Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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11 entnommen; deshalb finde ich auch erklärlich, daß derselde trotz Anfeindungen und Protesten so herrliche Institut« für Israel schafft und also mchih geuloh heolom ist. — ,,WaS halten Sie voll dem Hkrsch-Frankelschen Streit wegen der Uebeclitfirung?" fragte ein jüdischer Ge» lehrter einen kennmißreichen! Kaufmann. „Ich glaube", erwiederte dieser, „daß, wenn! jene Männer Kaufleute wären, gar kein Anlaß zum Disput vorläge, denn bei uns ist schon Lange bekannt, daß! bei großen Lieferungen größten» theils mehr aufgeschrieben alS geliefert wird. — „Wir Juden in Oesterreich", sagte Jemand zu feinem Pariser Freund, „befinden uns jetzt eben so gut wie Ihr in Frankreich." „Das ist doch nicht ganz wahr", erwiedert« der Andre, „denn während man in unfern Tuillerien stets ein Minjan vorfinden kann, trifft man bei Euch in Wien noch keine Mesummen an. Zn Polen ist Schochad Geben (Bestechend sagte ein Bewohner diese» Landes. Warum? fc< gre man. .Nun, wir Zehudim wollen uns damit nicht'fü erlaubt. Recht, sondern nur für Recht auch Recht verschaffen : Unrecht Bei anhaltender großer Dürre wurde in einer Gemeinde beschlossen^ die üblichen Gebete (thephiloth hagschomim) abhalten zu lassen und zwar nicht vom gewöhnlichen Dorbeter, sondern von einem der Frömmsten der Gemeinde, weil man den Ersteren durch manche schlechte!» Eigenschaften für nicht würdig hierzu hielt. Dieser protestiere aber hiergegen so nachdrücklich, daß man ihn Geschem benschen ließ. Al» nach beendigtem Gottesdienste stad beim Nachhausegehen wirklich auch einige Tropfen Regen herabfielen , rief der Borbeter triumphirend einem sein» Gegner zu: „nun Hab' ich nichts bewirkt §1" — „Das^ wundert mich gar nicht," antwortete der Andre, „in Noahs Zeiten haben so viele Reschoim eine Sündfluth hecbeigefühtt, warum jetzt nicht einer ein paar Tröpfle?!" — Mordche, unser unvergeßlicher Witzmacher, ging einmal am Zomkippur von seinem Platze weg, gerade als man die Adoda thun wollte, und stellte sich neben dielParnaßim, die Reichsten der. Gemeinde. Als ihn einer feiner vorherigen Nachbarn darum befragte, antwortete er lakonisch: „Wer sich mit Gäscht legt, steht auch mit Gäscht wieder auf und dkSwegen verwechselte ich meinen Platz." In F. befindet sich eine kleine Synagoge, wo man den täglichen Morgen - Gottesdienst sehr ftühe abhält. Einmal im Winter, als e» am Minjan fehlt«, schickte man den Diener hinaus, den 10. Mann herbeizuschaffen, und bald kam der Erste« wieder mit Jemandem, der im Dunkel des Morgens vorübekgegangen. Man beachtete ihn weiter nicht und setzte das unterbrochen« Gebet fort. AlS man aber die Thora vorlesen wollte, kam der Dieüer zu dem herbeigeholten Unbekannten und fragte ihn: Sind Sie Cohn, Levi oder Jksroel? „Ich sein weiter Nix als wie ein Maurer," lautete die einfache Antwort und Allelachte verlegen. — „Was für ei« Künstler sind Sie?" fragte Baron v. R. einen als Künstler angemeldeten Polen. „Her, Baron, ich bin ein großer Künstler, ich habe nur fl. 1. 81 ft. in der Tasche gehabt und bin von Warschau nach \ srankfurt gereist." — „Das ist wahrlich keine kleine Kunst und um zu sehen, ob Sie die Wahrheit sprechen", erwie! erte der Baron, indem er in die Tasche griff: Haben Sie hier wieder fl. 1. 21 kr. und machen Sie da» Kunststück noch einmal umgekehrt." Bei Baron v. R. ließ sich ein Fremder befrackt und in Glacehandschuhe« anmelden, mit der Bemerk, ng: „er wollt« dem Herrn Baron Etwas zeigen, was er eia Leb» tag noch nicht gesehen hätte." Der Baron ließ ihn kommen und fragteden Eintretenden, was er denn I o Merkwürdigezu zeigen habe? — „Sehen mich Ew. Exelleaz nur einmal.genau an," erwiederte der Andre, „und sagen Sie mir: „haben Sie schon Zeit Lebens so eine» geputzten Gascht (Lump) gesehen/ wie ich eiuier bin?' Ein herumziehender Magid (Prediger) vermied es, eine Stadt zu besuchen, in welcher jüdische Gelehrte wohnten. Darüber befragt, antwortete er mit Umdrehung einer Bibelstelle: „Kol am adonai newijim, ml jite»?" Ein Pole kam ins WirthShaus und bestellte sich zwei Schnäpschen; der Wirth brachte sie, frug aber, nachdem sie ausgetrunken und bezahlt waren, seinen im Fortgehen begriffnen Gast, warum er die zwei Schnäpse auf einmal und nicht eins nach dem andern bestellt habe? „Sehen Sie," antwortete der Pole, „wenn ich ein Schnäpschen vor mir stehen habe, fühle ich mich als einen ganz andren Menschen, nun braucht dichr andre Mensch doch auch eiu Schnäpschen." ' —- V Eia Pole kommt zu einem Fabrikanten in B., ihn um eine Gabe ansprechend, dieser giebt ihm ein 10 Groscheastück und der Pole entfernte sich dankbar. Einig« Wochen später kommt derselde wieder, aber gut geklttdet und verlangt einige Cattune zu sehen, da er St. Ist kaufen wolle. Der Principal des Hauses, der ihn sogleich erkannt hatte, ließ ihn entrüstet bei seinem Commis stehen, und ging in fein Cabinet; der Pole aber dadurch nicht irre gemacht, kaufte di« Maaren und bezahlte sie baar. Als dies der Hftr vom Cabinet aus bemerkt hatte, ^kam er heraus und fragte seinen Kunden: „Sagen Sie!n1r einmal^ was! ist das für eine Art, vor 14 Tagen girmea Sie betteln und heut« find St« eine Comptant Kunde?" Das will ich Ihnen kurz erklärenerwiederte der Pole/bei uns geht man erst, schnorren und dann handelt man, bei euch handelt mau erst, und geh t dann schnorr/a