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Jüdisches Volksblatt · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
9 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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- >5 wird sich austlären, bis dahin Hab« mit mir Geduld, Barer. Ich werbe ihn auSkämpfen den« Seel,ntampf, und mit göttlichem Beistände als Siegerin daraus hervorgehen." Als sie der Vater so sprechen hörte, belebte sich von neuem sein gesunkener Muth, er gab sich der Hoffnung hin,-daß endlich die alles heilende Zeit lindernden Balsam auch in das kranke Gemütb seines einzigen Kindes träufeln werde und ließ sie von nun an ruhig gewähren. Auch der Sommer war hin, der trübe Herbst kam mit feinen düstern regnerifchea Tagen, und der Geliebte erschien noch immer nicht, da riß der Anker der Hoffnung, nur Verzweiflung ergriff die Seele deS Mädchens. Sie fand weder Ruhe noch Rast mehr, der Schlaf wich von ihren Augen, sie irrte ganze Nächte herum, sich die schauer» vollsten Schlumpfwinket aussuchend, wo sie mir ihrem Gram allein sein konnte. So machte sich denn endlich der damals allgemein herrschend, Wahn geltend, daß daS Mädchen in der Wüste, in welcher sie sich verirrt hatte, von bösen Geistern ertzriffen worden, die ihr die Ruhe geraubt, sie unaufhörlich herum jagten und ihren Geist in finstere Nacht hüllten. Monde auf Mond« verstrichen, au die Stelle d«S wilden TobenS ihres SchmerzfS trat nach und nach ein düsteres Hinbrüren in tiefer Schchermuth. Aus ihren Augen blickte der Irrsinn mit allenl seinen Schrecken; sie schien der ganzen Welt abgestorhen, nur' das einzige Bewußtsein ihres großen WeheS schien ihr geblieben. Wohl mancher Jüngling, angelockt voch» Rufe der Schönheit und Tugend der Tochter Pedldjah'S kam zum Vater gezogen, um die Hand der Tochter werdend; aber beim jedesmaligen Erscheinen «ineS solchen brach die stille Melancholie deS Mädchens in wilde Wurh aus. [ Mit drohender Geberde jagte sie ihn von sich. „Fort, Versucher", fuhr sie ihn an, „fort auS meinen Augen; jenen Brunnen, jenes Wiefel frage, einem Andern gehört mein Herz! wehe dem Treubrüchigen, wehe dem Meineidigen!'j Wer schildert deS BaterS Schmerz? — Nun sah er feine eitzzig, Hoffnung auf immer verloren, und von nun an verstrichen ihm die letzten Tage seines Alters in trüber düstrer Stimmung, von keinem warmen LedenSstrahle mehr erleuchtet. — Bald verbreitete sich der Ruf von dem Irrsinne SulamithS weit umher und Niemand störte sie in ihrem dumpfen Hindrüten. So saß sie Tagelang, das schöne Haupthaar ungepflegt, wirr heradhängend; der Glanz ihrer Augen erloschen. Die vollen Formen welk, der Ausdruck des Gesichts verdüstert und stumpfsinnig. Eine traurige Ruin« der einstigen prächtigen Gestalt. Das Lerhanguiß. Während aber hier so ein edleS Wesen in Gram und Sorge sich verzehrte, sollt« dort der Ehrvergessene, der Mein, eidige ungestraft die fluchbeladenen Früchte seines Meinei, des einernten? — Nicht das sind die Wege der allge, rechten Vorsehung! Menn auch das Gewissen d«S Treulosen, berauscht von der betäubenden Frucht seiner Lieb«, schläft, so wacht doch da« allsehende Auge GotteS. Bor ihm stand jetzt die traurige Eulamith, Klage führend über den Pflichtvergessenen, der das gläubige Herz dieses edlen Geschöpfes in dt« süßeste Hoffnung gewiegt, und bann sein en war m »hre LebenSglÜck mit roher Hand zerstört, der einem! greisen Vater die einzige Stütz«, den einzigen Halt seines AlterS geraubt, und daS Derhängniß schritt schnell herbeil Wie «in schöner Traum schwanden dem glücklichen Paare die ersten Monde ihres ehelichen Lebens in Jerusalem. Der Himmel schien mir gnädigem Auge auf diesefi Bund herabzuschauen; denn nach einiger Seit fühlte sich Ramel Mutter und schenkte ihrem Gatten »men Sohn, der der Gegenstand der zärtlichsten Mutterliebe und ihrer aufopferndsten Fürsorge ward. Einst an einem prächtigen Mt ROH«! auS ihrem Schlafgemache hinauSgeeilt, Blumen mir dem frischen Wasser de< Springt zu begießen. — Sie hatte den schlafenden Sohn einer Wärterin überlassen. Rach einer Stund« kehrte sie mir frohem Herzen und heiterem Sinne zurück. Ader o wehe! wer schildere ihren Schreck, ihren Jammer? Niemand war im Gemache, und das Kind lag leichendlas in der Wiege; sie raffte eS auf, eS ist entseelt! Eia Shrri deS Entsetzens entrang sich auS der tiefsten Tiefe ihr e Seele und wie vom Donnerschlag getroffen, sinkt sie mit der ganzen Schwere ihres Leides nieder. Auf diesen SchmerzenSruf stürzt Schalum aus dem angrenzend«» Gemach t herein, und welche Jammerstene bietet sich seinen Blii!ea dar! Sein angebetereS Weid liegt auf dem Boden in ei »er tiefen Ohnmacht da, an ihrer Seite die Leiche seines ö mdleins, dessen verzerrte Züge und bläuliche Farbe ihm deutlich sagen, daß eS keines natürlichen TodeS gestorben. — Erst nach unsäglicher Mühe gelang eS das jui g« Weib wieder in- Leben zu rufe«. Da löste sich denn d»S Rärh» fei; Rachel erzählte nämlich, daß sie vom Garte» zurückkommend, durch das Gebüsch ein scheue- Wiese rascheln sah, welch,-wahrscheinlich an dem Tobe deS KinbeS schuld sein müsse, —: und wirklich fanden sich am Halse deS Kindedie Spuren einer Erwürgung. Tiefe- Staun n ergriff die Umstehenden; denn wer hat je vernommen, daß ein Wiesel ein Kind erwürgt hätte? Ader dem verstockten jungen Manne war bi« Binde von de« Augen g> fallen — in diesem . unnatürlichen Tod« seine- Kindesah er die strafende Hand Gottes. Eine furchtbare Mahnung an seine Schwüre, die er dem verlassenen Mädch«» in der Wüste geleistet. Furchtbar erwachte sein Gewis en, wie ein Schatten wandelte er umher; in sich verschlossen, und tiefsinnend wußte er nicht, was er anzufangen hc de. Ein Seelenkampf erhöh sich ln seinem Innern, der eia Herz zerriß. Während sein geistige- Auge dott, im T >ale Saron, «in .edlervelbliches Wesen erblickt«, daS sei »ec Redlichkeit vertrauend, mit ihrer ganzen Seele an hm hing und nun im vergeblichen Entgegenharren sein« T« ge grainvoll zudriagt,sah er Hiersein angebetereS Weib ve« funken in tiefen Kummer über den furchtbaren Schlag, der »e getroffen, das zu trösten er sich um fo gedrungener fühlte, als er im Busen das Bewußtsein trug, durch sein Verschulden über ihr Haupt da- Leid gehäuft zu haben. Ader leider, so ist einmal damenschliche He z beschaffen, ist «S einmal von der geraden Bahn dec Tugend adgewichen, und hat sich auf die Schliche und Kpammua» gen de- Lasterbegeben, fo findet es Scheingründe genug zur Rechtfertigung feinesündhaften Wandel-. So «ich jetzt Schalum. „Wohl habe ich gefehlt", sagte er sich, selbst. .einer Andern meine Hand zu verschenken, bevor Eltern gefragt, dt» allein bat Recht dazu hatten. ich »«eine — Ohne

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