besser als in Bayern), der Herzog und die Lieferanten verdienten gemeinschaftlich auf Kosten der Unterchanen; Deutschland war damals reicher an Geld, als an Gold und Silber. Süß, der sich auf das Münzwesen gut verstand, bewirkte die Verabschiedung der AugSburgec Gesellschaft, kaufte sich durch ein Don gratuit (Geschenk) an die fürstliche Chatulle—war der Nehmer hierbei besser alS der Geber? — von den Münzprägegesetzen loS und warf deträchttiche Summen leichtem Geldes nach Frankfutt am Main, wo er zu diesem Behuf« eia Comtoir

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