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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 52 (1861) · p. Seite 208

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
52 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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208 Lavolle Tageslicht aber mahnte sie an die Streng, der morgenländischen Sitte, und sie schieden von einander mit Verheuerung ewiger Liebe, und mit dem Versprechen, baß sie suchen würden die Einwilligung der Eltern zu erlangen. Tag« daraus suchte die Mutter den abgerissenen Kaden degestrigen Gespräch« mir der Tochter wieder anzuknüpfen; zu ihrer freudigsten Ueberraschung fand sie dieselbe zu Gunsten ihre- Vorhaben« gestimmt. Sie erklärte ihr: ihr« eigenen Gefühle dem Jüngling gegenüber verkannt, und sich von der Richtigkeit der mütterlichen Worte bezüglich der Empfindungen de« Jüngjmg« zu ihrer Person überzeugt zu haben. Die Folge von dieser Eröffnung war, daß noch an demselben Tage die Verlobung der beiden jungen Leute stattfand. Wer war jetzt glücklicher al« Scdalum? Wer seliger al« Rachel, die von nun an ihren Verlobten immer mehr lieb gewannt Die Eltern waren üdereingekommen, j nach einigen Monaten die Vermählung zu feiern. Wie; «i, schöner Traum schwand diese Frist dem glücklichen! Paare dahin, um einem noch schöneren Plütz zu machen. Die Vermählung wurde mir allem dem Oriente eigenthümlichen Schaugepränge begangen. Feste auf Feste folgten und Schalum kostete den Kelch de« Leben« in vollen Zügen. Ec lebte nur in der Gegenwart, und Alle« was dahinten lag, war in seiner Erinnerung verschwunden. Eure der erste» Adtheilung. *) * \ Drei jüdische Minister. Auch im Mittelalter geschah es einige Male, daß sich Juden bei arabischen, spanischen und tückischen Fürsten zum Rang« der höchsten Rarde aufschwangen. Wir erinnern z. B. an Samuel Jdn Nagrela und seinen Sohn Do« Joseph, an den Herzog von Naro« u. A. Sie verdankten e« meist der Finanzaorh ihrer Herren, ihrem eigenen Scharfsinn und günstigen-, sie emporhebenben Umständen. Allein noch hat es keine Zeit gegeben, wie die jüngste, wo wir zugleich drei Juden in regelmäßiger Weife zu Ministern rceirt sehen, in den verschiedenen Zweigen des öffentlichen Dienstes. Wir meinen die Herren: Godefroi, holländischer Minister der Justiz, Achille Fould, französischer Minister der Finanzen, und Benjamin^KriegSminister in den coaföderirten Südstaaten von Nordamerika. Da Fould früher kaiserlicher Staarsmiaister war, der als solcher insbesondere die schonen Künste, Theater u. bergt, unter sich hat, ersieht man, baß es durchaus nicht die den Juden sonst vorzugsweise zugefchriedenen Finanzeinsichlm sind, welche diese Männer auf ihre ebenso ehrenvollen wie schwierigen Posten gebracht baden. Freilich hätten wir gewünscht, daß der Jude Benjamin einer bessern Sache gedient hätte, als der Verlheibigung der Sklavenkette und Peitsche. Wenigstens kann man ihm aber die Aufrichlig- *) Die zweite Abteilung folgt in den ersten Nummern Leie«» Jählings. keit der Ueberzeugung nicht abspwchen denn, vor dem Bruche Mitglied des norbamerikaasschen Senates, hielt er schon beim Beginne der Spaltung eine Rebe im Senate zu Gunsten der Südstaaten, eine Rede, die so ausgezeichnet war, daß selbst die Gegner ihre Bewunderung ihr nicht versagen konnten. Nach dem Berichte des Präsidenten der abgefallenen Staaten, Jefferson Davis, an den Congreß der letzteren befinden sich ihre Srreitkräfte im besten Zustande, stärker und besser armirt als vor dem Beginn des Kampfe«, was sie der Fürsorge und Energie de« Herrn Benjamin zu.danken hätten. Nicht minder nimmt der holländische Jüstizminister Godefroi seinen Platz in ehrenvollster Weise ein, har sein Pottefeuille unter mehrfachen Ministerkrisen auf immer wiederholten Wunsch de« König« beidehalten, und besetzt die Majorität der Generalstaalen. Jedermann kennt die ehrenden Umstande, unter welchen Herr Fould seine jetzige Stelle eingenommen, und daß er die« nur unter der Bedingung größerer parlamentarischer Rechte seitens des gesetzgebenden Körpers gechan hat. Im Interesse der französischen Nation wünschen wir ihm, daß ec reelle Erfolge erziele. Anekvote. Es war von einem polnische» Edelmanne allgemein bekannt, daß derselbe mit den Juden, die Geschäft« halber mit ihm zu verkehren Mitten, nicht allzu ceremoniö« umzugehen pflegte; besonder« lieble ^derselbe, ihnen bisweilen handgreifliche Beweise seine« Hochwohlgedorenen Abel« zu geben. Ein jüdischer Kleinwuarenhändler begegnete einst einem Handels» und Glaubensgenossen, der für ein Schlemiehl bekannt war, im Vorhause diese« Edelmanne«, und warnte ihn, vor diesem ungezogenen Manne sich in Acht zu nehmen. Al« Letzterer eine Zetr hernach Elfterem begegnete, entspann sich zwischen ihnen folgende« Gespräch: «A. Nun, wie erging e« Dir beim Puritz (Edelmanne)? B. Denke Dir die Frechheit diese« Menschen; er wollte mir zehn Pärsch (Maulschellen) geben. A. Woher weißt Du e«, daß gerade zehn? B. Wie heißt? ich habe sie gezählt. A. Wenn ' es so weit gekommen, baß Du sie zählen konntest^ warum sagst Du „er wollte?" B. Wie heißt? wenn er nicht gewollt hätte so würde er sie mir nicht gegeben haben. Allgemeine Zeitung de-Judenkhum-. No. 51. 1861. Leitende Artikel: Russisch * jüdische Zustande. — Die israelitische Bibel-Anstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitung-.Nachrichten: Preußen: Waldenburg, Berlio, Berlin, Magdeburg, Sozmin. Frankreich: Pari«. Ruß« land: Warschau^ Warschau, Warschau. SS* Zu beziehen durch jede-Postamt nnd jede Buchhandlung. Jährlich 2 Thaler, vierteljährlich % Thaler Verantwortlicher Redactenr St» -käbe. Berta* M»B««mg*rtact’* Buchhandlung in «ripzig. — DrnS vo» S. S reyft,

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