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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 6 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
6 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volkslilatt. Zur » Refehrimg unk» Anteehattnng aus jüdischem ^ebie Herao-gegeben von e. Rabbiner vr. Ludwig Phili-Psou in Magdeburg. lNo. 6. 1862.1 Bo« vieler AeiULrUt rrffctat wSLeuUich ein* Nummer. Preis bei Jahrgang« l iblr. Bierleljährig 71< Ngr. SUe vu«bba»klua,e«. Postämter und Zeikunglexveditioae« nehme« Bestelluogcu au. 1^9. IsKrg. 1. HdmLsl.1 Joseph Süß Oppenheimer g.n-rkinl ^ud Don RcchlSanwal^ I>r Calm in Dernburz. ^>o«icyung.) Der neue Agent des Herzogreiste mit ihm nach Belgrad, verwaltete die Apanagen und Einkünfte — wobei in feinen Säckel nicht unerhebliche Summen flössen — und saß bei dem Regietungsantritte von Earl Alrrandec schon so fest in dessen Äunst, daß er zum Odrrhof- und Krieg-faclor und bald darauf zum vereidigten Residenten in Frankfurt am Main ernannt wurde. Er lebte hier schon auf einem großen Fuße, gab glänzende Festlichkeiten und verachtete dadei so offen die jüdischen Gebräuche, daß er alS A|nm>ros (Abtrünniger) unter seinen dortigen Glaubensgenossen verschrien, nach unverbürgten Relationen sogar von den Frankfurter Radbinem in den Bann gethan wurde. Schon während dieser Residentschaft kam Süß einmal sehr in- Gedränge. Eine plötzliche Revision seiner Münzdeclarationen und Rechnungen ergab bedeutende Betrügereien. Der Fürst, im höchsten Grade erbittert, sprach von „Strick und Galgen." Ader unbekümmert um diese Drohungen, ohne die geringste Furcht reiste Süß nach Stuttgart, nannte die wider ihn erhobenen Anschuldigungen Verleumdungen und besänftigte seinen Herrn durch Zahlung einer Summe von 150,000 Gulden, deren Carl Alexander damalsehr denothigt war, weil er eine stehende Truppenmachk von 12,000 Mann gegen da- Votum de- Geheimen Rath- und de- Cammeral» collegii mit eisernem Eigensinn hocherbiltert über die Opposition der Landstände, creiren wollte. Esoll nur einzige- Beispiel der damaligen Süß'schen Betrügereien Hervorgehoden werden. Carl Alexander hatte bei seinem Regierungsantritte ernstlich darauf Bedacht genommen, den zerrütteten Finanzen wieder aufzuhelfen, Handel und Gewerbe zu fördern, den eingerissenen Uebelständen zu steuern. Er ließ den Premierminister und Oberhofmeister von Grävenitz, einen Bruder der berüchtigten Maitresse, nebst dessen zwei Söhnen, ebenso den Director Pfeil, den geheimen Referendar Pfau (au- Dessau gebürtig) und die RegieruogSräthe Dollmann und Schmidt auf die Festung Hohenasperg dringen. Aber wo hätte ein» strenge Untersuchung bei der damaligen maßlosen Corruplion der Beamten aufhören sollen! Man schlug de-halo die eingeleiteten Untersuchungen nieder und ließ diS auf den Premierminister die Verhafteten im Mai 1734 gegen Ausstellung von Reverfalien — damit deckte „die gute alte Zeit" dergleichen Wunden und faulen Flecke zu — «piebei laufen, v. Grävenitz mußte seine Freiheit theuer bezahle», da er seine nerthvollen Gülex um den Spottpreis von 56,000 Gulden dem Fürsten Ndzutrrtm hatte. Confinirt r ach Tübingen entweicht er von hier nach Wien und erhebt dort fruchtlose Klage wegen erzwungenen Reverse-. Ro ch trauriger schien da- Unglück über seine Schwester, dii Gräfin von Würden hereiazudrechen. Sie wurde wegen Mordanschlaggegen die Gemahlin ihrefürstlichen «öönner- — wie oft hatte sie nicht dessen einzigen, später gewordenen 'Sohn, den Erbprinzen, vor dm Augen seiner Mutter gemißhandelt! — zum Tode verurtheilt. Sie b gab sich .aber nach Mannheim unter kurpfälzischen Schutz, und al- - dieser zweifelhaft wurde, nach Berlin und Wim. A i beiden Höfen — so sah ti damalim lieben Daterlar de aus! fand sie Beschützer und Annehmer. Sie trat > iit Carl Alexander in Vergleichsunterhandlungen, und eine Bestechungssumme von 6000 Gulden gewann ihv den t chtigsten Unterhändler — Joseph Süß. Wirklich erlebte d run datziedere Volk die Schmach, daß da- Unheil gegen 3 btretung aller ihrer Gü»er und ihre-' Vermögenfür 158,300 Gulden aufgehopen wurde. Der bestochene Unt rhändler betrog sie hierbei um 60,000 Gulden. Trotzdim diese Gaunereien ein offene- Geheimniß warm, wurde i >üß doch alsbald von Frankfurt abberufen und zum gehr mm, Finanzrath mit dem Range, «inegeheimen Legatil n-raitheerhoben. In Wirklichkeit war er Staat-, und ' Fabmttfe minister. Die beideck^kammern warm ihm untei geordnet, zwei Canzleien arbeiteten direct unter ihm, die f irstiichm Siegel wurden von ihm aufbewahrt. Welche E »re hätte dieser Mann seinen Glaubensgenossen bereiten können — und wie lohnte er die Toleranz seine- Gönnerder in einem pietistisch.protestantischen Land« einem Jaden die höchste Gewalt übertragen hatte, in einem Lande, in welchem kraft besonderer Privilegien keine Juden wohnen durften, auwelchem sie kraft du Lande-ordnung verbannt waren, welcheste mit täglich zu erneuernden Gelel -scheinm passiren mußten! Er, der fremde Jude wurde k in Mordrchai seiner Glaubm-gmossm, aber der vollendetst' Haman für daganze Land. Wohl zog er scharenweise £ «den in da- Land, und manche von ihnen drohten u> lex seiner Autorität trotzig den Voigten auf dem Lande, w« hl strafte er Beamte und Bürger auf daempfindlichste, wenn sie einm Judm schimpften, und schon wollte er e a darauf bezügliche- Mandat erlassen, aldie Landschaft sich über i die vielen Juden beschwerte und ein lande-sürstUch - Dekret

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