Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 52 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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207 immer tüchtiger auszuführen, schließe ich mit der, an da- Publikum gerichteten Doppel-Antithese: „Da ich be«egltch sein muß. wett Ihr beweglich seid, so müßt auch Ihr beharrlich sein, wei^ich beharrlich bin!" Die Zeugen der Liebe. Eine Erzählung nach dem Talmud von Leen MendelSburgin NowogrodwelinSk. (cCMuft.l Der Eidbruch. Gebadet im Angstschweiße rafft er sich auf. Gespenstisch scheint ihm die Finsterniß um ihn her, -rückend die Luft in seiner Schlafkammer und ec eilt zur Thür. die zum Garten hinausführt, öffnet dieselbe und läßt die frischen Wellen der gewürzigen Nachrkühle üdsr sich hinströwen —- um sein gereiztes Blut zu beschwichtigen, seine aufgeregten Geister zu beschwören. Aber lange vibriren die GefühlSsairen seines Innern, aufgeregt von jenem erschütternden '^ilde, lange schaut sein geistiges Auge jene.Gestalt. — Das sAuge zum gestirnten Himmel erbebend, erblickt er die bloße Mondsichel, die ihr fahles Lickt über Baum und Biumje gespenstisch wirft; ^ie und da stürzt pom Firma, mente ein Slernleist nieder, sich in der öden Leere verlierend. „Sollte es der Stern seines Verhängnisses sein?" denkt er. Lange stiert sein matte- Auge in die Oede der schweigenden Nackt hinaus, lange lauscht lein Ohr auf d.n schwirrenden Zug der Nachtluft, die Blätter der Zweige und Aeste wie das Geflüster verlorner Geister säuselt, aber dieser schauervolle Traum, er Kal ihn wieder zur Besinnung gebracht, er har ihn nüchtern gemacht vom Rausche, der seine Seele, sein besseres Ich betäubt: — er hat ihn allzu fürchterlich an seine heilige Pflicht gemahnet, als daß er sich nicht fragen sollte: „Was soll nun geschehen? „Zu jenem Mädchen zurückkehren," rief ihn eine innere bessere Stimme zu „dessen Her; Du in süßes Hoffen gewieget, daS Du mit Deinem Liebesnetz umsponnen, und das nun bitter getäuscht, seine Tage in Gram und Kummer vertrauert, fliehe, fliehe von diesem verhängnißvollen Ott; nur schnelle Flucht kann Dich und sie retten. Ader es war zu spar! Denn indem er so mit sich zu Rathe gehend dastand, erblickte er eine lilienweiße Gestatt im Dunkel der Baume schimmern. Es war Rachel. Und bei diesem Anblicke verstummte jene bessere Stimme, erstickt von der Leidenschaft, die ihn mit ihrer ganzen Allgewalt erfaßte. — Jenes mahnende Bild in der Wüste war verschwunden, wie die Fußrapfen deS Wanderers, eingedrückt in den glühenden Sand Saharas, von dem sengenden Hauche des Samums spurlos weggewirbelt werden. — Auch Rachel hatte versucht, in ihrem Schlafgemachr auf dem schwellenden Pfühle der Ruhe zu pflegen; allein der Schlaf, den sie so sehnlich suchte, floh von ihren Augenlidern. Ihre Lebensgeister waren zu sehr in Aufruhr von den vielfachen Aufregungen der letzten Stunden. — 6»n Zwiespalt erhob sich in ihrem Innern, wie sie ihn noch nie empftmden. Zwei widerstrebende GeWtt machten sich den Besitz ihr«- Herzens streitig. WeM^Mnerseitdie Stimm« der Mutter.der heißen Liebe de- Jünglingsprach, und auch sein sehnsüchtig blitzendes Auge ihr sagte, daß fie von ihm unsäglich geliebt und angedeter würde, wodurch sie sich zu ihm mächtig hiagezogen fühlte < so erhob sich dagegen eine andere, nicht minder mächtig«! Stimme, die ihr unaufhörlich zurief, daß dieser Buqd kein fegensdringenber sein könne. Ihrem geistigen Augje schien e-, als sehe eeine unsichtbare Scheidewand zwischen sich und ihm aufgethürme. Erschüttert in ihrem ganzen Welen von diesem verhängnißvollen Gefühle fand sie keine Ruhe auf ihrer Lagerstätte, und sie war hinau-geeilt in. die frische balsamisch fluchende Nachtlust, um in der Sjkille der Nacht auszumachen, welchen Weg sie einschlagen müsse. — .Und'so erblickte jetzt sie der einsam wandelnd« Iünglin. Plötzlich ausgeschreckt vom Rascheln eines Fußtritts schaute sich Rachel um, und gewahrt« Schalum, der ihrer Spur folgte. Sich ermannend wollte sie wie «in sch.ueS Reh fliehen, allein die weiche Stimme Schalums, der sie beim Namen ruft, und flehentlich bittet strhen zu bleiben, übt auf sie einen unwiderstehlichen Zauber aus, und wie gebannt hemmt sie ihre Schritt«, und bleibt in Verwirrung sieden. Sie sieht sich unvermuther im dunkeln Geheimnisse der Nackt mit dem jungen Manne allein, zu :<ax sie sich so hingezogen fühlt, von dem sie aber eine Ahnung des Herzenzurückstößt. Eine Weile standen sich die jungen Leute' in stummer Verwirrung gegenüber, jedes von mannigfachen Gefühlen bestürmt. Endlich aber sagte Schalum mit einer Stimme, in deren Tone ein unbeschreiblicher Ausdruck von Innigkeit lag: ..Endlich ist'-mir gegönnt, mich Dir, Geliebte, zu nähern, Dich ohne »»berufne Lauscher zu sprechen, der Himmel allein führt «ms hier zu! dieser Stunde zusammen, der mein herßes Flehen erhört und! meine Liebe begünstigt. Ich "habe Dich hier in d«er spä- I ten mitternächtlichen Stundb nicht erwartet; avst» mein glückliches Gestirn wollte es, daß ich Dir da- Sehnen j meines Herzens entdecke." Er hielt iune, und fttfc Blick | suchte da- Dunkel der Nacht zu durchdringeu. I,.O, laß j mich nicht. Holde, von hinnen ziehe» ohne Dch««8 p- '■ funden zzz habenflehete er innig. „Bald ßwägt:J>ie Stunde der Trennung, bald wird es mir nicht Wehr vergönnt fein, die Luft zu athmen, wo Dein Ostim weht, laß mich nicht von Dir scheiden ohne die süß« Hoffnung, bald wiederkkhren, und Dir meine Huldigungckl lprtzringen zu dürfen." -! , Lieblich tönten diese Worte des Iünglingh in der Seele des Mädchenwieder;! ihr Ohr verschlang inst Wollust die Huldigungen, die leinen Lippen entströmten, die zu ihrem Herzen so innig sprachen, und alle dangen Ge» fühle daraus verscheuchten. I Immer mehr faßte sie Zutrauen, und alS der Jüngling ihre weiche Hartd ergriff, überließ sie ihm dieselbe willig. — Er sprach!h«iß und , innig von dem was sein Her; bewegte, sie stand. lauschend j auf den süßen Klang seinerliedeathmmden Worfe. Eine Flulh von nie geahnten Empfindungen umrausch ten sie, und sie gab sich ihnen ganz hin; und als der Jüngling, in ihren Augen Erhörung zu lese« wähnend, siein feine Arme schloß, widerstreb» sie ihm nicht. Da» rosige Dämmerlicht deanbrecheadm Moqentraf noch da- Paar im Liede-eaufch auf einer der Bänke im Garten sitzen. Sie gaben sich de, Hoffnmeg eine» glückliche« Zukunft hin, die sich ihnen so rosig Matt» wie da- Purpurllcht, daüber ihre Häupter sich erM.