Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 9 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
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Ein den Orthodoxen spielender Lehrer, der bei feiner Frömmigkeit, aber äus lauter'Faulheit die Kinder ohne den gehörigen Unterricht ließ, verbot seinen Anhängern den Thalli- (Gebermantel) am Samstag zuzulegen, weil das auch aleine Arbeit verboten wäre. „Danimmt auch nicht Wunder," sagte ein geistreicher Gegner des Obengenannten, aler von jenem Verbot erfuhr, „denn jener Mann ist so faul, daß daeine Arbeit bei ihm ist." — In einer Gesellschaft besprach man die nothwendige Reform so mancher jüdischen Gebräuche, so daß z. B. die jetzt gänzlich unmotivirte strenge Feier -der zweiten und letzten Tage Pesach und Sukkoth rc. vollständlich aufzuheben sei. Ein ältlicher, geistreich auSsehender Mann, der die lebhaft gewordene Debatte hervorgerufen, nahm, da der Streit immer hitziger wurde, 'wiederum da- Wort und sprach: Wissen Sie auch, meine Herren, wa« der Achron schel Pesach eigentlich ist? Als, der Redner nicht unterbroschen ward, fuhr er fort: da Sie ,S doch sobald nicht ratben, s» will ich- Ihnen selbst sagen, vorher aber erst Ihnen eine Geschichte erzählen, die sich im vocHr^ Jahrhundert ereignete: Au dem Vorsteher einer Gemeinde, die einen Schocher und Lehrer suchte, kam ein junger fein gebildeter Mann sich zu dieser Stelle meldend. Mir sind Eie schon recht, sagte der Vorsteher - beim Schluß der Unterredung, aber Sie müssen auch unsrem Rabbiner recht sein, gehen Sie deshalb zu ihm, hüten Sie sich aber wohl, Ihren Haarzopf sehen zu lassen, da er alle Aopftragende für Neumodische (Reformer) hält. — Der junge Mann folgte dem Winke, versteckte seinen Aopf unterm Rockkragen und eilte zum Rabbiner. Dieser, der sehr bald die Tüchtigkeit de« jungen Mannes erkannte, schrieb ihm ein Aeugniß über gut bestandene Prüfung und fragte noch schließlich beim Schreiben nach dem^Namen desselben. „Ich heiße Pesach", erwiederte der junge Mann, dem aber, als er in die auf dem Tische liegende Schrift hineinfah, — beim Bücken der Aopf audem Kragen hervorschlüpfte. „Wie heißt aber der da?" frug der Rabhi unwillig weiter? Der junge Mann in größter Verlegenheit erwiederte: der heißt Achron schel Pesach." — Also meine Herren, fuhr der Erzähler unter allseitigem Beifall seiner Auhörer fort, jetzt wissen Sie wohl, was der Achron schel Pesach ist — Nichts weiter als ein Zopf. — Anekdoten. Sikaa. Eia armer polnischer Israelit stellte einem sehr reichen Mitbruder seine sehr dürftige Lag« vor, und suchte denselben empfänglich zu machen für sein Elend. Umsonst — er predigte rauben Ohren, und mußte unerhört abziehen. Beim Abschiede hiaterließ der Dürftige dem Reichen den Segen: er wünsche ihm ein hohes Lebensalter (n:pr) und entfernte sich. Auffallend war es dem Unbarmherzigen, warum ihm der Pole einen Segen gab, wahrend ek so! grausam war, ihm nicht einmal ein kleine- Almosen zu; spenden. Dahinter vermuthete er eine versteckte und plquirte Andeutung auf seine Lieblosigkeit. Er ließ den Armen zurückrufen, und bat ihn, sich deutlicher über das Wort > Sikna auszusprechen. Das gab dem Polen Gelegenheit, j den Unbarmherzigen zu geißeln. Herr, redete er den rei-! che« Mann an: „das Wort Sikna ist kein Segen, ist vielmehr Ungemach, die dagewünschte hohe Alter trägt. 7 (s) bedeutet: siechen, p (k) kränkeln : (n) niesen n (h) husten. Alles zusammen vereint, wünsche ich Ihnen. Ich bin lein Herr! Ein dürftiger israel. Schlachter, der bei einem reichen Bauer im Westphälischen zur Miethe wohnte, schwang sich durch Fleiß, Umsicht und Glückszufälle zu einem bedeutenden Manne empor und erkaufte sich ein schönes Haus, Garten und sonstige Grundstücke. Bei solchem Wechsel des Glücks stieg dessen Ansehen, und der daselbst für die Hono-; rotieren errichtete Club nahm ihn als Mitglied auf. Einst i bei einer Abendgesellschaft spielte unser Schlächter Whist, j und sein in die Gesellschaft eintrelender früherer Miethsj Herr bemerkt den frühem Miethling und begrüßt ihn etwas l ironisch „guten Abend, Herr!" „Ek den ken Heer," erwie- 1 beete der Schlächter. „Wat, bau best ken Heer? häst jo bat Börgermeesters Hus und Hof gekooft, häst Zelb un ] Gaur in Uebecflaut, un wellst saggen: ek den ken Heer.! Nun ließ sich der witzige Schlächter abermals vernehmen: ek den keen Heer." Wei ist dann Herr? der kathaulische Pastaur un der leibe Heer- Gott, bat send Herrn! „Worüm," fragte betroffen der Bauer. „Ei, bei hewwea keene Fruwwen!" sagte lächcknd der Schlächter, und spielte, unter Gelächter der Anwesenden seine Partie Whist mhig fort. Ein Pole trifft bei einem witzigen Israeliten in Hamburg unter andem Schildereien, die Brustbilder Blü, chers, Rabbiners Chacham Bernays und Wellingtons. Dies schien den Polen zufrappirm, und er fragt: Wie Bernays unter die Kriegsleute komme. Gewiß, mein Freund, unter diese Kategorie. Dieser Blücher führt die Preußen, der Wellington die Engländer und Bernays die Hamburger Israeliten an. Allgemeine Zeitung des Iudenthume. No. 2. 1862. keilende Artikel: Wochenschau: Schwei; — Württemberg — Frankreich — Rußland. —Zerstreute Bemerkungen- — Literarischer Wochenbericht. ZeitungS'Nachrichten: Deutschland: AuS Württemberg, auS dem Hanuöverschen- Preußen: Magedeburg. Ce« sterrcichifcher Kaiserstaat: Wien, Dien, Pesth, aus Mahren,Krakau- Die Schweiz:Endingen. Frankreich: Paris. Rußland: Petersburg,Warschau, Warschau. Donaufürsten, thümer: Aus der Moldau. Italien: Mailand,Rom. Holland: Haag. Nordamerika: New >Orleans, Philadelphia, Philadelphia. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich yA Thatcr. , Verantwortlicher Redacteur St. Nabe. Verlag Mm Vamgiettter’g ©*$$aiMnng i» Leipzig. — Dr»a vo» 'S. sreysi»g tu Leipzig.